Living in America – und was davon übrig bleibt

James Brown hat mal voller Energie gesungen: Living in America. Funk, Glanz, große Show. Und irgendwo hatte ich diese Melodie im Kopf, als ich nach zehn Jahren „USA-Pause“ wieder hier gelandet bin. Ich habe in den letzten 30 Jahren schon ein paar Ecken der USA gesehen, Kalifornien, Tennessee, Boston & Maine und Florida habe ich mehrfach bereist und habe viele Jahre in einer amerikanischen Firma gearbeitet. Ich schaue Filme und höre Musik, in denen die amerikanische Kultur gespiegelt wird. Ich habe ein Bild von Amerika. Diesmal, wie vor 10 Jahren, reise ich wieder nach Florida – Sonne, Strand, Palmen. Nochmals das ganze Bild aus dem Reiseprospekt.

Nur: Die Realität ist inzwischen ein bisschen anders als der Song. Weniger Funk und der Glanz ist matt, mehr Plastik, mehr Blecht und noch mehr Patriotismus. Das Land (bzw. dieser Bundesstaat) wirkt noch oberflächlicher, als er in meiner Erinnerung war. Alles scheint noch größer, lauter, aufgepumpter – und gleichzeitig leerer zu sein. Überfüllte Städte mit viel zu riesigen Vans und Trucks, Konsumtempel (aka Malls) größer als Flughafen, in denen alles glänzt, aber nichts bleibt.

Und es gab auch schöne Stationen auf dieser Reise: am Strand, im kleinen Caladesi Island State Park, in dem wir die einzigen „Wanderer“ waren, im wirklich sehenswerten Dali-Museum in St. Petersburg oder Ybor City, dem „kubanischen Viertel“ in Tampa, das mit seiner Musik, seinen Gerüchen und Stimmen fast wie ein eigenes kleines Land wirkt und dank der authentischen Menschen, die ich hier getroffen habe, das echte Highlight war. Aber dann auch wieder diese überteuerten Restaurants, in denen immer dieselben Gerichte serviert werden – Burger, Chicken, verkochte Pasta, vielleicht mal ein liebloser Salat als Alibi. Cola als Refill.  

Das eigentliche Highlight der Reise hatte mit all dem nichts zu tun: Das Wiedersehen mit meiner Familie, die Geburtstagsfeier meiner Schwester, das gemeinsame Lachen, der Spaß am Meer oder im Pool, gemeinsames BBQ. Keine Show, keine große Bühne – einfach echt.

Vielleicht ist das der Unterschied zwischen dem Song und dem Leben: James Brown singt von einem Amerika, das man feiern will. Ich habe eins erlebt, das viel Show macht, aber seine echten Momente nur dann hat, wenn man die Kulisse vergessen kann.

Generiertes GrAIffiti von mir im Dali Museum in St. Pesterburg.

Mir ist klar, dass ich nur einen Stecknadelkopf großen Teil der USA gesehen habe und dass ich nicht von der Region Tampa auf die ganzen USA Rückschließen kann. Allerdings war ich hier schon ein Mal und kann vergleichen. Ich wäre gerne noch mehr unterwegs gewesen – aber es gab andere Prioritäten.

#Bilder #Fuji #Fujifilm #IShootJPEG #IshootJPG #OoC #Reise #Reisen #Reisetagebücher #X100Vi