Vor 15 Jahren hielt ich den Widerstand von CDU/CSU gegen die schnelle Förderung des Ausbaus Erneuerbarer Energien zwar für falsch, aber noch rational wegen der Mehrkosten (trotz der klaren Aussichten auf immer günstigere Preise).

Jetzt, wo Wind/Sonne und Batterie billiger sind als Gaskraftwerke, wäre ein Ausbremsen der Erneuerbaren und Ausbau der Stromerzeugung aus Gas nur noch pure Ideologie und Bevorzugung einer einzelnen Branche, die hohe Kosten für alle anderen verursacht [1/3]

Erstens müsste man die zusätzlichen Gaskraftwerke, die ja immer seltener laufen würden (da Erneuerbare in immer mehr Stunden 100% liefern) mit hohen Subventionen regelrecht erzwingen.

Zweitens müsste Deutschland für die unnötigen CO2-Emissionen aus den Gaskraftwerken CO2-Zertifikate aus anderen Ländern kaufen. Und das wird immer teurer werden.

Das teuerste Problem aber entstünde am Strommarkt selbst [2/3]

Denn die Strompreise erhöhen sich durch mehr Gaskraftwerke und langsameren Ausbau der Erneuerbaren. Denn wenn Erneuerbare/Batterie für einen Preis von X zu haben sind und Strom aus Gaskraftwerken nur zu X+Y, dann würde jedesmal, wenn durch den gebremsten Ausbau der Erneuerbaren/Batterien Strom aus einem oder mehreren Gaskraftwerken benötigt wird, der Preis für alle(!) gelieferte Energie von X auf X+Y steigen. So funktioniert der Strommarkt, die teuerste benötigte Quelle setzt den Preis [3/3]
@ulrichkelber Hierzu auch als Visualisierung perfekt: Die MAITHINK X-Sendung "Die größten Mythen der Energiewende" vom 6. Oktober 2024. Der Abschnitt zum Strompreis ist ziemlich am Anfang (03:05).
Die größten Mythen der Energiewende

100 Prozent erneuerbare Energie – geht das? Um die Energiewende ranken sich viele Mythen und Desinformationen. Zeit für einen Mythbuster: MAITHINK X klärt auf.

ZDF

@mezzodrinker

5:09 ff: Merit Order.
Hatte ich bisher nur so halb verstanden, mich nie so recht damit auseinandergesetzt. Hab nur in Erinnerung, dass es da Kritik dran gibt. Aber, so wie hier beschrieben (wir kaufen immer zuerst den günstigsten Strom ein) ist das doch toll? Also, abgesehen davon, dass zum Schluss die teuerste Energiequelle den Verkaufspreis bestimmt ...

@ulrichkelber

@fedithom @mezzodrinker Dieses Prinzip führt dann aber eben zu der unnötigen Verteuerung, die ich als drittes Argument genannt habe. Stellen Sie sich mal vor Erneuerbare/Batterie wäre für 8 Cent/kWh zu haben und Gas bei Ausfall einer Pipeline oder Handelsembargo oder Verteuerung CO2-Zertifikate für 25 Cent/kWh. Dann würde sich der gesamte Strompreis verdreifachen, wenn vorher per Subvention Gaskraftwerke gebaut und Erneuerbare/Batterie ausgebremst worden wäre

@ulrichkelber

Ja, verstehe ich. Schneller EE (und Speicher und Netz und bidirektionales Laden und was es sonst noch an tollen Neuerungen gibt) ausbauen, dann müssen wir nicht immer wieder wegen Merit Order den doof teuren fossilen Strom kaufen. Merit Order ist also nicht per se schlecht, aber dank der aktuellen Lage schießen wir uns in den Fuss.

Danke.

@mezzodrinker

@ulrichkelber Auch vor 15 Jahren war der schnelle Ausbau der EE schon dringend notwendig, und entsprechende Förderung dafür, um dieses Ziel zu erreichen. Da war bereits der Atomausstieg mit einem fixen Ausstiegsdatum beschlossen. Ebenso war das Kyoto-Protokoll in Kraft getreten mit entsprechenden CO2-Reduktionszielen, mit weitgehendem Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas als Resultat.

@ulrichkelber Das Problem ist, dass die BRD (noch fossile) Kraftwerke im Winter braucht. Hoffentlich bald nur noch für Tage/Wochen (meistens werden Erneuerbare und Speicher reichen).
Für vielleicht zwei Monate/Jahr kann sich kein Kraftwerk selbst tragen und der Strompreis müsste das sehr teuer abbilden.

Es steht eine ganz grundlegende Reform der Strompreise an, aber das ist der Union sicher zu komplex.

