@stefanmuelller
In Wikipedia steht zu Berlin-Buch, dass "in mehreren Wohnkomplexen WK I bis WK VI Typen-Neubauten der Serie WBS 70 für Ärzte und Medizinpersonal der Bucher Kliniken errichtet" wurden.
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stra%C3%9Fen_und_Pl%C3%A4tze_in_Berlin-Buch
Die Ausstattung mit Telefonen hatte dann wohl eher weniger mit den Neubauten ansich zu tun, als mit den "wichtigen" Menschen, die darin überwiegend wohnten.
Wobei, wenn man sich die Telefonversorgung mittels Einträgen in alten DDR-Telefonbüchern stichprobenmäßig anschaut, war die Versorgung vielleicht überproportional, aber weit weg von flächendeckend in den Naubauten von Berlin-Buch:
https://digital.zlb.de/viewer/cms/147
Bei uns in den Neubauten in Marzahn mit einer sehr heterogenen Mieterschaft war es jedenfalls so, dass die Häuser nur schon mit den passenden Telefondosen und der Hausverkabelung ausgestattet waren. Als Atrappe konnte man da natürlich auch schon ein Telefon einstecken. Zum Telefonieren musste ich aber immer noch zur Telefonzelle.
Übrigens auch, um per Selbstwählferndienst in den Westen beim Quelle-Versand anzurufen und nachzufragen, wann denn endlich der C64 lieferbar ist, damit ich unsere Westverwandschaft endlich in die Spur schicken konnte. Die verstorbene West-Schwester meines Opas hatte unter anderem auch meiner Mutter ein paar Westmark vererbt.
Obwohl meine Mutter beim Fernmeldebauamt arbeitete und damit irgendwie auch an der "Quelle". Eigenes Telefon gab es aber erst ab irgendeinem sehr runden Dienstjubiläum. Zumindest fiel dieses mit der Anschlussschaltung ziemlich zeitnah zusammen.
Die Story von der Mutter deines Freundes ist aber ein Hoax, oder?
Natürlich war staatstragende Systemnähe ein starkes Positivkriterium für einen Telefonanschluss. Aber beim eigenen Telefonnetz hätte ich gedacht, dass das auch offiziell nur für "eigene Zwecke" benutzt werden durfte. Und ich kann mir auch nur sehr schwer vorstellen, dass da Telefonlisten mit diesen Systemanschlüssen im Elternaktiv die Runde gemacht haben. Wer als Kontakt so vertrauenswürdig war, dass man dem die eigene Staatsnetz-Nummer bekannt gegeben hat, der dürfte eigentlich nicht erst noch auf eine nachträgliche Enttarnung zur Gewissheit angewiesen gewesen sein, dass der Nummern-Inhaber beim MfS, der dem MdI usw. war...
Abgesehen davon: Wenn ein Netz abgeschaltet wird, dann funktionieren die Anschlüsse des Netzes nicht mehr. Wenn dagegen eine Nummer nicht mehr funktioniert, muss sie kein Teil des abgeschalteten Netzes gewesen sein. Hat auch ein bisschen mit "hinreichend" und "notwendig" zu tun, die in dem Roman auch vorkommen.
Ich habe nur das hier zum Staatsnetz gefunden:
https://de.wikipedia.org/wiki/S1-Netz_DDR