Ich empfehle allen, die sich vermeintlich selbstironisch als "links-grün versifft" bezeichnen, das zu lassen. Denn durch Wiederholung dieser bildhaften Bezeichnung verbreitet man nicht die implizite Botschaft der gemeinten Ironie, sondern bloß das abwertende Bild selbst, dessen Wirkung bewußt abwertend ist und vor der niemand gefeit ist, auch der Sender oder die Sender*in selbst nicht. Abwertende Selbstbeschreibungen im Vertrauen, das Gegenüber werde das schon richtig verstehen, sind nicht gut.

@plinubius
Gibt es dazu Untersuchungen? Es ist ja ein immer wieder zu findendes Phänomen, dass Geschmähte Schimpfwörter selbst verwenden um ihnen dadurch die Spitze zu nehmen oder es zumindest versuchen.

Zum Beispiel (männliche) PoC, die sich gegenseitig mit dem N-Wort anreden, Schwule, die andere als Faggot bezeichnen.

Ähnlich wie „Reclaim the Flagg“ versuchen sie eine Umdeutung des Begriffs oder Symbols.

@plinubius

Funktioniert diese Strategie nie? Oder manchmal? Oder funktioniert sie halt nur für die betroffene Gruppe selbst?

@utrenkner Ich schreib Dir noch ausführlich. Vorab: Lustigerweise besteht meine Mobbingerfahrung aus Schultagen darin, als Hochdeutsch sprechendes Kind unter schwäbisch Schwätzenden gehänselt worden zu sein. Den Spruch "Wir können alles, außer Hochdeutsch" lese ich in Folge Deines Toots mit neuen Augen. Offensichtlich kämpft das ganze Land Baden-Württemberg mit ähnlichen Problemen.
@utrenkner
Das Wort "schwul" hat ja selbst eine Geschichte des Konnotationswandels durch selbstermächtigende Aneignung.
@plinubius
@utrenkner @plinubius Absolut. Das ist der einzige wirklich valide Punkt in der Selbstbeschreibung, dass der Gegner sich bei dieser Beleidigung ab dem Zeitpunkt lächerlich macht, weil man damit einfach nicht mehr beleidigbar ist.
Und gefühlt hat die Verwendung von rechtsaußen auch nachgelassen, weil es niemanden mehr tangiert, so bezeichnet zu werden.