"Für mich ist die Debatte ums Gendern aber auch ein Beispiel für eine, die von den eigentlichen Problemen ablenkt. Deshalb versuche ich, sie nicht zu befeuern."

Sophie Koch, Queerbeauftragte der Bundesregierung, hält das gezielte sprachliche Unsichtbarmachen eines Teils der Menschen, die sie vertreten soll, nicht für ein reales Problem und suggeriert, dass man besser nicht mal kritisch darüber reden sollte.

Weitreichende Einschränkungen geschlechtergerechter Sprache wie u.a. von Wolfram Weimer gefordert, erklärt sie im taz-Interview zwar für "falsch", möchte darüber aber auch keine "wochenlangen Debatten führen". Erkennt sie nicht, dass es hier um deutlich queerfeindliche autoritaristische Bestrebungen geht und um Angriffe auf die Meinungsfreiheit als solche?

Im restlichen Interview redet sie eher den politischen Status Quo schön als ernsthafte Kritik zu üben. Die taz adelt das handzahme Gesäusel mit dem Framing "leise Diplomatie statt laute Symbolpolitik".

Mir fehlen einfach die Worte.

#Queerpolitik #Entgendern #Gendern #DePol

https://taz.de/Queerbeauftragte-Sophie-Koch/!6116867/

Queerbeauftragte Sophie Koch: „Ich will mich da nicht verkämpfen“

Sophie Koch, Queerbeauftragte der Bundesregierung, setzt auf leise Diplomatie statt auf laute Symbolpolitik. Auf ein Gespräch mit Merz wartet sie seit Juli.

TAZ Verlags- und Vertriebs GmbH
@der_zaunfink lch halte die Debatte uns Gendern ja für einen von rechts künstlich erzeugten Kulturkampf - und eine einfache Möglichkeit für die CxU, Stimmung zu machen und Aktion vorzutäuschen, wenn in manchen Ecken stattdessen nix passiert oder Mittel gestrichen werden. Insofern hat Sophie Koch Recht und dann doch wieder nicht - dass so viele in der Union rhetorisch und inhaltlich mit dem rechten Rand kuscheln, ist ein Problem, das m.E. etwas deutlicher benannt gehört.

@carmilladewinter
Ganz richtig. Und die Distanz schrumpft ja bei vielen anderen Themen ebenso.

Was wir Kulturkampf nennen, hat meiner Beobachtung nach immer mehrere Ebenen gleichzeitig. Ja, es funktioniert als Ablenkungsmanöver und Popanz. Ja, es ist ganz viel Metapolitik, Symbolpolitik, Dogwhistling usw.
Es ist aber auch gleichzeitig ganz konkrete Politik gegen reale Menschengruppen, die früher oder später noch weiter diskriminiert und entrechtet werden. Wer das sehen will, kann es sehen, aber oft sind das nur die Betroffenen selbst.

Ich finde es sehr gefährlich, wenn solche aggressiven Strategien auch in linkeren Kreisen als reine Scheindebatten abgetan werden. Vermutlich ist das einfach bequemer?

Bei allem Verständnis für das Dilemma, nicht über Stöckchen springen zu wollen, macht es mich wütend und besorgt, wenn man für die sehr realen Konsequenzen dieser Debatten überhaupt erst einmal um ein minimales Verständnis ringen muss.

Es ist deshalb sehr schade, dass auch die Queerbeauftragte diese gefährlichen Tendenzen so leichthin abtut und das Framing der "Scheindebatte" übernimmt. Ihr Job wäre meines Erachtens das Gegenteil.

#DePol #Queerfeindlichkeit #Queerpolitik #LGBTQIA

@der_zaunfink Ja, da ist immer die Frage, von wem so was in welchem Kontext kommt. Haben die einfach ein Problem mit neuen Sonderzeichen (solche gibt es) oder ist das der erste Schritt, um Menschen verschwinden zu lassen?
Ein bisschen lauter dürfte Sophie Koch da also schon poltern, bevor manche Leute nur noch in Zirkuszelten Platz finden...