Ich habe die Tage ein kleines #Interview zu #Antifa und linken/anarchistischen Strategien in der ostdeutschen #Provinz gemacht. Mein Gesprächspartner ist in einem sächsischen Provinzkaff aufgewachsen - er weiß also, wovon er redet. Ich würde mich freuen, wenn dieses Interview kontroverse aber lösungsorientierte Diskussionen nach sich ziehen würde (aber das ist vielleicht auch zuviel gehofft). Naja. Jedenfalls wünsche ich produktives Lesen!
https://geigerzaehler.info/2026/02/23/grosstadt-provinz-und-die-ineffektivitat-antifaschistischer-strategien/
#ostdeutsch #sachsen #basc
Großstadt, Provinz und die (In)Effektivität antifaschistischer Strategien – Paul Geigerzähler

@geigerzaehler Einige sehr wichtige Punkte! Ich frag mich nur ob das mit dem "die radikale linke biete keine Lösung" wirklich stimmt, oder das zu sagen nicht Teil des Problems ist, weil viele selbst nicht sehen, das in selbstorganisierten Projekten (Mietshäusersyndikat, SoLaWi, Küfas, autonome Zentren, Wagenplätze, freie Radios, die Zapatistas, rote Hilfe & EA-Gruppen, die FAU, etc. etc.) diese eigentlich klar ausgedrückt wird - nur selten wird es auch so formuliert.

@yoshi @geigerzaehler also so gut ich alle diese Projekte finde - die sind alle nur begrenzt anschlussfähig einfach weil überall die materiellen Kapazitäten begrenzt sind. Am Ende wenn es eins in ein solches Projekt schafft führt dass dann meist nur zu einer Abkoppelung von denen außerhalb.

Ich seh da nur sehr begrenzt Raum für Wachstum außerhalb des Milieus welches Zugang zu diesen Projekten hat.

@yoshi @geigerzaehler (und oft hängt so eine Struktur an irgendeiner verfallenen Immobilie die vor 40-50 Jahren mal erkämpft wurde und an der Substanz eher herunter gewirtschaftet wird...)
@missqarnstein @geigerzaehler Es gibt natürlich da ein breites Spektrum an wie erfolgreich das gelingt. Ich habe aber über die Jahre im Rahmen des journalistischen dazu Arbeitens sehr viele Strukturen kennengelernt und habe da ein eher positives Gesamtbild - trotz allem :D

@yoshi @missqarnstein

Is auch mein Eindruck.

@yoshi @missqarnstein

Meiner Eindruck ist, dass die Leute vor Ort sich trotz der Widrigen Bedingungen ganz gut schlagen (so gut es eben geht). Die Frage, die sich stellt ist doch, wie eine sinnvoller Unterstützung, ausgehend von Orten wo es einfacher ist, aussehen kann. Sich über kaputte Immobilien zu mokieren ist vielleicht nicht die größte Hilfe.

@yoshi @missqarnstein

Die BesetzerInnenbewegung der frühen 90er war by the way was die soziale Herkunft betrifft oft breiter aufgestellt als die heutige Linke, die in vielen Bereichen eine universitäre Monokultur ist. Sie war deshalb auch trotz Punk ziemlich anschlussfähig in verschiedene Milieus. Da ist leider viel von verschütt gegangen.

@yoshi @missqarnstein

Ich schweife ab... Sorry.

Jedenfalls will ich ne Lanze dafür brechen, dass die Stadt auch auf den ländlichen Raum schaut. Und das mit ner gewissen Offenheit und der Bereitschaft zu lernen. Da könnten alle von profitieren.

@missqarnstein @yoshi
Das stimmt! So schön Subkultur auf ner kulturellen Ebene ist, so begrenzt sind ist ihre Wirkung auf die Gesamtgesellschaft. Aber die Subkultur war in sich Käffern das Einige an (historischer) Jugendkultur, die der "National befreiten Zone" ihre Existenz entgegengestellt hat. Das ist ne Menge.

@missqarnstein @yoshi

Wir müssten uns aber trotzdem etwas Besseres einfallen lassen. Im Neoliberalismus hat die Subkultur ihre Sprengkraft verloren und ist nur noch ein Farbtupfer im marktkonformen Allerlei. Aber was?

