< Stimmt,

der Begriff
"Taubstumm"

ist falsch! >

#Gehörlos #Hörbehindert

Hintergrund und Historisches
zu "Taubstumm".

Die Verwendung dieses Begriffs gilt btw als Diskriminierung, Beleidigung.

https://de.wikipedia.org/wiki/Taubstummheit

#Gehörlos #Hörbehinderung

Taubstummheit – Wikipedia

< Ein wertneutraler Begriff im deutschsprachigen Raum ist #Gehörlos, in Deutschland und Österreich zusätzlich #Taub. >

< Das Wort „taubstumm“ gilt [...] als veraltet [...] häufig als Beleidigung aufgefasst:

Zum einen können Taube durch gezieltes Sprechtraining durchaus [...] Fähigkeit zum Sprechen erwerben; #Taubheit [prälingual/prä- oder perinatal] führt also nicht zwingend zur vokalen Stummheit.

[...] Nutzer der #Gebärdensprache [sind] durchaus fähig, sich sprachgewandt mitzuteilen. Als „stumm“ werden sie wahrgenommen, wenn das Gegenüber die Gebärdensprache nicht beherrscht. >

#Gehörlos #Hörbehindert

@i_velocipede
"Taub" an sich ist ja ebenfalls hochgradig diskriminierend:
https://www.dwds.de/wb/etymwb/taub
https://www.dwds.de/wb/etymwb/doof
›taub‹ in: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen

DWDS – Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache

DWDS

@dankefuerdenfisch der Begriff an sich: aus anderer Perspektive, die nicht mit dem Nicht-Hören befasst sein mag, ja, möglich.

Tatsächlich ist "taub" in der Gehörlosen-Community in D und in A etabliert als wertneutraler Begriff.

@i_velocipede Interessierte und absolut ernst gemeinte Frage: Wie wertneutral ist der Begriff 'gehörlos' deiner Einschätzung nach tatsächlich, auch wenn er etabliert ist? Ist er nicht auch irgendwie vom Defizit her (= es fehlt das Gehör) gedacht? Wenn ich mir vorstelle, jemand würde mich jetzt gern in Analogie "augenlichtlos" nennen wollen: Ich weiß nicht so recht …

@SandiPavkovic

Dem Sprachgebrauch als Gegenstand gesellschaftlicher Debatten gegenüber steht die Selbstbenennung von Menschen mit Behinderung (diverser Art).

Wenn Menschen sich selbst mit defizitärem Begriff beschreiben (auch hier im Fediverse in den selbst gewählten Profilnamen z.B. einer Person mit Sehbehinderung und eines Profils mit Schwerhörigkeit- und Hörtechnik-Themen),

so ist es ihr gutes Recht.

1/x

@i_velocipede Ja, definitiv. Zumal wir aus der Etymologie-Falle eh nie rauskommen (siehe 'taub', aber auch 'blind' mit dem ganzen Wortfeld jeweils: betäuben, (ver-)blenden usw.) Da müsste man ja komplett neue Wörter (er-)finden.

@SandiPavkovic

Zurück zu Gehörlos:
Ja, ich stimme Dir da zu, es ist so gesehen, ein defizitärer Begriff, der im Übrigen als medizinische und juristische Definition verbreitet, gültig ist.

An dieser Stelle mal ein Blick auf aktuelle Signale/Diskussionen aus der Gehörlosen-Community im deutschsprachigen Raum:

Es sind zweigeteilte Meinungen.

Die einen sehen kein Problem mit 'gehörlos', die anderen beschreiben sich als 'Taub', mit großem 'T' als Merkmal einer kulturellen Zugehörigkeit.

2/x

@SandiPavkovic

3/x

Die Debatte: die kulturell verankerte Gebärdensprach- und Gehörlosengemeinschaft ist nach diesem Selbstverständnis eine sprachliche und kulturelle Minderheit.

Tendenz: Gebärdensprache als Minderheitensprache anerkennen, wie es in anderen Ländern der Welt bereits der Fall ist.

@i_velocipede Vielen Dank, super interessant – und da gibt's bei blinden Menschen auch eine Diskussion, ob die Blinde Community vielleicht auch eine Kultur-Gemeinschaft sei: besondere Neigung zu Hörspielen, Musik, besonderes Achten auf alles, was man hörend erfassen kann (Stichwort CLicksonar) usw. Allerdings: Braille ist z. B. keine Sprache (sondern eine Schrift) und auch sonst ist bei Blinden der Kultur-Ansatz umstritten und eine Minderheitenmeinung.
@SandiPavkovic Absolut spannend, auch in anderen Gruppen -
Danke Dir zurück für den Austausch!