📹👩🏻‍⚖️👨🏼‍⚖️ Die Möglichkeit von Videoverhandlungen im Zivilprozess gibt es nun schon seit Längerem. Allerdings bedeutet dies meist, dass ein oder mehrere Verfahrensbeteiligte virtuell zugeschaltet werden. Das Gericht selbst ist normalerweise vor Ort und nimmt im Gerichtssaal an der Verhandlung teil. Bei Vorliegen erheblicher Gründe kann aber auch einem Mitglied des Gerichts gestattet werden, virtuell an der Verhandlung teilzunehmen (§ 128a Abs. 5 S. 2 ZPO). Dies ist nun beim Landgericht Heidelberg erstmals geschehen: Nachdem sich die Berichterstatterin wenige Tage vor der Verhandlung erheblich am Fuß verletzt hatte und deshalb nicht mobil war, die Sitzung aber auch nicht verlegt werden konnte, wurde die Richterin kurzerhand per Video in den Gerichtssaal zugeschaltet und die Verhandlung konnte doch noch stattfinden. 

Übrigens: Die bisherige Regelung sieht vor, dass der Vorsitzende die Videoverhandlung immer von der Gerichtsstelle aus leitet. Dies könnte sich aber bald ändern. Nach § 16 EGZPO ist es den Ländern nämlich gestattet, durch Rechtsverordnung vollvirtuelle Videoverhandlungen, bei denen alle Verfahrensbeteiligte und auch alle Mitglieder des Gerichts per Videoübertragung teilnehmen, zuzulassen. Um die Öffentlichkeit zu wahren, muss die Verhandlung dann in einem öffentlich zugänglichen Raum im zuständigen Gericht übertragen werden. In Baden-Württemberg ist dies allerdings noch nicht umgesetzt.

#Videoverhandlung #Heidelberg #RechtSymbadischeNews

@olgkarlsruhe In Schottland haben sie während der Lockdowns die 15 Geschworenen in einen Kinosaal gesetzt.

Die Richterin hat uns dann eingeimpft, dass das kein Spielfilm ist sondern für die Leute um die Wurst geht.

Wir waren uns dann einig, dass das sogar gut so war, ein wenig Abstand zum Geschehen zu haben, weil man dann die Beweismittel mit kühlerem Kopf bewerten kann und es uns weniger psychisch belastet. Es ging um häusliche Gewalt, das ist schon starker Tobak.

@gunchleoc Das ist ja spannend! Tatsächlich hat auch bei unseren Gerichten die Zahl der Videoverhandlungen seit Corona stark zugenommen.
@olgkarlsruhe seit 35 Jahren arbeite ich mit Lehrlingen zusammen. So manches persönliche Gespräch hat einige Menschen, wieder auf die richtige Spur gebracht. Deshalb sehe ich dieser Entwicklung skeptisch entgegen. Denn nicht die Strafe ist wichtig, sondern die Einsicht was falsches gemacht zu haben.Danke für eure Beiträge 👍
@Schattenparker Das stimmt. Gerade im Strafrecht, wo der persönliche Eindruck und der direkte Kontakt mit dem Gericht so wichtig ist, ist es aber auch weiterhin so, dass es - mit Ausnahme der eher selten vorkommenden Durchführung einer audiovisuellen Vernehmung von Zeugen - keine Videoverhandlung gibt.
@olgkarlsruhe Da schlagen zwei Herzen in meiner Brust, wenn ich das lese. Als #eAkten-Ultra und Richter in sog. #LifestyleTeilzeit (seit 12 Jahren) begrüße ich alles, was mich flexibler macht. Aber krank ist für mich krank. Da droht zumindest sanfter Druck durch Vorsitzende und Präsident:innen jederzeit bereit zu stehen, wenn sowas Mode macht. 🤔 Ich erinnere mich noch daran, wie der #BGH einmal deutlich machen musste, dass #Mutterschutz nicht optional ist! ☝️
@von_buelow Das ist natürlich die Kehrseite, da geben wir dir recht. In Fällen, in denen es aber wirklich nur daran liegt, dass man nicht mobil, ansonsten aber voll arbeitsfähig ist, hat es natürlich schon Vorteile 😊