Ich empfehle allen, die sich vermeintlich selbstironisch als "links-grün versifft" bezeichnen, das zu lassen. Denn durch Wiederholung dieser bildhaften Bezeichnung verbreitet man nicht die implizite Botschaft der gemeinten Ironie, sondern bloß das abwertende Bild selbst, dessen Wirkung bewußt abwertend ist und vor der niemand gefeit ist, auch der Sender oder die Sender*in selbst nicht. Abwertende Selbstbeschreibungen im Vertrauen, das Gegenüber werde das schon richtig verstehen, sind nicht gut.

@plinubius Besser "links-grün versifft" als "recht-braun verkackt" 🤭

Aber Du hast schon Recht. Wenn man die Propaganda der Braunen wiederholt, dann setzt sich das fest.

@plinubius
Gibt es dazu Untersuchungen? Es ist ja ein immer wieder zu findendes Phänomen, dass Geschmähte Schimpfwörter selbst verwenden um ihnen dadurch die Spitze zu nehmen oder es zumindest versuchen.

Zum Beispiel (männliche) PoC, die sich gegenseitig mit dem N-Wort anreden, Schwule, die andere als Faggot bezeichnen.

Ähnlich wie „Reclaim the Flagg“ versuchen sie eine Umdeutung des Begriffs oder Symbols.

@plinubius

Funktioniert diese Strategie nie? Oder manchmal? Oder funktioniert sie halt nur für die betroffene Gruppe selbst?

@utrenkner Ich schreib Dir noch ausführlich. Vorab: Lustigerweise besteht meine Mobbingerfahrung aus Schultagen darin, als Hochdeutsch sprechendes Kind unter schwäbisch Schwätzenden gehänselt worden zu sein. Den Spruch "Wir können alles, außer Hochdeutsch" lese ich in Folge Deines Toots mit neuen Augen. Offensichtlich kämpft das ganze Land Baden-Württemberg mit ähnlichen Problemen.
@utrenkner
Das Wort "schwul" hat ja selbst eine Geschichte des Konnotationswandels durch selbstermächtigende Aneignung.
@plinubius
@utrenkner @plinubius Absolut. Das ist der einzige wirklich valide Punkt in der Selbstbeschreibung, dass der Gegner sich bei dieser Beleidigung ab dem Zeitpunkt lächerlich macht, weil man damit einfach nicht mehr beleidigbar ist.
Und gefühlt hat die Verwendung von rechtsaußen auch nachgelassen, weil es niemanden mehr tangiert, so bezeichnet zu werden.
Hi @plinubius,
💯
gerade in kontextarmen Medien wie diesem hier ist Ironie im Allgemeinen viel zu gefährlich.
@plinubius Gib uns eine Alternative! Ich nutze ja viel Demokrat :)

@droidboy @plinubius

Also ich bin Antifaschist*in

Einfach & unmissverständlich. 🙂

@droidboy Das Wort "versifft" thematisiert Ordnung als Reinheit. Die Sprechabsicht ist der Anspruch des Sprechers, für die Ordnung und das Rechtschaffene und wider einen Verfall zu stehen. "Demokrat" pariert bereits super, lässt aber die Möglichkeit, Demokratie negativ als Toleranz für Unordnung zu rahmen. Wir suchen also einen Begriff, der Ordnung im Pluralismus progressiv rahmt und Phänomene der Ambiguität im Moment der Veränderung positiv auflädt. Ich würde sagen: Ich bin #ordnungsmutig.
@plinubius Guter Versuch! Mag ihn auch, da Freiheit durch Regeln entsteht, was in Ordnung steckt.

@plinubius @droidboy

Was hältst du vom (nicht mehr neuen) "Verfassungspatriot"?