Seit Wochen Dunkelflaute in der #Oberlausitz. In der letzten Woche riss es kurz auf. Außerdem Schulferien. Und damit die Gelegenheit, einmal wieder für einen Tag #draußen zu sein. Die Wahl fiel diesmal auf eine stille Gegend im Grenzbereich von Ober- und Niederlausitz. Beim besten Willen nicht mehr #Sudeten. Vorfahren-Land. Sorbisches. Deutsches. Polnisches. #Chrupalla - Land auch. Stille Dörfer und Wälder. Strukturgebrochen vielerorts. Der Matsch der Zamper-Wochen. Kommt mal mit. #Lausitz
Den Bahnhof von Slepo/Schleife zeichnet aus, dass hier am Stellwerk noch Personal seinen Dienst verrichtet. Und dass der Eingang diesen Ostereibogen als Rahmung hat. Was natürlich passend ist, wězo.
Offizielle Zweišprachigkeit ist Slepo kommunal wieder wichtig. Hier ist die Wahl auf Obersorbiš gefallen. Seine eigene Übergangsvariante zwischen h und g behält man sich fürs nicht ganz so Offiziöse ponašemu. #LinguisticLandscape #Serbja
Ok, Elefant im Raum: Der katholiše radiboriše Urgroßvater hat hier ein Sägewerk gebaut, der Großvater den Angelverein geführt und den Vater hier seine #Kindheitslandschaft gefunden. Erzählte Erinnerungen der Vorfahren umgeben mich. Zum Beispiel dieses Wäldchen hier, gleich bei Sägewerk und Bahn. Da haben sich in den ersten Nachkriegstagen ein paar Nachbarjungs beim Spielen mit Kriegsmunition um Gliedmaßen und zum Teil Leben gebracht. Heftige Ausmahlung in den Berichten.
Das Vorfahren-Sägewerk. Die Werkhalle ist noch original vom Dichter-Förster-Fabrikanten-Urgroßvater, den Turm hat die Baufirma ergänzt, der das Ganze heute gehört. Dahinter stand das Holzhaus aus den Vatergedichten. Ist heute ein Garten mit Teich. Auch šön.
Die Fichten und Tujas hat noch meine Oma gepflanzt. Sie wollte immer Gärtnerin werden. Nach der Übersiedlung an den obersorbišen Weltenrand im Bergšatten hat sie das dann sehr ausleben können. Ich laufe heute noch ins Brandenburgische in ihr Kindheitsdorf. Hallo, Vorfahren! Ja was widźu.
Von der Sägewerksecke geht der Blick rüber zum Dorf. Šulwegblick von nanjo und den Gešwistern.
Das hier gab es damals noch nicht. Das ist die "Kochtopfsiedlung", wie es mir ein Tagebau-Umgesiedelter im nahen Trjebin/Trebendorf mal sagte. Gehört der Braunkohle, Mietwohnungen für alte Leute. Die sich dort gegenseitig in den Kochtopf schauen können, der baulichen Kompaktheit wegen. Für Leute mit bäuerlichen Vorfahren aus den Struga-Dörfern eher indiskutabel, so hörte ich es zwišen den Zeilen heraus.
Besagte Struga. Muss ich nichts zu sagen, hat nanjo alles šon gemacht.
Witaj Slepo!
Am Wegesrand eine Kastanie, die auch ein sorbišer Erinnerungsort ist.
Genauso wie das Pfarrhaus - sorbišes Šprachnest bis heute :) #Slepo #Lausitz #Serbja
Drinnen die Torhäuser, die sich im Winter nur für die Zamperer öffnen. Und hier und da ein Holzhaus aus den Zeiten davor. Als noch keiner in Wald und Busch Ziegel brannte und die Štandesherršaft wegen Peripherie und Pückler im Grunde pleite war.
Hinterm Netto bin ich dann den Trampelpfaden gefolgt. Den heimlichen Wegen und Schlagadern. #Draußen
Der Frost schaut aus dem Acker in der Dorfinsel an der Struga. Die Weiden ahnen schon was.
