Hey #pnpde, ich bräuchte mal ne zweite Meinung zu einem gruppendynamischem Konflikt.

In der Session 0 einigt sich die Gruppe auf einen erzählerischen Spielstil, in dem Werte nur unterstützend sein sollen und nicht im Fokus des Spiels stehen sollten. Bei der Generierung der SC bittet Spieler A, seinen SC allein mit dem SL generieren zu dürfen. Er plane eine intellektuelle Figur mit ein paar Twists, die die Gruppe noch nicht kennen soll. Dem stimmt die Gruppe (leicht zähneknirschend) zu.

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Die Gruppe nimmt aber die SL in die Verantwortung, dass sie auf eine gute Zusammensetzung der SC achtet.

Spieler B baut eine primär kämpferische Figur, der er aber ein paar schurkische Nebenaspekte gibt. Der Rest der Gruppe füllt andere Aspekte.

Drei Sitzungen tief im Hauptspiel stellt sich heraus, dass Spieler A eigentlich primär einen Schurken gebaut hat, der die "intellektuelle" Figur als Tarnidentität nutzt.

Jetzt ist Spieler B auf dem Baum, vor allem gegenüber der SL.

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#pnpde

Spieler B sagt, dass er seinen Charakter ganz anders gestaltet hätte, wenn er von einem anderen Schurken in der Gruppe gewusst hätte, und ist wütend wegen der "verschwendeten Ressourcen" für die schurkischen Fertigkeiten.

Die SL sagt, sie hätte da nicht eingegriffen, weil Spieler B ja nur sekundär als Schurke auftreten wollte und die Werte gemäß Session 0 eh nicht so wichtig sein sollten.

Wie kommt man da wieder raus?

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#pnpde

(Geht btw um eine andere Gruppe als die von gestern.)

@moonmoth @SimonHain
@Morgunin

Danke für Eure Antworten!
Ich gehe etwas ins Detail (auch um die Position der SL zu verdeutlichen) und verwende dazu DSA-Lingo. Es geht Spieler B nicht um klassische Diebestalente wie Falschspiel oder Taschendiebstahl, sondern um Schleichen & Sich Verstecken.
Die SL sagt, das wären individuelle Fertigkeiten, die jeder bräuchte, und kein schurkischer Fokus.

Spieler B sagt dazu, dass die Gruppe als ganzes mit Magierin und Priester eh nicht schleichen wird.

#pnpde

@alexanderondu @moonmoth @SimonHain @Morgunin Kommt mir jetzt nicht ganz unbekannt vor. DSA hat oft so den Anschein von "wir spielen kultur- und setting-orientiert", aber spätestens seit DSA4 auch üble Minmaxing-Möglichkeiten. Das ist eine Spannung die durch pauschales "Wir spielen erzählerisch" nicht per überwunden wird.

(Hinzu kommt ja, dass das Ausspielen einer "Nische" ja auch grundlegend eher eine erzählerische Motivation hat)

Und "mein Charakter ist eigentlich …" ist auch so eine DSA-Krankheit.

Für mich wäre hier die ideale Lösung eine "Session 0K", also wirklich bei Null anfangen. Spielstile und bevorzugtes interagieren in einer Gruppe richtig abfragen.

Ich hatte auch schon richtig positive Erfahrung was die Talent-Orientierung betrifft, wo eben der Professions/Kultur-Ansatz von DSA dazu geführt hat dass zwei, drei Spieler die fast identische Werte in manchen (abenteuer-relevanteren) Bereichen keine Probleme hatten, während sie das vielleicht bei D&D gehabt hätten weil das dann alles "Rogue 1" gewesen wäre. Aber das hatte halt auch sehr viel Buy-In was eher theatralisches Setting-Spiel betraf. Ein mehr "Abenteuer"-orientierter Fokus (z.B. ich will der sein der schleichend kundschaftet) geht dagegen.

Als SL würde ich halt ein bisschen auf Mea Culpa gehen, wie oben gesagt neuer besprechend und meinen Kampagnen-Ansatz dementsprechend ändern. Denn wenn Leute so eifrig auf ihre Skill-Nischen sind, sind die auch nicht zufrieden wenn die nicht häufig genug zur Geltung kommen.