@larsweisbrod Da mag etwas dran sein, dass es heute einem jungen Linken schwieriger fallen würde, da es für sehr gute (postmoderne) Satire auch ein gewisses Grundgerüst geben muss, von dem man dann ableiten kann, warum das hier gerade brilliante Satire ist. Dieses Grundgerüst gibt es jedoch nicht mehr, sodass es weniger gut funktioniert.
Nur ist das für mich nur ein kleiner Aspekt des ganzen. Ich habe gerade nochmal bei dem Originalthread, auf den Du Dich wohl beziehst, nachgelesen und der..
@larsweisbrod , dass der OP jedoch nun Verhoeven Film nur aus einer heutigen Perspektive betrachtet, ist halt der große Unfug und natürlich, dass diese Leute dann doch so blöd sind, einfach wieder zurück in die Moderne zu wollen. (Triumph of the Will wird ja ernsthaft erwähnt, wie man es 'besser' macht??)
Nur zurückschauen funktioniert genauso wenig, wie sich weiter in der postermodernen Dauerironie gemütlich zu machen. 'Don't Look Up' zeigt wie es geht, Kritiker hassen, das Publikum liebt ihn
@larsweisbrod Ich hab damals übrigens als die Serie gerade erst herauskam, sofort mir gedacht, dass die super erfolgreich werden wird, da Severance eines der besten Beispiele für gelungene 'metamoderne' Kunst ist. (über den Begriff kann man streiten, aber die Bücher, die ich dazu gelesen habe, haben sich darauf geeinigt).
Es ist ja kein Zufall, dass Severance einem Joe Rogan und den 'Shitlibs' in Brooklyn, New York gleichermaßen gefällt. Da ist für jeden etwas dabei, was funktioniert..
Und so wartet die bayerische Regierung bis heute auf die göttlichen Eingebungen.
https://www.youtube.com/watch?v=h5PM3oYeKy8
(Zumindest leg' ich dem Memminger Volksvertreter im Maximilianeum,
der mit, aber eher selten in meinem Namen spricht,
per Filserbrief zwar nicht die Zehn Gebote, aber zumindest die Zwölf Artikel nahe, die vor genau 500 Jahren in seinem Wahlkreis verfasst wurden.)
@larsweisbrod Liegt aber vielleicht auch daran, dass die Realität versucht die Satire einzuholen: Im Kino werden die Bugs heute ganz ernst zertreten und sehen dabei wieder aus wie Menschen - mit der schmallippigen Rechtfertigung einer Infektion mit Zombie-Viren. Die Brutalität in den Nachrichten übertrifft die Satire ebenso wie die Dummheit der politischen Rechtfertigung.
Tatsächlich kann man an so einem Film die Verschiebung des Diskurses gut dokumentieren. 🤔
Also der beste Teil der Satire ist immer noch die Reaktion der überzeugten USAmerikanischen Heinlein-Fans auf
Verhoevens Starship Troopers.
Die finden den nämlich überwiegend blasphemisch.
Auch hier gilt ADOrnos Diktum:
„Intelligenz ist eine moralische Kategorie.
[…]
Wie dagegen im engsten Umkreis Menschen dort verdummen, wo ihr Interesse anfängt, und dann ihr Ressentiment gegen das kehren, was sie nicht verstehen wollen, weil sie es allzu gut verstehen könnten, so ist noch die planetarische Dummheit, welche die gegenwärtige Welt daran verhindert, den Aberwitz ihrer eigenen Einrichtung zu sehen, das Produkt des unsublimierten, unaufgehobenen Interesses der Herrschenden. Kurzfristig und doch unaufhaltsam verhärtet es sich zum anonymen Schema des geschichtlichen Ablaufs. Dem entspricht die Dummheit und Verstocktheit des Einzelnen; Unfähigkeit, die Macht von Vorurteil und Betrieb bewußt zu vereinen.“
https://copyriot.com/sinistra/reading/agnado/minima.html#chapter_131
@wackJackle
In diesem Heinlein-Forum ergibt aus dieser vom richtig asozialen Original-Post von
@larsweisbrod
inspirierten Bemerkung erst noch eine interessante Diskussion
sich,
die ich aber wegen
„unter drei“-Regeln nicht weitergeben kann.
Der These, dass ein Vergleich von Nehemiah Scudder aus Heinleins
"If This Goes On —"
zu Living National Political Figures
völlig abwegig sei,
wird (erfreulicherweise) deutlich widersprochen.
Aber jetzt hab' ich ein Problem.
Für den nächsten „unter drei“ Gesprächskreis sollte ich mich,
gleichsam als stretch goal,
zu
Integration und Differenzierung von Staaten und Staatensystemen
einlesen,
aber jemand aus dem Heinlein-Forum hat
"The Year of the Jackpot"
https://en.wikipedia.org/wiki/The_Year_of_the_Jackpot
erwähnt.