Mal eine Frage an die #autorinnen beiderlei Geschlechts: Dass wir meist schon sehr früh zum Schreiben gefunden haben, ist ja quasi der Regelfall.
Aber bilde ich es mir oder ist man meist auch insgesamt recht kreativ? Man muss ja nicht in allem begabt sein, um nebenher noch zu zeichnen, zu schreinern oder zu stricken, oder?
Was also tun andere, wenn sie nicht schreiben?
Und ich mache einfach mal den Anfang:
Schreiben war immer mein liebstes bzw. das Erfinden und Erzählen von Geschichten für den kleinen Bruder.
Aber gleich dahinter folgt für einige Jahre das Malen und Zeichnen. Ich war sehr gut darin, Spitzenrüschen barocker Kleider zu zeichnen, was ein sehr spezielles Talent war. Modebilder waren mein Ding, aber ich kannte zwei Mädchen, die viel besser darin waren, Menschen lebendig darzustellen. Da schlief das Zeichnen bei mir ein.
Erstaunlicherweise kam dann in der dritten Klasse das Häkeln dazu, während ich das Stricken überhaupt nicht kapierte. Auch noch nicht in der fünften Klasse im 'Textilen Gestalten'. Was lustig ist, weil ich von der 7. Klasse an im Unterricht strickte. Blind unter der Bank und sehr schnell. Und unerlaubt, aber so schüchtern ich war, das zog ich durch und war dafür wahrhaftig sogar bei Oberschülern bekannt, die mir Aufträge gaben - ich bekam frische Wolle, die einen Pulli. Wundert mich heute noch.
Ich war eine Weile - also auch in den 80ern - megasüchtig nach Makramee und meine Eltern hingen auch sämtliche Pflanzen pflichtschuldigst in meinen Ampeln auf. Scoubidou war auch so ein Trend. Hohlsaumstickerei fand ich toll (ich wundere ich auch darüber).
Dann kam das Berufsleben, ich leitete - bitte nicht gleich verurteilen! - eine Schönheitsfarm auf Norderney und hatte eine 52-Stunden-Woche. Da habe ich absolut nichts anderes mehr gemacht außer arbeiten und mich viel bewegen.
Dann irgendwann war ich wieder in Bonn und hatte meine erste richtige Wohnung. Ich zog oft und gerne um und Wände streichen ist mega! Balkone streichen auch. Farbe! Yay!
Irgendwann kamen die Kinder und das ist ja immer so ein Ding. Kein eigenes Leben mehr, total fremdbestimmt und abhängig als Hausfrau, die ich nie sein wollte.
Und dann, als endlich ein Kigaplatz für beide da war und ich vormittags zwei Stunden für mich hatte - also manchmal zumindest - da ging es ein bisschen mit Schreiben los.
Ich bloggte nämlich. Über mein Stricken. Sehr formal, sehr sachlich anfangs. Dann musste ich nähen lernen. Weil ich Vintage strickte und dazu braucht es passende Röcke und Hosen, die es vor zwanzig Jahren nicht in den Läden gab.
Und das dokumentiere ich öffentlich. Fand tolle andere Bloggerinnen. Eine sehr lebendige Kommunikation war das damals über die Kommentarfunktion.
Nähen allein reichte bald nicht: lernen, wie man die Sachen auch perfekt passend bekommt, ist höllisch. Auch weil man sich
immerzu mit dem eigenen Körper befassen muss. Und dann schrieb ich darüber. Über Schönheit, Feminismus, Politik, Alltagsanekdoten, Farben, Stricken, Nähen und dann das Erstellen eigener Schnittmuster.
Dadurch kam der erste Verlag auf mich zu. Und dann irgendwann gab es nur noch das Schreiben. Und seit Winter endlich wieder stricke ich, nehme mir die Zeit dafür.
Oh, und ich habe gelernt, meine eigenen Cover zu erstellen. Liebe, liebe, liebe es.
Stillsitzen, ohne etwas anzufertigen - geht nicht.
Sorry für das lange Palaver. Was tun andere? Wie seid ihr kreativ? Warum?
#kreativ #autor_innenleben #handarbeit #stricken #nähen #schreiben #hobby
@andrea_instone Ich bin gerade dabei mich mit Obsidan vertraut zu machen und habe nun auch herausbekommen, wie man in odt exportiert.
#Linux #Obsidan #selfpublishing #writerslife #autorinnenleben
@karinbraun Und? Läuft gut oder?
Hast du dir schon Plugins angeschaut?
@andrea_instone pandoc habe ich installiert. Damit klappt es sehr gut. Danke nochmal für den Tip mit Obsidan.
@karinbraun Ich hatte mir von der KI ein Programm für den Export schreiben lassen :)
@andrea_instone Wow, dass sieht ja total toll aus.
@karinbraun Es gibt alle möglichen Themes, du kannst eigenes CSS verwenden und Plugins für alles Mögliche zuschalten. Du kannst die Fenster ohne Ende unterteilen, kannst Webseiten reinziehen (z.B. Onlinerechtschreibung)
Du kannst das zu deinem perfekten Scrivener machen und die Texte mit fast jedem Programm öffnen und lesen. Habe nie so gut arbeiten können wie damit.
@andrea_instone Da bin ich gerade bei. 😉 Es gefällt mir wirklich, vor allem, alles so zu haben, wie ich es brauche. Bei Payprus habe ich nicht mal die Hälfte der Features genutzt. Und Tintero, das ich mir angeguckt habe, gefällt mir zwar, aber es ist wieder so ein geschlossenes System. Bei Obsidan bin ich freier. Macht zwar erst einmal mehr Arbeit, aber lohnt sich.
@karinbraun Aber sich alles so zu basteln, wie man es mag, lohnt halt auch so richtig. Und man bekommt Lust, endlich loszulegen.
@karinbraun Habe nicht alle in Gebrauch, aber die sind mir nützlich:
@andrea_instone
Bei mir kam das Malen noch vor dem Schreiben, und einige Zeit stand sogar zur Debatte, das zum Beruf zu machen. Inzwischen bekomme ich aber mangels Übung nur noch halbwegs gelungene Skizzen zustande. ^^
Außerdem sticke (kein Hohlsaum), nähe (Handnaht, keine Maschine) und stricke ich halbwegs regelmäßig, kleckse mit Farben und mache gelegentlich Dinge mit Perlen.
(Ich habe noch ein paar andere Handarbeits- und Handwerkstechniken ausprobiert, aber für alles fehlt einfach die Zeit)

