Paradebeispiel für eklatanten philosoph. Unsinn ist das sog. "Leib-Seele-Problem" bzw. dessen Behandlung. In nicht wenigen diesbezüglichen Elaboraten findet sich alsbald eine Formulierung der Art "das Immaterielle ist/wirkt ..." oder "die immaterielle Seele, der Geist ...", stets ein Beweis dafür, dass der Schreiberling nicht eine Sekunde über sein Geschreibsel nachgedacht hat. Wie soll etwas, das nicht ist, wirken? 1/5

#Philosophie
#Philosophy
#LeibSeeleProblem
#MarioBunge
#Aristoteles

bzw. wie kann etwas sein, das nicht ist? (Bevor ein unsinniger Einwurf kommt: Masse-Energie-Äquivalenz wird natürlich voraussgesetzt.) Arnaud hat seinerzeit schon Descartes diesen Blödsinn vorgehalten, aber in religiös-esoterisch-metaphysischen Zirkeln hält sich das seit Urzeiten. Die offensichtliche Konsequenz (der zweite Hauptsatz der Thermodynamik würde verletzt, ein perpetuum mobile möglich etc.) scheint niemandem in den Sinn zu kommen. Natürlich ist kein physikalisches Gesetz 2/5
für alle Ewigkeit in Stein gemeißelt: Aber unsere gesamten (recht gut bewährten) Grundlagen der Physik aufgeben, um etwas derartig Obskures wie eine immaterielle Seele zu postulieren? Einer der wenigen, die grundsätzlich begriffen haben, was in dieser Hinsicht geht, was analysierbar, diskutierbar ist und worüber zu sprechen sich nicht lohnt, ist Mario Bunge (der eben - nicht zufällig - auch Physiker war). Im Vorwort seines Buches zu diesem Thema 3/5
lässt er sich wie folgt vernehmen: "Es ist nichts dagegen einzuwenden, von psychischen Zuständen oder Vorgängen zu sprechen, vorausgesetzt, wir schreiben diesen kein immaterielles, unveränderliches und unerforschliches Sein zu, sondern betrachten sie als identisch mit Zuständen des Gehirns oder in ihm ablaufenden Vorgängen." Das ist die Grundlage für alles Schreiben über Geist, Seele, Bewusstsein etc. Sobald aber jemand vom Immateriellen zu faseln beginnt, 4/5
weiß man, dass er den Löffel der Vernunft abgegeben hat. Wusste im Grunde schon Aristoteles: "Zu sagen nämlich, das Seiende sei nicht oder das Nicht-seiende sei, ist falsch, dagegen zu sagen, das Seiende sei und das Nicht-seiende sei nicht, ist wahr." Ein wenig umständlich ausgedrückt vielleicht, aber nichtsdestoweniger zu beherzigen. Und gibt's eine schönere contradictio in adiecto als "das Immaterielle ist"? Da hat das nichtende Nichts zugeschlagen ... 5/5