Wenn man einem jungen Linken, der den Film nicht kennt und der geprägt ist von den verblödeten Diskursen der letzten zehn Jahre, STARSHIP TROOPERS zeigen würde, würde er den Film auch nicht als Satire erkennen, sondern ihn irgendwie rechts finden und problematisch.Da gibt’s tatsächlich ein Hufeisen
@larsweisbrod ich hab die doppelbödigkeit als 16 jähriger im kino bemerkt. jetzt komm mal runter von deinem feuillonisten-hochsitz
@mspro @larsweisbrod Aber Michael das ist doch genau mein Punkt - du bist in einem anderen Diskurs Umfeld aufgewachsen
@larsweisbrod wieso glaubst du das? glaubst du auch, dass die kids beim schauen von star wars jetzt fürs empire rooten?
@mspro @larsweisbrod Nein es geht nicht um eine inhaltliche Verschiebung sondern um eine strukturelle (man nimmt Sachen buchstäblicher, eher at Face value, es gibt keinen doppelten Boden und so weiter)
@larsweisbrod wie bitte? du meinst mr. beast meint das ernst und ist keine statire auf den entseelten konsumismus in der endmoräne des spätkapitlimus?
@larsweisbrod ich glaube du liegst falsch. severance ist mir zum beispiel viel zu schlau. ich komme bei all den ebenen und doppelten böden gar nicht mehr mit.
@larsweisbrod Das stimmt, die Unfähigkeit (oder manchmal auch das bewusste bad baith Ignorieren) von Satire oder auch Humor allgemein und alles literal nehmen, ist ein greifbarer Gradmesser für die Diskursverblödung, die sonst nicht so konzis fassbar ist (denke ich)

@larsweisbrod Da mag etwas dran sein, dass es heute einem jungen Linken schwieriger fallen würde, da es für sehr gute (postmoderne) Satire auch ein gewisses Grundgerüst geben muss, von dem man dann ableiten kann, warum das hier gerade brilliante Satire ist. Dieses Grundgerüst gibt es jedoch nicht mehr, sodass es weniger gut funktioniert.

Nur ist das für mich nur ein kleiner Aspekt des ganzen. Ich habe gerade nochmal bei dem Originalthread, auf den Du Dich wohl beziehst, nachgelesen und der..

@larsweisbrod schreit förmlich aus, dass diese ganze Diskussion etwas anderes zeigt: Die Postmoderne in Kunst, Film, Musik, usw. ist nun aus mannigfaltig vielen Gründen endgültig Geschichte. Weder können oder würden sich Künstler heute hinstellen und das so wie Verhoeven probieren zu vermitteln, noch kommt es beim Publikum so an wie das in den 1990er Jahre noch größtenteils sehr gut funktioniert hat. Schreibt der OP in dem Thead sogar wortwörtlich: 'the United Citizen Federation is a post-modern

@larsweisbrod , dass der OP jedoch nun Verhoeven Film nur aus einer heutigen Perspektive betrachtet, ist halt der große Unfug und natürlich, dass diese Leute dann doch so blöd sind, einfach wieder zurück in die Moderne zu wollen. (Triumph of the Will wird ja ernsthaft erwähnt, wie man es 'besser' macht??)

Nur zurückschauen funktioniert genauso wenig, wie sich weiter in der postermodernen Dauerironie gemütlich zu machen. 'Don't Look Up' zeigt wie es geht, Kritiker hassen, das Publikum liebt ihn

@wackJackle vielleicht ist der richtige vergleich zu verhoevens film auch eher sowas wie Rammstein. Es gab damals eben ein ironisches Spiel mit faschistischer Ästhetik, das sich in verschiedene Richtungen auflösen ließ?
@larsweisbrod Ja und alle lebten noch in einer PostFukuyama Welt und haben ersnthaft an das Ende der Geschichte geglaubt, sodass man in der Satire und wie man die dann ästethisch auserzählt völlig anders heran gehen kann, denn auf die bürgerlich liberale Weltordnung für immer hatten wir uns ja gerade anscheinend geeinigt... diese liegt nun in Trümmern.

@larsweisbrod Ich hab damals übrigens als die Serie gerade erst herauskam, sofort mir gedacht, dass die super erfolgreich werden wird, da Severance eines der besten Beispiele für gelungene 'metamoderne' Kunst ist. (über den Begriff kann man streiten, aber die Bücher, die ich dazu gelesen habe, haben sich darauf geeinigt).

Es ist ja kein Zufall, dass Severance einem Joe Rogan und den 'Shitlibs' in Brooklyn, New York gleichermaßen gefällt. Da ist für jeden etwas dabei, was funktioniert..

