Je mehr ich über weiterführende Schulen durch die eigenen Kinder und die Erfahrungen von Freunden herausfinde, desto klarer wird mir: Man muss die Ebenen symbolischen Handelns und tatsächlichen Handelns unterscheiden. All die schönen Plaketten stehen in aller Regel in keinerlei Verbindung mit der tatsächlichen Substanz. Allesamt eher Pretender als Contender. Das Problem: Das wissen auch die Kinder. Die halten das, was Schule behauptet, für Gelaber. Vielfach sehr bitter. 1/x
Ich finde das vor allem deshalb schlimm, weil ich mich frage, was das mit dem Vertrauen in die Funktionsfähigkeit unserer gesellschaftlichen Institutionen in der nächsten Generation macht, wenn die Erfahrung aus 13 Jahren Schulen die ist, dass alles nur Schein und Lehrer, Schulleitung, Schulaufsichtsbehörde, Bildungsministerium, Minister und Politiker in erster Linie um den schönen Schein bemüht sind, jedoch keinen einzigen Konflikt und kein Problem anzugehen und zu lösen in der Lage sind. 2/x
Eine besondere Note erhält das bspw., wann immer es um "Präsentationen" oder "Digitalisierung" in der Schule geht. Während bei der Präsenteritis die Herstellung des schönen Scheins zum Lernziel erhoben wird, ist das Lehrerkollegium mit der Technik überfordert, fahren die Kinder mit den Lehrern Schlitten, indem sie Vorteil aus der dümmlichen Konfiguration der Tablets ziehen, indem ihnen die Schule die Möglichkeit eröffnet, die elterliche Aufsicht mit Schulgeräten zu unterlaufen uvm. 3/x
Wirklich, ich könnte diesen Rant über viele weitere Toots fortsetzen, egal, wo man hingreift. Des Pudels Kern ist ganz einfach: Es ist zu wenig Geld für Personal da und Politik macht sich seit Jahrzehnten schuldig, den Schein wahren zu wollen. Jeder weiß das, das rächt sich und das wird sich rächen. 4/x
Und, wichtig: Das ist nicht nur in meiner Stadt so oder in meinem Bundesland. Die Freunde wohnen über das gesamte Bundesgebiet verstreut. Also erzählt mir nix. 5/x
Auch superb finde ich die Beobachtung, dass die Schulentwicklung so eine Neigung zu haben scheint, die aus der Knappheit und Widersprüchlichkeit entstehenden Probleme mit Mediation und "Konfliktbewältigung" bearbeiten zu wollen. Statt dass also irgendwo an- und zugepackt wird, entschieden wird, Geld ausgegeben wird, Leute geheuert werden, gibt es dann Gesprächskreise und Moderationskärtchen. 6/x
Und wenn Geld, dann gerne immer nur für Wochen, für wenige Monate, für "Projekte". Wirklich, zu öffentlichen Auftritten von Bildungspolitikern, die sich mit Zahlen aus "Projekten" und "Maßnahmen" schmücken, sollte man immer eine Stiege fauler Tomaten zum werfen mitnehmen. 7/x
@plinubius imho, ja grundsätzlich hast Du recht.
Aber, nichts wird so finanziert, wie es gut wäre. Deshalb sind die vielen netten Helfer und ehrenamtlichen Stunden, Gold.
@mattze sehr richtig! Das bringt mich direkt zur nächsten Beobachtung: An Schulen ist die Mitwirkung von Ehrenamtlichen, insbesondere von Eltern, sehr unterschiedlich ausgeprägt. Auf der Basis meiner Beobachtungen ist es in Grundschulen einigermaßen stabil, weil hier alle Schichten und Milieus gleichermaßen vertreten werden (und es nur abhängig von der Sozialstruktur des Stadtteils variiert), während auf den weiterführenden Schulen es sehr stark vom dominanten Milieu der Elternhäuser abhängt