@Nike_Leonhard Das ist das Problem, oder? Zeit. Zwischendurch muss man ja auch noch den Überlebenskram erledigen: Schlafen, kochen, essen, atmen, Antifa und all das.

Was nähst du denn?

@andrea_instone
Überlebenskrams, da sagst du was ... ^^

Aktuell nähe ich an einem Sommerkleid aus alter Bettwäsche.
Dauert ein bisschen, weil es gleichzeitig auch noch bestickt wird und ich ständig das Konzept über den Haufen werfe 😄

@Nike_Leonhard Oh. Ich verlange Bilder. Ganz höflich und demütig verlange ich die, aber bitte bitte bitte 😋
@andrea_instone
Das ist der Besatz vorne mit dem Ansatz des Gürtels, der später alles in Form bringen soll.
@andrea_instone
Und hier zwei Detailaufnahmen.
Am Kragen habe ich ein bisschen viel gemacht. Deshalb wellt der sich leider. Mal sehen, wie ich das wieder rauskriege.
@Nike_Leonhard Vielleicht noch eine zweite Einlage aufbügeln, damit der Stoff Stand genug für die Applikationen bekommt?
Sieht auf jeden sehr gut aus!
@andrea_instone
Danke :)
Ich fürchte, dass es mit einer Einlage zu steif wird. Also mal sehen, wie es nach dem Bügeln aussieht. Schlimmstenfalls kann ich auch einige der Knötchen rausschneiden.
@Nike_Leonhard Welche hattest du denn verwendet? G 700?
@andrea_instone
Gar keine.
Ich bin das von meinen 12tes Jahrhundert-Klamotten so gewöhnt, höchstens noch eine zusätzliche Stuffschicht (und ganz vielleicht einen Pergamentstreifen) einzunähen.
@Nike_Leonhard Ja, geht oft auch ganz gut, aber so eine kleine Einlage tut da Wunder und das wird auch nicht zu steif - der Ausschnitt bleibt in Form und das Kleid kann dann so fließen, wie du es magst. Würde ich bei einer solchen Arbeit mit so viel Liebe unbedingt verwenden <3