@ulrichkelber

Damals hat es sich um die Abwägung zwischen einer langfristigen Strategie (inklusive Ansiedlung einer Branche und Technologie-Entwicklung) und der kurzfristig gedachten Kostenüberlegung gehandelt, die ich persönlich lieber zu Gunsten der Zukunftsfähigkeit gelöst hätte.

Aus heutiger Sicht lag ich richtig. Und für heute bedeutet das selbst ohne die Zusatzargumente und auch für andere Bereiche:

Der beste Tag um einen Baum zu pflanzen war gestern, der zweitbeste ist heute.

@ulrichkelber Zu Punkt 2:

Der Plan ist ganz klar eine Sabotage des CO2-Zerfitikatshandels: Nix muss Deutschland kaufen um zu emittieren!

Warum glaube ich das?

Wir zementieren mit Verbrennerverbot- und Heizungsgesetz-Rückabwicklung (um mal die populistischen Begriffe zu verwenden) und jetzt mit Gaskraftwerken eine Abhängigkeit die uns bei einem nicht signifikant geschwächten Reduktionspfad in einen Squeeze-Out zwingen würde bei dem dann das letzte CO2-Zertifikat unerschwinglich teuer würde.

@ulrichkelber Die Union hat zwar immer den Marktmechanismus und Zertifikathandel als das Allheilmittel zum Klimaschutz hochstilisiert.

Aber es wird schlichtweg politisch unmöglich sein Millionen von Dieselfahrern, Ölheizern und Gasstromkunden dann die Kosten aufzubürden. Ein Fest für Populisten die dann ihre willfährigen Bauern mit brennenden Heuballen oder "empörte Bürger" nach Berlin schicken weil der Diesel oder Heizöl... 10€/Liter kostet.

Und weg ist der Zertifikathandel. So einfach.

@vogelchr @ulrichkelber

Genauso sehe ich das auch.

Zusammen mit der Verweigerung von Ausgleichsmaßnahmen wie #Klimageld. Alles Hebel, um den #Zertifikatehandel dann, wenn es absehbar richtig teuer wird, den Todesstoß zu versetzen, weil er leider nicht funktioniert hat.

Verweigerung von vorausschauendem Handeln, starrer Blick auf kurzfristige Vorteile - verantwortungslos oder kurz CxU/FDP.

@vogelchr Um so spannender wird das kommene BVerfG Urteil im Verfahren gegen die Ampel Klimaschutzgesetz-Novelle
Denn im ersten KSG Urteil hat das BVerfG ja schon gesagt, dass die Lasten nicht (zeitlich) unfair verteilt werden dürfen. Genau das steht aber durch die aktuelle Politik ins Haus.
@ulrichkelber
@ulrichkelber
Immer wieder zu beobachten:
Diejenigen, denen allgemein große "Wirtschaftskompetenz" zugeschrieben wird (warum auch immer) (meistens Union bzw. FDP) sind auch Diejenigen, die immer predigen, man solle das (was auch immer) den Markt regeln lassen und nicht staatlich eingreifen.
Wenn sich dann aber der Markt erdreistet, das zu regeln, lassen sie sich panisch die absurdesten Dinge einfallen, um den Markt am Regeln zu hindern.
Und merken gar nicht mehr, dass sie sich dabei blamieren.
@ulrichkelber Nun ja, wer gut schmiert ähhh Parteispendet bekommt eben die Politik bei dem Reiche ihren Kontostand immens füllen auf Kosten der Allgemeinheit. Unionspolitik vom feinsten eben!
@ulrichkelber das ignoriert aber dass der strom Preis nicht nur der borsenpreis ist, sondern auch die netzkosten.
Und die sind fast das größere Problem.
@ulrichkelber
Ein nicht unbedeutender Teilaspekt besteht in der gesellschaftlichen Akzeptanz:
Ein Gaskraftwerk sieht sauber und ordentlich, wie eine gewöhnliche Fabrik aus.
Sowohl von Stromtrassen wie auch von Windkraftanlagen wird gesagt von ihnen gingen Strahlungen, 'bad vibrations' aus. Der Anblick von beiden und sogar von Solaranlagen wird immer noch als unästhetisch wahrgenommen.
Wenn man den Leuten jetzt verspricht, all diese hässlichen Dinge müssten vielleicht gar nicht sein,🤷🏼‍♀️🤦🏼‍♀️🙇🏼‍♀️
Wirtschaftssabotage - Flaschenpost

Dieser Artikel ist ein Gastbeitrag der AG Energiepolitik der Piratenpartei.

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