Nowy Miłoraz. Kurz vor Kohlešluss noch umgesetzt. Das ganze "glückliche Kindheitsdreieck" auf Norden gedreht. Immerhin sind Rowno und Mułkecy noch von der Šippe gešprungen.
Stille Februarwege.
Sehenswürdigkeiten? Nein. Warum auch? #Draußen
Das Land riecht nach Erde, Wasser, Frost und Fuchs.
Der Rauch des Kraftwerks, seit sechzig Jahren überm südlichen Horizont nun schon. Der Bagger ist jetzt da, man kann ihn in Slepo überall hören, wie er die Erde wegkratzt, wo einmal Trebendorf-Hinterberg und das Jagdschloss waren. Autolärm auch, die Leute fahren sehr schnell durch die Dorfinsel von Weißwasser nach Spremberg. Nicht viel Stille mehr über der Struga.
Ich gehe hier ja heute nicht nur des Biografischen wegen. Sondern eigentlich wegen des Muskauer Faltenbogens, den ich immer schon mal bewandern wollte. Ein vom Skandinaviengletscher hinterlassenes Endmoränen-Hufeisen, so bilderbuchhaft, dass es heute ein UNESCO-Geopark ist. Da vorn war das Gletschertor. Aus ihm heraus fliesst die Struga. So ist das in der #Lausitz. Es ist immer noch was Zweites da, das man nicht immer gleich sieht.
Woran merkt man, dass man in die Lausitzer Heidedörfer gelangt ist? Irgendwo draußen in der Landschaft hat hier jedes seinen Friedhof. Hier zum Beispiel Dźěwin/Groß Düben. Die Toten zur weit entfernten Kirche kutschieren und dort begraben? Nix da, der Pfarrer soll mal schön selber kommen.
Witaj Dźěwin.
Der Traktor hat dem hinter ihm verfallenden Gut den Rücken gekehrt.
Fußball hier in der Liminalität schwieriger Punkt. Energie Cottbus - Dynamo Dresden. Es geht hin und her. Zumindest auf Eishockey in Weißwasser können sich dann alle wohl einigen. #Chrupalla ist da ja auch gern gesehener und schultergeklopfter V.I.P.-Dauerkarten-Inhaber, wie wir unlängst in einem journalistischen Rührstück lernen durften.
Die DDR hat Dźěwin gigantische Stallanlagen hinterlassen, die ich auf meinem Weg zum Gletschertor passiere. Einige sind noch von Milchtieren bewohnt. Appalachische Gefühle, trotzdem. #Draußen
Von Süden und Norden rücken nun die Hufeisen-Arme der Endmoräne immer mehr zusammen.
Voraus das Gletschertor.
Noch ein Blick zurück, bevor ich in den Wald abbiege, auf dessen anderer Seite Brandenburg und die Niederlausitz warten. Božemje, Struga-Dörfer! #Lausitz
Drinnen im Faltenbogen dann Kiefernlicht und die vereisten Augen von mehr als 150 Jahren Bergbau.
#Bahnzeit war auch einmal. Nämlich die Nebenstrecke Forst-Döbern-Weißwasser. Stillgelegt, tief in den 1990ern.
Wenn das Dickicht der Endmoräne sich lichtet, ist da die #Niederlausitz, #Brandenburg und Cersk/Tschernitz.
Am Grenzweg ein Pfahl, gänzlich bedeckt mit Dynamo-Stickern. Möglich, dass da jetzt auch ein #AfD-Nee! - Sticker mit dabei ist.
Glasmachergegend. Überm Dorfhorizont hinterbliebene, diesbezügliche Industrie. #Lausitz
Auch Autos waren mal.
Die Bushaltestelle verkündet noch die ursprüngliche Bestimmung aus den DDR-Jahren. Zum Schluss noch mehr als ein Jahrzehnt Spezialglas für die Sorlarindustrie. 2025 im Sommer war dann endgültig kónc. Aber Erneuerbare sind ja eh ein Irrweg, sagen #Chrupalla und die eine oder andere Regierung.
