Ich bin so sehr in der Sowjetunion sozialisiert und habe so viel Geschichte gelesen, dass mich die Epstein-Files leider nicht wirklich schockieren. Solche Netzwerke entstehen, wo Menschen mit zu viel Macht, Geld und Langeweile zusammen kommen. Der Fehler im System ist die Anhäufung von Macht.
Trotzdem sind Menschen, die darüber schockiert sind, extrem wichtig. Denn die Gewöhnung an Unmenschliches, an Korruption und übermächtige Strukturen stärkt dieselben. Ich brauche die Naivität "behüteter" Menschen, die ihre Empörung zu politischer Energie machen.
@afelia aber wie überwinden wir gemeinsam die Ohnmacht und kommen ins Handeln?
Mir raubt diese ganze Scheiße immer mehr Kraft und ich fühle mich immer hilfloser angesichts der ganzen Ungerechtigkeit.
@daccle Fang klein an. Lokal. Vernetz dich mit Menschen. Hilf deinen Nachbarn. Mach ehrenamt. Wirkt jetzt zu klein für das Problem. Ist aber präzise, was dieses Problem lösen wird.
@afelia ich bin lokal engagiert und bringe ich mich ein, wo ich kann. Aber die letzten Jahre fühlen sich nicht gerade nach Fortschritt an.
@afelia ohne nostalgisch sein zu wollen, aber es gab eine Zeit, wo ich den Eindruck hatte, dass gesellschaftliches Engagement mehr Wirkung hatte und auch konzentrierter auf einzelne Themen war. Im Moment gibt viel zu viele Themen gleichzeitig und keine gemeinsame Erzählung von einer guten Zukunft.

@daccle @afelia

'viel zu viele Themen' vermutlich weil es viel zu viele Probleme gibt.

@edithmair1 @afelia ich habe nicht den Eindruck, dass es wirklich mehr Probleme sind. Aber der Zyklus der Öffentlichkeit ist so schnell geworden, dass es immer schwieriger wird diese Themen so zuzuspitzen, dass eine gesellschaftliche Bearbeitung möglich wird.

@daccle @edithmair1 @afelia

"Flooding the zone with shit" ist von der alt right näher zu uns gekommen und jetzt Teil der Regierungspolitik, um Gesellschaft zu entsolidarisieren.

@daccle @edithmair1 @afelia Immer, wenn etwas oder Leute zu mächtig werden, direkt etwas neues wählen. Abgewählte niemals recyclen und wieder wählen. Auch im Journalismus muss mehr Rotation rein. Ewige Kanzler*innenschaften mit genau so ewigen Journalisten, die Jahrzehnte lang die gleichen falschen Fragen an die falsche Leute stellen.
@daccle @edithmair1 @afelia Eine Demokratie hat 80 Millionen Menschen, die 80 Jahre alt werden. Auf diese Ebene hätte mit gleicher demokratischer Redezeit jeder Mensch eine halbe Minute im Leben, sich auf der großen Bundesbühne zu äußern. Deutlich kleinere Länder mit Demokratie haben sehr viel mehr Möglichkeiten. Die Leute werden nicht gehört. Und das reicht auch nicht, wer setzt etwas um?
@m @daccle @edithmair1 @afelia Ja. Das Problem ist nicht die Macht, das Problem ist die Unangreifbarkeit der Mächtigen. Wir müssen wieder besser werden, was Kontrolle angeht. Und das geht im kleinen los. Hier bei mir z.B. beim ewigen Kämmerer, der unangreifbar scheint und mittlerweile einer der Hauptverhinderer von progressiver Kultur- und Umweltpolitik ist bei gleichzeitig konserv. Gestaltungswillen. Niemand fasst ihn inhaltlich an, es ist wild, dabei ist er "nur" ein städtischer Beamter.
@daccle
Wenn das Engagement vor Ort, die Nachbarschaft in Kontakt miteinander bringt, entstehen extrem wichtige soziale Strukturen. Sie machen die Gesellschaft resilienter. Das hat zwar nicht die fette Außenwirkung, ist aber entscheidend. Wenn die Bindungen dann auch eine wirtschaftliche Komponente haben, also Solawi, Food Koop, Carsharing, Fahrgemeinschaften, Arbeitskollektive, dann ists schon fast revolutionär.
@afelia

