Der Buß- und Bettag ist meiner Meinung nach ein Geheimtipp fürs Wandern in den #Sudeten. Die polnischen und tschechischen Nachbarn haben einen normalen Werktag. Das brave sächsische Volk hingegen überlegt wie jedes Jahr zu Hause auf der Couch, was das Ganze eigentlich soll. Das heißt, man ist #draußen eher für sich. Hinzu tritt die Black-Metal-Haftigkeit des Wetters im letzten Novemberdrittel, die die Stimmung in Wald und Feld zu einer vorwinterlich düsteren macht. Herrlich!

Auch in diesem Jahr bot sich die Gelegenheit, oben auf den Bergen den Winter zu begrüßen. Und auf einem ob der kurzen Lichtverhältnisse kleineren 20km-Gang zu erkunden, wie gut der Muskelfaserriss in der linken Wade aus dem Oktober verheilt war.

Für den Belastungstest hatte ich mir die steile Nordseite der Lausche ausgesucht. Von ihrem Gipfel sollte es nach Süden durchs Lausitzer Gebirge bis zum Klíč bei Nový Bor gehen, auf dem ich tatsächlich noch nie war. #Sudeten

Der Bus von Zittau her spült mich kurz vor zehn oben in #Waltersdorf am Skizentrum in den Hang. Wintersport im Lausitzer Gebirge ist in der #Warmzeit eine unsichere Sache geworden. Die Lausche hüllt sich in Raureif und Nebel und kümmert sich nicht groß drum. Ich stapfe durch die steile Bergwiese.
Die bereits 1972 stillgelegte Sprungschanze. Schanzenrekord 58m. Ach, meine kleine #Lausitz.
Über Dorf und Tal sitzt in den Baumwipfeln der Winter. Wie oft er wohl diesmal bis runter kommt?
Weiter unten über den oberlausitzer Hügeln meiner zurückliegenden Wanderungen ist noch Herbst.
Die Lausche misst immerhin 792m und ihr Nordanstieg ist, ihrer vulkanischen Vergangenheit geschuldet, wirklich beachtlich steil. Die neue Muskelfaser jammert etwas. Hält aber.
Bin nach 40 Minuten oben und freue mich über die Aussicht. Bei dieser Gelegenheit fällt mir auf, dass ich bisher überhaupt nur einmal hier oben war: Tief in den 1980ern, als die Welt in den #Sudeten noch eine andere war. Verschwommene Erinnerung an tschechoslowakische Nudist:innen, die sich auf der böhmischen Bergseite auf den Felsen sonnten. Wie in einem Kusturica-Film, als er noch keine Macke hatte.
Man versteht viel über die verflochtene, am Nationalismus zerbrochene und neu geflickte Geschichtslandschaft der #Sudeten, wenn man die Schicksale ihrer Bergbauden studiert.
Eine Baude gibt es noch nicht wieder. Aber einen neuen Aussichtsurm. Und auf der Kartoffel-Seite vom Gipfel zwei Gabionen zum sitzen.
Ich bin aber auf der Knödel-Seite hinunter gestiegen. Seht nur, der Zauber des Gelobten Landes! Nie wird mir nicht das Herz aufgehen, wenn ich seiner angesichtig werde. #Böhmen
Aber natürlich immer auch Twin Peaks - Gefühle hier oben im Tann bei den Eulen. #Draußen
Vulkanland. Ganz hinten winkt der Klíč.
Jetzt stellt Euch Horní Světlá mal in vollem Putz zu Weihnachten vor! Es ist ja nicht zum Aushalten ist es nicht!!
Erstmal hinab über die Wiesen, die auf den Schnee warten.
Und an den seit den 1930ern wartenden tschechoslowakischen Bunkern vorbei. Dunkle Gedanken an #Europa und eine Welt, die gerade zu zerbrechen scheint.
Der Borkenkäfer hat die Aussicht frei geräumt. Tundra-Gefühle in den #Sudeten.
An den alten Wegen aus der #Oberlausitz übers Gebirge nach #Prag, die alte und einzig akzeptable Landeshauptstadt, stehen überall Burgen bzw. ihre Reste herum. So auch hier in Gestalt des Milštejn/Mühlstein. Das Ritter-Gemäuer ist nahezu verschwunden und der Fels kann wieder frei atmen. Nur eine Hütte hat natürlich irgendwer hingestellt.
Bin schon fast durchs Gebirge durch. #Sudeten schauen mir nach.
Unten quillt unterm Granit der Sandstein hervor.
Triff mich auf meiner Bank in meinem Bachmeander zwischen den Fichten!
Wo die Stämme auseinander treten, liegt Rousínov gemütlich im Sandstein. Es folgt eine Bildverherrlichung der Streuselkuchenhaftigkeit der böhmischen Welt.