In Tschernitz dann wieder das Biografische. Die gärtnerisch begeisterte Oma stammte von hier. Ihr Vater war preußischer Schulbeamter und Chorleiter. Das da rechts war seine Schule. Heute Physiotherapie. Die vergänglichen Schmerzen der #Lausitz.
Über Tschernitz brachen im späten 19. Jahrhundert die Glashütten herein. Man sieht es noch, zwischen den Häusern, wenn da kein gemauerter Schlacht- und Futterküchenwinkel ist.
Tja, Cersk. Ich weiß es doch auch nicht. #Lausitz
Es ist Mittag und ich gehe zu den Toten von Tschernitz, einen Apfel essen. Paar Vorfahren dürften ja auch dabei sein. Witajće!
Diesbezügliche Namen finden sich nicht mehr. Aber andere Geschichten. #Lausitz
Habe dann den Weg nach Jarješk/Jerischke genommen.
Der führt anderthalb Wegstunden als Milchstraße mehr oder weniger schnurgerade durch den stillen Zschornoer Wald. Nur der eigene Atem und Körper. #Draußen #Lausitz
Tief drinnen öffnet sich eine von den Panzertruppen der DDR hinterlassene Heideinsel. Im Herbst zur Blüte unbedingt wiederkommen!
Dann schluckt einen wieder der Kiefernwald. Wegkreuzungen, an denen Mitternacht einer wartet, um Deals anzubieten. #Lausitz
Wenn einem schon alles egal ist und man nicht mehr daran glaubt, ist da dann doch noch weltverloren Jerischke. In einer Waldinsel, direkt gelegen in einem einstigen Gletschertor.
Ach, Jarješk. #Lausitz
Auf der nördlichen Endmoräne betreibt die Familie Marbach einen Weinberg. Trockene Weißweine. Riesling, Johanniter, so etwas eben. Gibt jetzt auch eine moderne Kelterei. Und da habe ich mir eine Flasche mitgenommen und das letzte Glas davon trinke ich gerade, während ich das hier schreibe und ich finde das schön. #Lausitz
Gestorben wird in Jerischke auch und wenn man nicht aufpasst, drückt der Frost hier die toten Leute mitsamt dem Wasser wieder aus der Erde. Und dann laufen die in Jerischke herum und man hat nischte wie Scherereien.
Die Landschaft dann wirklich dem Gletscher wegen ein bisschen skandinavisch ausgehobelt und sehr sanft und schön. #Lausitz
150 Meter. Wer jetzt lacht, fliegt! #Lausitz
Gipfelhütte auch.
Der Lissberg nämlich. Ward Ihr alle noch nicht oben! Riecht auch wirklich nach Fuchs, wie quasi die ganze kleine Gegend. #Lausitz
Na, wer sieht den Friedhof von Selc/Zelz?
Ich bin ja auch in einem Weltende aufgewachsen. Aber so ein weltendiges Weltende wie Selc, das muss man wirklich erlebt haben! Selbst die Landstraße mit dem Linienbus drauf knickt oben vorm Dörfchen weg. Glücklich heißen mich Hofhunde willkommen. #Lausitz
Sehr sehr hübsch.
An irgendwas muss man sich halt festhalten. Und wenn es die Fahne ist. Muss unweigerlich an #Chrupalla mit seiner vom Imageberater ihm aufgeschwatzten Fensterglasbrille denken. Wie diese kleine, arme Gegend ihm in den Knochen steckt und er die ganze Zeit Angst hat, dass Weidel wieder vor allen im Parteigremium über ihn lacht und dann muss er zu Lanz vor diese ganzen Kameras und reden! Er wird sie alle dafür büßen lassen. Und uns! Wodaj, Selc. Du kannst ja nix dafür! #Lausitz
@boblinger77 Der Wein, die Ausstellung - du schreibst beflügelt heute.
@Elbwiese War ja auch länger Pause ...

@boblinger77

Danke.
Schön.

Warum sollte ich lachen?

Bitte:

@boblinger77
Hang links daneben niemals eine Tafel?
@boblinger77 So schöne Backsteinfarben und -häuser.