„Die Namen der vier jungen Männer sind heute nur wenigen Interessierten bekannt. Sie waren nämlich Kommunisten.“

Tja. Und die waren Bäh. Gedacht wurde nur der bürgerlichen Attentäter. Und nach der Wende wurde dann der #Antifaschismus und das Gendenken der Menschen im Osten als kommunistische Selbstbeweihräucherung abgetan.

Ich denke, das man das ruhig als historische Tatsache gelten lassen kann: Es gab mehr Kommunisten (+ Solzialdemokraten), die aktiv gegen den Faschismus gekämpft haben, als sonstige.

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Sabotage, aber richtig

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@stefanmuelller @danielaKay Man kann (und sollte) das fehlende Gedenken an den nicht-bürgerlichen Widerstand in der Bundesrepublik auch kritisieren, ohne die DDR reinzuwaschen. Es gab in der DDR zwei Klassen von Opfern des Faschismus, sowohl im öffentlichen Gedenken, als auch bei den Opferrenten. Juden wurden ab 1953 aus dem VVN-Vorstand ausgeschlossen und ihnen und anderen Nichtkommunisten nach und nach der OdF-Status aberkannt.
@stralau @stefanmuelller @danielaKay
Ich hatte bisher nicht den Eindruck, dass Stefan die DDR "reinwaschen" wollte...
@WolfgangPomrehn @stefanmuelller @danielaKay Ich will nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen, aber ich störe mich in dem (ansonsten richtigen) Post an dem Satz „Und nach der Wende wurde dann der #Antifaschismus und das Gendenken der Menschen im Osten als kommunistische Selbstbeweihräucherung abgetan.“ (1/2)
@WolfgangPomrehn @stefanmuelller @danielaKay Ich denke, an vielen Stellen war es genau das: kommunistische Selbstbeweihräucherung. Das schmälert nicht den Mut kommunistischer Widerstandskämpfer, aber das Gedenken in der DDR hatte aus meiner Sicht doch deutliche Schlagseite und man kann die heutige Praxis auch ohne Bezug auf die DDR kritisieren.

@stralau

Hab ich auch irgendwo geschrieben: Wer will es denen verdenken? Die haben im KZ gesessen.

Das wichtige Wort in meiner Aussage war „abgetan“. Dadurch, dass man darauf hinweist, dass die Kommunisten in den Gedenkorten häufig vorkamen, wertet man das ab.

Klar haben die sich gefeiert, aber sie hatten auch Grund dazu.

Mein Problem ist: Dass ich diese ganzen Faschismusvorwürfe von Seiten des Westens nicht ertrage. Wie Julie Zeh und Jana Hensel kürzlich auch gesagt haben, ist das alles Verdrängung. Dem Osten wird angedichtet, dass alle Nazis wären und dann irgendwelche Begründungen angeführt. Ich möchte aufzeigen, dass wohl das Meiste auf Nachwendeentwicklungen zurückzuführen ist. Dazu strukturelle Stadt-Land-Probleme, Wegzug von Frauen. Alles gut dokumentiert.

Und deshalb werde ich irgendwie absurderweise als DDR-Nostalgiker oder sonst was wahrgenommen. Ich möchte nur erst mal die Fakten klarkriegen und dann haben vielleicht alle einen anderen Blick auf AfD und Co. Aber vielleicht ist es dafür eh schon zu spät.

Ich weiß nicht, ob Du es gesehen hast. Ich hab im Januar eine neue Anfrage bei den Stasi-Unterlagen gestellt und ich bin erfasst. Was genau es ist, weiß ich noch nicht. Aber schon die Tatsache, dass ich jetzt mein ganzes Leben durchgehe und darüber nachdenke, was es gewesen sein könnte und wer, zeigt mir recht deutlich, dass ich das nicht wiederhaben will. Wollte ich übrigens noch nie.

@WolfgangPomrehn @danielaKay

@stefanmuelller @WolfgangPomrehn @danielaKay Die haben nicht nur sich gefeiert, sondern die Geschichte umgeschrieben. Weil sie die Macht dazu hatten und diese auch genutzt haben. Was glaubst Du denn, was das in Familien ausgelöst hat, die Angehörige verloren hatten und dann gesagt bekamen, Euer Opfer ist weniger wert (was sich u.a. an den Rentenzahlungen bemißt).

@stralau

„Dort gelangte nun die alte Trennung von »Kämpfern« und »Opfern« wieder zu neuen Ehren und wurde nun auch mit materiellen Konsequenzen gewürdigt: Kämpfer, die das um fünf Jahre herabgesetzte Pensionsalter erreicht hatten oder invalide waren, sollten eine Ehrenpension in Höhe von monatlich 800 Mark erhalten, für Opfer waren demgegenüber lediglich 600 Mark vorgesehen. Sofern Juden also nicht Träger der »Medaille für Kämpfer gegen den Faschismus 1933–1945« waren, mußten sie sich mit dem minderen Status und entsprechender Pensionsberechtigung des Opfers begnügen. Mau muß dabei allerdings hervorheben, daß die Höhe der Ehrenpensionen gemessen an DDR-Normalrenten exorbitant hoch war; bis 1989 waren die Ehrenpensionen auf 1800 Mark für »Kämpfer« bzw. 1600 Mark für »Opfer« angestiegen.“

Goschler, Constantin. 1993. Paternalismus und Verweigerung — Die DDR und die Wiedergutmachung für jüdische Verfolgte des Nationalsozialismus. In Benz, Wolfgang (ed.), Jahrbuch für Antisemitismusforschung, vol. 2. Frankfurt/Main: Campus-Verlag.

Das sind die Fakten. 200 Mark sind bei einem Gesamtbetrag von 1600 Mark dann auch egal. Das ist irre viel Geld gewesen in der DDR. Wüsste nicht, was man damit hätte anfangen sollen.

Und viele der jüdischen VVN waren ja auch aktiv im Widerstand gewesen. Zählten also zur Kategorie Kämpfer.

Die VVN konnten fünf Jahre eher in Rente gehen, die Kinder wurden bei Studien- und Ausbildungsplätzen bevorzugt. Sie haben leichter Wohnungen bekommen. Das steht alles in der Literatur.

Es gab jüdische Kinderferienlager, es gab Jüd*innen in allen Leitungsebenen, überall in der Gesellschaft. Medien, Betriebe, Verwaltung, Regierung.

@WolfgangPomrehn @danielaKay

@stefanmuelller @WolfgangPomrehn @danielaKay DDR-Gesetze wurden nicht gleichwertig angewandt. Ich schrieb schon oben, daß Juden aus dem VVN-Vorstand gedrängt wurden und daß _in_der_Praxis nichtkommunistische Opfer zunehmend ganz auf die Rente verzichten mußten. Siehe zum Beispiel https://www.projekte.hu-berlin.de/de/migrationddr/migration-in-die-ddr-und-brd/projekte/antisemitismus-faschismus/332

Dazu kam das öffentliche Gedenken: noch 1986 wurde z.B. das öffentliche Gedenken an das Marzahner Sinti-Lager (Unku war da) massiv von der SED behindert.

3.3.2 Vom "Kämpfer" zum "Opfer"

Projekte an der HU Berlin

@stralau @stefanmuelller @danielaKay
Das ist ne ziemliche Sauerei, doch nur mal so zum Vergleich:

Im Westen wurden die alten "Zigeuner-Register" weitergeführt, Sintis bekamen selten eine Entschädigung für KZ-Haft und wenn sie beantragen wollten, saßen ihnen in den Behörden meist alte Nazis gegenüber...