Eine Bekannte von mir schrieb auf Facebook einen guten und sehr empathischen Beitrag zum Thema Menschen, die z.B. aus gesundheitl. Gründen nicht regulär Vollzeit arbeiten können und die Grundsicherung oder Bürgergeld bekommen.

Ich bin ebenfalls davon betroffen, kommentierte und sprach auch über meine Existenz- und Zukunftsängste (z.B. vor Altersarmut).

#Armut #Altersarmut #Existenzangst

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Dann kommentierte eine andere Person - sicherlich wohlmeinend, es gäbe da ein gutes Buch von Autor X, wie man Existenzängste überwinden könne.

Aber solch ein Buch ist wieder mal ein Fall von, wir behandeln die Symptome, aber nicht die Ursachen.

Existenzängste sind aus meiner Sicht mehr als berechtigt - für viele von uns. Weil es nun mal ganz real so viele Gründe dafür gibt.

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@amalia12 ... ein Ratgeber soll helfen? Der zahlt aber weder die Miete noch das Essen ...
@beschaulich
Ja, genau. So sieht's aus.
@amalia12 schon dreist, dass man leuten mit gut begruendeten aengste auferlegt, selbige entgegen aller begruendung zu ueberwinden, nur dass die bequemen leute sich nicht von ihnen inkommodiert vorkommen.

@amalia12 für mich haben solche Ratgeber was von Täter-Opfer-Umkehr ... So: du kommst in diesem scheiß ungerechten System nicht klar? Selber schuld, ändere mal dein Mindset 🤪

Wie du sagst, da wird schlecht an Symptomen rumgedoktort, statt die Ursachen zu beseitigen. Und was soll das eigentlich mit diesem Zwang zur Vollzeitarbeit? Es muss doch ein menschenwürdiges Leben auch mit Teilzeit oder Bürgergeld möglich sein!

@amalia12 mein Mann und ich arbeiten beide 80% ... Also zusammen könnte man sagen 160% im Vergleich zu meinen Eltern, wo nur mein Vater Vollzeit gearbeitet hat und meine Mutter daheim war. Und die haben es geschafft, ein Haus zu kaufen, meine Mutter hatte Zeit für uns Kinder und für ihre kranken Eltern und für einen Hund. Das System hat uns komplett verarscht, eigentlich war der Gedanke von Gleichberechtigung nicht, dass beide in einer Beziehung sich kaputt ackern ...
@amalia12 und dank beschissener Erfahrungen mit dem Jobcenter hänge ich jetzt in einem Job, der okay ist, aber mich null ausfüllt ... Weil in mir tief die Angst, erneut arbeitslos zu werden, verankert ist, die Angst vor dem ganzen Druck und der Erniedrigung beim Jobcenter. Das ganze System ist sowas von im Arsch.
@Literatopia
Das ist so wahr, was du schreibst, ich zitiere dich:
"für mich haben solche Ratgeber was von Täter-Opfer-Umkehr ... So: du kommst in diesem scheiß ungerechten System nicht klar? Selber schuld, ändere mal dein Mindset"
Und es tut mir leid, dass du in deinem Job festhängst, der dir nicht so gut gefällt.
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@Literatopia

Ich bin auch echt froh, dass ich aus dem System Jobcenter mittlerweile raus bin, das war wirklich erniedrigend.
Erinnere mich z.B. noch mit Schrecken an das Mal, als ich mit schlimmer Depressionen zu einem Termin bei denen antanzen musste und nur geweint habe. Die Sachbearbeiterin meinte daraufhin, "Jetzt hören Sie doch mal auf zu weinen."
Die werden vermutlich nicht geschult, wie sie mit psychisch kranken Menschen umgehen sollen.

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@Literatopia

Und ich könnte noch mehr Geschichten erzählen, aber ich lasse es jetzt mal sein, sonst kommen so viele ungute Erinnerungen hoch.

Ich bin nun seit einigen Jahren bei Grundsicherung und Erwerbsminderungsrente und hab da sehr viel weniger Stress als vorher beim Jobcenter.

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