@geigerzaehler @yoshi ich fürchte es geht nicht anders als einen neuen Marsch durch die Institutionen.

Sich organisieren und den Leuten die sich organisieren einen solidarischen menschlichen Rückhalt zu verschaffen. Es muss menschliche Grundbedürfnisse abdecken damit es eine tragfähige Struktur schaffen kann. Keine Ahnung wie man das institutionalisieren könnte und ob ne Partei da dass richtige Instrument sein kann.

Regelmäßige Veranstaltungen abhalten die Verbündete anziehen könnten und aktiv versuchen Menschen einzubinden. Seine eigenen privaten Freundschaften strategisch wählen und offen sein für unerwartete Menschen.

@geigerzaehler @yoshi Vertrauenswürdige Menschen pushen und Narzissten, Karriereleute und Selbstdarsteller in weniger einflussreiche Orte abgleisen... Idk?

@missqarnstein @geigerzaehler @yoshi

ich denke, ~wir müssen~ Strategien entwickeln, die sich nicht in Subkultur erschöpfen. wo das nicht anders geht: besser als nix.

aber ich sehe zu wenige Linke, welche sich offensiv als Teil der Gesellschaft begreifen. dazu gehört sowohl, sich selbst in die Lage zu versetzen Leute abzuholen, die denken unpolitisch zu sein als auch, offensiv dafür zu streiten die Teile der Institutionen zu bekommen die ~uns~ zustehen.

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@missqarnstein @geigerzaehler @yoshi

dabei denke ich, dass wenn Leute individuell sich in Institutionen begeben, die Gefahr gross ist, dass sie selbst durch die Institution aufgefressen werden (da ist ein ungelöster Widerspruch)

@kami_kadse @missqarnstein @geigerzaehler @yoshi Ich würde mir ja eine (neue) sozialdemokratische Partei als Hoffnungsträger wünschen. Etwas das ein positives Bild der Zukunft malt das keine unerreichbare und kontroverse Utopie zu sein scheint, und das nicht zu sehr vom linken Ballast der Antisemit_innen und Putin- und Stalinfans belastet wird.

Das ist meine Hoffnung dafür, Menschen eine gute Lösung für Verlustängste zu geben und ihnen politische Wirkmächtigkeit zu zeigen.

@kami_kadse @missqarnstein @geigerzaehler @yoshi und wie du sagst, es ist wichtig die Möglichkeiten der staatlichen Institutionen auszuschöpfen, die Idee von militanter Revolution und sich als Szene gegen den Staat durchzusetzen halte ich für naiv.
@yoshi
@geigerzaehler
Hier werden ja eine ganze Menge "linker" Bewegungen aufgezählt, die kaum unterschiedlicher in ihren (theoretischen) Organisationsformen nicht unterschiedlicher sein können.
Der Marsch durch die Institutionen ist historisch und aktuell immer gescheitert - und das immer so wie es die Kritikerrinnen dieses Marsches "vorher" gesagt haben.
Was es braucht sind wahrscheinlich mehrere Punkte:
- das anerkennen der eigenen Schwäche
- das Erkennen der eigenen Stärken
- der Mut...
@yoshi @geigerzaehler
- die individuelle ökonomische Herkunft und Ziele zu benennen (beides wirkt sich auf die Art des "Aktivismus" aus)
- die Aufgabe moralischer Überheblichkeit
- eine Sprache, die von möglichst vielen sofort verstanden werden kann, ohne(!) an inhaltlicher Klarheit zu verlieren
- inhaltliche/sprachliche Klarheit
- u.v.a.m.
@srrw_nrw @geigerzaehler Mir geht es genau um die Unterschiedlichkeit - sie erfüllen ja auch alle andere Zwecke. Und haben gemein, dass sie reale alternative Ansätze zu Familie, Tradition oder Konsum bieten. Aber statt über das, was man macht zu reden, wird lieber dazu aufgerufen sich "zu organisieren" oder über das angebliche fehlen von Lösungen lamentiert. Das ist halt dann auch eine selbsterfüllende Prophezeiung. Deswegen gehe ich mit dem Mikrofon auch lieber zu denen, die einfach machen.