@freistern @afelia tja, fast alles schon mal gemacht. Ich war Mitglied und Gründer von FoodCoops, hab diverse lokale Initiativen unterstützt oder mitgegründet. War wesentlich an der Orga der größten Demo in D‘Land beteiligt und an der längsten Menschenkette und und und…

Seit 1995 bin ich irgendeiner Weise aktiv. Jahrelang fühlte es sich nach Fortschritt an, jetzt fühlt es sich einfach nur noch nach Verteidigung an. Wie kommen wir wieder zu einer gemeinsamen Erzählung einer guten Zukunft? 1/2

@daccle

Dann hast Du sehr viel für eine gute Basis getan. Ich kann mich seit ca. 1970 an die Erzählungen erinnern. Da gehörte ganz zentral das gemeinsame Europa dazu. Wer möchte das allen ernstes missen?

Dass wir die große gemeinsame Erzählung brauchen, bezweifle ich. Diversität und Emanzipation von bisher benachteiligten Gruppen steht auf der Agenda. Das ist vielleicht mühsam, aber sehr viele junge Leute packen es an. Lob und auch Dank, denn es hilft auch den Alten

@afelia

@freistern @afelia ich glaube auch nicht, dass wir eine gemeinsame Utopie brauchen. Sowas habe ich auch nie wahrgenommen, aber ein gemeinsames Verständnis davon, dass eine bessere Zukunft möglich ist und diese durch gemeinsames Handeln erreicht werden kann.
Zwischen Antifa, AntiAKW, Gipfelprotesten und lokalen Bauernladen gab es wenig gemeinsame Utopie, aber trotzdem meine ich ein feines Band gemeinsamer „Ideen“ oder Ideale wahrgenommen zu haben. Das meine ich mit gemeinsamer Erzählung.

@daccle @afelia

Und genau das beobachte ich bei vielen jungen Leuten, besonders auch dass sie ihre diversen Diversitäten sehr inkludierend praktizieren. Es sind halt andere Themen als bei uns alten. Und sie machen das sehr gut, sind bloß im Verhältnis zu den vielen Alten ein paar weinge.

@freistern @afelia ich habe häufig den Eindruck, dass ich mit 15-30 Jahren einfach mehr Zeit hatte. Obwohl ich meine Studium selbst finanziert habe, hatte ich einfach viel Zeit für Aktivistisches, für Freund*innen und manchen Quatsch.
Studis heute haben gefühlt permanent die Zunge aus dem Hals hängen.
@daccle @freistern @afelia Nach dem kalten Krieg Sozialismus hieß es, das Ende der Geschichte. Ich erlebe junge Menschen, die wieder sowohl die richtigen, als auch die falschen Fragen stellen und diskutieren. Die Menschen in der Zeit dazwischen haben daher momentan keine Geschichte. Aber die jungen Menschen machen wieder Geschichte.

@daccle

Nun ja, die haben andere Rahmenbedingungen. Vieles von dem, was die heute drauf haben müssen, gab es noch nicht. Um so mehr Respekt hab ich vor ihren Leistungen. Und sie machen ne Menge los. Und haben nicht mehr so viele ideologische Scheuklappen wie es zu 68ers Zeiten üblich war.

@afelia

@daccle @afelia Was ich oft wahrnehme ist diese #ErlernteHilflosigkeit bei zu vielen Menschen. Viele geben auf, bevor sie anfangen. DAS finde ich eher anstrengend, dass man am Ende oft alleine dastehen, nicht weil es sinnlos wäre, sondern weil viele nicht mehr an die eigene Macht glauben. Also ist es auch #SelbsterfüllendeProphezeiung.
@daccle @afelia Eine Möglichkeit ist auch, gewohnheitsmäßig diverse kleine Werkzeuge mit sich zu führen (Mini-Bithalter-Scraubendreher mit Bits im Griff, Fahrradknochen für diverse Außensechskantschrauben und -muttern, Innensechskantschlüsselsatz, Schweizer Messer, Leatherman, Kram in der Art), dann kann man auch mal Dinge sabotieren, wenn sich die Gelegenheit bietet. Sehr viel von der Scheiße, die in der Welt abgeht, läßt sich wenigstens vorübergehend etwas ins Stocken bringen, wenn man nur an der richtigen Stelle etwas abmontiert und verschwindenläßt. Legal, illegal, scheißegal, wie wir Anarchisten sagen.
Data Poisoning: The Fatal Flaw in Mass Surveillance

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@afelia

Es macht aus einem "wäre eigentlich wichtig" ein "ist wichtig". Mehr Macht traue ich ihm nicht zu, aber ich schätze optimistische Menschen, die das noch können.

