@DocUnvernunft
Ich finde es schon interessant, wie du hier absolut keine Ahnung hast um was es sich für ein Bauvorhaben handelt, aber schon genau weißt, was die beste Lösung ist.
Spoiler: nein, es ist kein Wohnungsbau. Nein, hier kann nichts auf irgendwelche Mieter umgelegt werden.
Aber wenn wir mal kurz beim Wohnungsbau bleiben, egal ob kleiner Vermieter (1 EFH) oder großer (komplette Wohnanlage): aktuell sind Wärmepumpen noch teurer in der Installation als Gasheizungen. Warum soll ich mir als Vermieter ohne ökologisches oder soziales Gewissen die Mehrinvestition aufbürden, wenn ich die Heizkosten später nicht tragen muss, weil die eh die Mieter zahlen? Mir kann es doch egal sein, ob meine Mieter in 5 Jahren 8 ct oder 25 ct für die kWh Gas bezahlen 🤷♂️
Wieder zurück zum Thema. Soll sich jetzt jedes Unternehmen, das nicht primär im Naturwissenschaftlichen Bereich tätig ist, einen oder mehrere Ingenieure oder Physiker einstellen?
Jedes Hotel?
Jedes Altenpflegeheim?
Jeder Betreiber eines größeren Bürogebäudes (z. B. Versicherung)?
usw.
Viel Spaß beim aktuellen Arbeitsmarkt.
Nein. Das ist schlicht nicht möglich.
Jemand der ein Hotel betreibt hat in erster Linie genauso so viel Ahnung von Physik wie ich von Beherbung von Menschen. Und das kann ich ihm auch nicht vorwerfen.
(und auch hier Spoiler: nein, es handelt sich um keinen Hotelbau)
Aber um kurz beim Hotelbau zu bleiben, denn das ist ein super Beispiel: oft sehr viel Fläche, viel Raumwärmebedarf, besonders viel kurzfristiger Warmwasserbedarf (meist ein Peak in den Morgenstunden). Gleichzeitig aber wenig Dachfläche im Verhältnis zur Grundfläche. Also nicht viel PV möglich. Gleichzeitig reicht ne Luft-WP oft nicht mehr aus, da wäre dann eine Erd-WP nötig. Jetzt stell dir das mal in nem Wasserschutzgebiet vor (keine Bohrungen erlaubt, auch schon erlebt), oder in einer städtischen Umgebung wo einfach kein Platz für Bohrungen ist, weil das Grundstück quasi so groß ist wie das Gebäude.
Immer noch die beste Lösung mit PV + Wärmepumpe?
Jedes Bauvorhaben. Jede Planung. ist immer ein Unikat und einzeln zu betrachten. Immer. Genau wie ein Arzt auch nicht alle Menschen gleich behandelt, so muss ich als Ingenieur jedes Bauvorhaben in seiner Gesamtheit mit komplett eigenen Rahmenparametern betrachten.
Und wenn man sich externes Wissen einkauft, z. B. durch Beratung, finde ich es schon angebracht eine gewisse Skepsis an den Start zu bringen. Man weiß schließlich auch nicht, ob man dort an ein schwarzes Schaf gerät.
Ich hatte diesen Sommer Dachdecker hier, das Dach wurde neu gedeckt. Man sollte meinen, die wissen was sie tun? Sind schließlich vom Fach. Sieht auf jeden Fall scheiße aus, kann mir nicht vorstellen, dass so komplett richtig gemacht wurde. Das Wakaflex liegt unter den Dachpfannen, nicht drüber. Hab ich jetzt verpennt, weil ich nicht noch schnell ne Umschulung zum Dachdecker gemacht habe?
Darüber hinaus geht es halt gar nicht in erster Linie darum, was die effizienteste Lösung ist, sondern von dem, was die wirtschaftlichste Lösung ist.
Die Politik macht heute hü, morgen hott.
Erst werden AKWs abgeschaltet.
Dann doch nicht.
Dann doch wieder.
Dann aber ein paar doch nicht.
Dann doch alle.
Dann sollen aber am besten ein paar wieder in Betrieb genommen werden.
Die ganze Welt baut AKWs, nur wir nicht.
Die ganze Zeit eine vollkommen unnötige Diskussion in den Medien; alle Fachleute wissen was richtig ist, alle die keine Ahnung haben werden verunsichert und wissen überhaupt nicht wohin die Richtung geht. Die Medien spielen das Spiel der Verunsicherung mit.
Und natürlich hängt alles. ALLES. von politischen Rahmenbedingungen ab.
Stell dir vor du hättest 2012/2013 deine Firmen-Fahrzeugflotte elektrisieren wollen und hättest 100 Teslas bestellt. Weil du weißt: das ist effizienter. Das ist die Zukunft.
Dann aber kommt ein Verbrennerliebhaber in Berlin daher und es wird statt einer 0 € KFZ Steuer eine 1000 € Steuer pro angefangene kWh Akkukapazität eingeführt. Zusätzlich 0,00 € in öffentliche und private Ladeinfrastruktur gesteckt. Dann kommt noch ein "Make Europe great again"-Futzi in Brüssel daher und erhebt enorme Einfuhrzölle auf alle BEV.
Ist das dann immer noch die richtige Entscheidung gewesen? Was glaubst du sagt dein Vorgesetzter dazu?
Stell dir vor du planst heute ne Wärmepumpe mit einem bestimmten Kältemittel. Planung, Genehmigung, Ausschreibung usw. dauern, dann wird beauftragt. Kältemittel wird verboten. Politische Rahmenbedingung. Kann ich davon unabhängig sein? Nein.
Bei dem aktuellen politischen Zickzackkurs ist für jeden Ottonormalverbraucher absolut unklar wo die Reise hingeht. Und selbst Fachleute scheinen sich nicht mal einig. False Balancing sei dank.
Natürlich ist PV + Wärmepumpe das effizienteste am Markt, das du bekommen kannst. Mit keiner anderen Technologie kannst du die Energie selbst erzeugen und ein vielfaches davon dann selbst nutzen.
Aber in einer Welt des erstarkenden Faschismus, Nationalismus und Isolationismus kannst du eben auch nicht sagen, ob eine Alice Weidel in 3 Jahren im Kanzleramt sitzt und plötzlich eine Wärmepumpensteuer einführt. Oder Einfuhrzölle auf PV-Module erhebt. Oder. Oder Oder.
Die CDU, CSU und FDP haben in Zusammenhang mit einigen Medien so ein Schindluder getrieben ala "Habeck reißt ihnen persönlich die Gasheizung raus", dass eben total viele verunsichert sind.