@larsweisbrod @wackJackle

Und so wartet die bayerische Regierung bis heute auf die göttlichen Eingebungen.
https://www.youtube.com/watch?v=h5PM3oYeKy8

(Zumindest leg' ich dem Memminger Volksvertreter im Maximilianeum,
der mit, aber eher selten in meinem Namen spricht,
per Filserbrief zwar nicht die Zehn Gebote, aber zumindest die Zwölf Artikel nahe, die vor genau 500 Jahren in seinem Wahlkreis verfasst wurden.)

#Haindling

Rammstein - Bayern des samma mia (High Quality)

YouTube

@larsweisbrod Liegt aber vielleicht auch daran, dass die Realität versucht die Satire einzuholen: Im Kino werden die Bugs heute ganz ernst zertreten und sehen dabei wieder aus wie Menschen - mit der schmallippigen Rechtfertigung einer Infektion mit Zombie-Viren. Die Brutalität in den Nachrichten übertrifft die Satire ebenso wie die Dummheit der politischen Rechtfertigung.

Tatsächlich kann man an so einem Film die Verschiebung des Diskurses gut dokumentieren. 🤔

#OvertonFenster #Zeitgeist

@larsweisbrod Sicher. Meine bevorzugte heute rechte Propaganda-Show war allerdings Sledge Hammer.
@larsweisbrod Aus dem Thread des OPs: Da steckt schon alles drin, warum 'Postmoderne' für die nicht mehr funktioniert, aber auch wie sie sich einfach zurück in eine Moderne flüchten, die nun per AI genau die Ästhetik und Inhalt des Faschismus/Nationalsozialismus wieder aufgreift. Jfc, es ist faszinierend und beängstigend, wie die da wirklich hinter stehen. (die das drüben so nun diskutieren, bleiben eben wer sie sind, aber auf diese Leute ist Verhoeven ST dann wirklich auch keine Antwort mehr)

@wackJackle @larsweisbrod

Also der beste Teil der Satire ist immer noch die Reaktion der überzeugten USAmerikanischen Heinlein-Fans auf
Verhoevens Starship Troopers.

Die finden den nämlich überwiegend blasphemisch.

Auch hier gilt ADOrnos Diktum:

„Intelligenz ist eine moralische Kategorie.

[…]

Wie dagegen im engsten Umkreis Menschen dort verdummen, wo ihr Interesse anfängt, und dann ihr Ressentiment gegen das kehren, was sie nicht verstehen wollen, weil sie es allzu gut verstehen könnten, so ist noch die planetarische Dummheit, welche die gegenwärtige Welt daran verhindert, den Aberwitz ihrer eigenen Einrichtung zu sehen, das Produkt des unsublimierten, unaufgehobenen Interesses der Herrschenden. Kurzfristig und doch unaufhaltsam verhärtet es sich zum anonymen Schema des geschichtlichen Ablaufs. Dem entspricht die Dummheit und Verstocktheit des Einzelnen; Unfähigkeit, die Macht von Vorurteil und Betrieb bewußt zu vereinen.“

https://copyriot.com/sinistra/reading/agnado/minima.html#chapter_131

m|n|m@

@wackJackle
In diesem Heinlein-Forum ergibt aus dieser vom richtig asozialen Original-Post von
@larsweisbrod
inspirierten Bemerkung erst noch eine interessante Diskussion
sich,
die ich aber wegen
„unter drei“-Regeln nicht weitergeben kann.
Der These, dass ein Vergleich von Nehemiah Scudder aus Heinleins
"If This Goes On —"
zu Living National Political Figures
völlig abwegig sei,
wird (erfreulicherweise) deutlich widersprochen.

Aber jetzt hab' ich ein Problem.
Für den nächsten „unter drei“ Gesprächskreis sollte ich mich,
gleichsam als stretch goal,
zu
Integration und Differenzierung von Staaten und Staatensystemen
einlesen,
aber jemand aus dem Heinlein-Forum hat
"The Year of the Jackpot"
https://en.wikipedia.org/wiki/The_Year_of_the_Jackpot
erwähnt.

The Year of the Jackpot - Wikipedia

@larsweisbrod das gab‘s (leider) auch schon damals, als der Film erstmals im Kino war. Erinnere mich noch an meine irritierte Reaktion auf einige abwertende „Nazi-Film“ Kommentare aus meinem erweiterten Umreld. Satire hat’s nicht immer leicht…
@larsweisbrod
Das ist wie mit @derpostillon
Die bekommen auch immer tolle Antworten.