@daccle

@katzenberger @afelia @daccle
Gibt's sowas wie Zweckoptimismus?
Weil eigentlich ja keine Alternative.
Natürlich macht einen das fertig, jeden Tag neues von Epstein, bettelposts aus Gaza, Drama in der Ukraine, USA-ICE, Empathie für die Betroffenen, Angst vor den Nazis in Europa.
Aber wenn man nur einen kleinen Schritt machen kann, wenn man damit auch nur das eigene Gewissen beruhigt: es ist ein Licht in der Nacht.
Auch wenn man dann zu den Spinnern zählt mit einer Tassendifferenz.

Weil was sonst?

@mjsberna

Ich denke, wer etwas tut, macht das, weil es das Richtige ist. Nicht unbedingt verbunden mit Zweckoptimismus. Da wäre auch Whataboutismus nicht angebracht ("Waaas? Du verschwendest Deine Zeit im Tierheim hier, während in der Ukraine Menschen erfrieren???")

Initiativen für Gutes schätze ich sehr, auch wenn ich darin keine Lösung für größere Probleme sehe (die ich auch anderswo kaum erahnen kann).

@afelia @daccle

@mjsberna @katzenberger @afelia ich glaube, dass sich Veränderungen über Mehrheiten erreichen lassen, aber damit Du in einer pluralistischen Gesellschaft Mehrheiten organisieren kannst, brauchst Du Zeit und Zuspitzung. Durch das immer schnellere Themenkarussel, wird es immer schwieriger Themen gesellschaftlich zu verhandeln und damit kommt einfach nur noch Überforderung und Ohnmacht auf.

@daccle @mjsberna @katzenberger

@afelia 's Rezept gegen Überforderung ist, wenn ich interpretieren darf, eben klein anzufangen, sich zu erden, die Basis sichern.
Die Problrme sind, glaub ich, gar nicht mehr oder andere als schon immer. Nur wo früher 'der Staat' gegen 'wir jungen' war, und die Utopie ziemlich einfach, da hat sich alles fragmentiert und verborgen=disguised; das ganze Jahr Fasching.
In dem ganzen Slop und Flood the Zone blicken wir nicht mehr durch? Doch, mit der Basis im Rücken

Urbanes Durchlöchern - Städte radikal verändern durch Mikropolitiken

Deutschlandfunk
@afelia @daccle Hilft aber alles nichts ohne "Lass dich dabei nicht korrumpieren". In wievielen ehrenamtlichen Netzwerken geht im Kleinen ähnliches ab wie bei Epstein? All die kleinkarierten Machtkämpfe, Intrigen, Mißbrauchsskandale in kirchlichen Organisationen, Sportvereinen etc.
@afelia @daccle wichtig auch: unrecht klar als solches benennen, egal vom wem es kommt und nicht mit "Bauchschmerzen" oder "Realpolitik" rechtfertigen.

@afelia @daccle Pragmatischer und richtiger Ansatz, denn aus der machtlosen Position gibt es gar keine anderen Möglichkeiten. Letztlich liegt die Problemlösung aber in Änderungen im Grundgesetz, denn dort wird das Machtproblem bisher umschifft. Erst wenn Macht gleichmäßig auf alle Bürger verteilt ist, wird diese als Problem neutralisiert.

#Demokratie #Losdemokratie

@daccle @afelia Such dir etwas Kleines, in dem du handeln kannst. Einen Verein. Eine Nachbarschaft. Eine Gewerkschaft. Irgendetwas, wo du einen winzigen Teil der Welt besser machen kannst *und sichtbare Ergebnisse hast*. Und nutze das als Batterie für die größeren Kämpfe.
@daccle @afelia Jegliche Machtstrukturen zerschlagen/aushebeln/beenden
@erkannnix und wie sieht die konkrete solidarische Praxis dazu aus? Es fehlt die gemeinsame Erzählung dazu.

@afelia @daccle

#Macht ist etwas, das #wir anderen freiwillig zugestehen, ohne das sich die Mächtigen tatsächlich etwas nehmen. Erst wenn sie merken, daß sie nicht an Grenzen stoßen und es keinen Widerstand gibt, machen sie immer weiter.

Die Macht der Wenigen erfordert immer die Dummheit der Masse.

https://youtu.be/wnhL1W9dj1w

https://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_3.html

https://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_14.html

https://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_20.html