1/ Heute vor 35 Jahren begannen die Hungerstreiks in der #Gethsemanekirche. Ich wohnte da in der Gegend. Vorn an der Schönhauser Allee stand ein Polizist mit Funkgerät. Die Stasi hatte eine Wohnung gegenüber der Kirche. Am 8. und 9.10. fanden in der Kirche große Gottesdienste statt. Die Kirche war voll. Berichte aus anderen Landesteilen zu Festnahmen wurden verlesen. (Die Kirche hatte ein Telefon und die Information wurde dort gesammelt und weitergeleitet.)

Wir wollten eine andere #DDR. Eine demokratische mit Wahlen, deren Ergebnis nicht gefälscht war (Meine Schwester hatte im März mit die Stimmen ausgezählt und den Wahlbetrug nachweisen geholfen.)

Wir wollten keine #Wiedervereinigung. Am Dezember war eine große Anti-#Kohl-Demo von Linken, Grünen, Teilen der Bürgerbewegung und Frauen. Im März haben die #Ossis die #CDU gewählt. Im Jugendradio lief „Der Traum ist aus“ von den Scherben.

Das Land taumelte in eine Welle aus #Nationalismus.

Grafik von einem Freund. 1989.

2/ Am 2.10. kam es im gesamten Bundesgebiet und in der Noch-DDR zu einer nie da gewesenen Welle der Gewalt.

Davon habe ich erst dieses Jahr beim #tazLab zum #Osten erfahren. Alles ist bestens dokumentiert.

https://zweiteroktober90.de/ueberblick/

Linke Projekte, Ausländerwohnheime wurden angegriffen. Die Polizei hat es geschehen lassen, sie hat die Angegriffenen explizit nicht geschützt und ihnen das vorher so mitgeteilt. Das war der Auftakt zur #Wiedervereinigung. Rassistisch, nationalistisch. Das neue Land, die neuen Herrschenden. Die, die die neuen Strukturen aufgebaut haben. Sie haben die Richtung vorgegeben.

Die Ministerpräsidenten auch zum großen Teil aus dem Westen wollten nichts sehen. Und so lief es und so läuft es bis heute. Vor den Baum.

Manche beginnen nun wenigstens, sich zu wundern.

Wir haben das alles damals so kommen sehen. Dann waren wir einige Jahre mit uns selbst beschäftigt. Dann kam die #noAfD.

Nun ist es fast zu spät.

Feiert schön. Morgen.

PS: Nur damit das klar ist: Ich möchte die DDR nicht zurück. Ich mochte sie nicht. Mir geht es in diesem Land gut. Nur dem Land geht es nicht gut.

Überblick – zweiteroktober90

Am 2. und 3. Oktober 1990 feierten Millionen von Menschen in BRD und DDR die Vereinigung der beiden deutschen Staaten. Der 3. Oktober wurde zuvor zum Feiertag erklärt und wird als solcher bis heute...

zweiteroktober90
@stefanmuelller oh Mann. Der Link ist echt harter Tobak. Ich hatte direkt flashbacks als ich in Wurzen nur noch rannte, um am Leben zu bleiben. Als wir Barrikaden in der Stö bauen mussten, weil sich wieder die Nazis angekündigt hatten. Und die Polizisten, die es einen Scheiß kümmerte, aber die merklich Spaß an Körperdurchsuchungen an uns hatten. Es ist krass, wie viel da hoch kommt und was man eigentlich dachte, es sei gar nicht so schlimm.

@petunientopf

Tut mir Leid, wenn das was getriggert hat. Aber viele Menschen wissen das alles gar nicht und darüber müssen wir reden.

Diese Sachen konkret weiß ich auch erst seit diesem Jahr.

Von den Überfällen wusste ich natürlich. Ich hatte einen Freund in der Kastanienallee in Berlin. Der hatte öfter mal Scherben im Bett.

@stefanmuelller Alles gut. Ist lange her und es ist wichtig, dass das zur Sprache kommt! Ich war damals schon so viel wütender und angepisst auf all die Leute, die da achselzuckend zugeguckt haben. Da wusste man, wie die ganzen Mitläufer zustande kamen! Das Schlimme ist, dass es sich derzeit wieder so anfühlt.