@OhWeh

Das ist jetzt komisch. Ich dachte schon, dass Du inzwischen wüsstest, was mein Ost-West-Lied ist.

Ich versuche die Geschichte: Im Osten sind alle Nazis, weil

a) Alle im Kindergarten nebeneinander auf dem Töpfchen gesessen haben.

b) Alle von ihren um 6:00 aufstehenden Psycho-Müttern ohne Waschmaschine zu heiß gebadet wurden (#AnneRabe)

c) Weil sie schon in zwei faschistischen/nationalistischen/rassistischen Diktaturen aufgewachsen sind.

zu entkräften. Kannst Dir a, b, c oder irgendeine Kombination daraus aussuchen.

Die Message „der Medien“ ist seit Jahrzehnten: Der Osten ist Scheiße. Alles Schlimme wird abgespalten und östlich lokalisiert. Mein Punkt ist immer wieder, dass der Osten gar nicht so scheiße sein könnte, wenn der Westen nicht beschissene Aufbauhilfe für Nazistrukturen und rassistische Strukturen geleistet hätte. Das wird mir auch immer wieder von #Antifas bestätigt. Ich habe es in einigen Blog-posts dokumentiert. Fernsehbeiträge zum Thema verlinkt. Namen von Rechtsextremen AfDlern aufgelistet usw.

Diese rechten Richter sind aus dem Westen, gleich drei am Geraer Gericht.

Das bedeutet:

1) Sie sind im Westen sozialisiert worden. Der Westen war qua Geschenk der Amis eine Demokratie, hatte nur eine Diktatur hinter sich und der Geist ist dort dennoch weitergegeben worden. Über das Bildungssystem, über die Hochschulen. Bis ins höchste Richteramt.

2) Sie sind nicht aus dem Osten. Wenn das nicht dazugesagt wird, wird das Klischee „Im Osten sind alles Nazis.“ verstärkt. Dagegen kämpfe ich an mit der Message: Ein großer Teil der Nazis im Osten sind aus dem Westen. Das betrifft insbesondere Personen in Führungspositionen: Hier ist eine Übersicht:

https://so-isser-der-ossi.de/nazis/

#noAfD und #Combat18 Naziverlage mit Verlagsleitern, die in Leipzig gewohnt haben, alles West-Nazis. Und es wird in den jeweiligen Artikeln nicht erwähnt.

Bei Deinem Zynismus liegt irgendwie ein Denkfehler vor. Ich finde West-Nazis im Osten nicht prima, weil sie aus dem Westen sind. Sie sind genauso schlimm wie Nazis an denselben Positionen wären, wenn sie aus dem Osten wären. Ich möchte nur sicherstellen, dass die Nazitaten von Westlern im Osten auf das Konto des Westens gehen und nicht irgendwas dem Osten angedichtet wird.

Zum Schluss noch ein bisschen Musik aus der #DDR: #DieFirma

https://www.youtube.com/watch?v=5laOHMW2iG4

#Ostmugge #dieAnderenBands #Punk #punks_not_dead #sagsMitMusik

Nazis in Ost und West - So isser, der Ossi

In den dis­kurs­re­le­van­ten Medi­en wird oft sug­ge­riert, das Nazi-Pro­blem sei ein Ost-Pro­blem. Das ist eine Abspal­tung und Ver­drän­gung, die letzt­end­lich für die gesam­te Demo­kra­tie gefähr­lich ist. Ich habe jah­re­lang davor gewarnt, so lang­sam wird die gesamt­deut­sche Kata­stro­phe sicht­bar. Hier gibt … Weiterlesen →

So isser, der Ossi

@stefanmuelller @OhWeh Der Anteil und die Kontinuitäten an Nazis, die in der Stasi tätig waren, sowie deren Netzwerke und dankbares Mitwirken mit den West-Nazis darf ruhig auch erwähnt werden. Auch wenn das eine andere Ebene ist mit anderen Dynamiken. Aber ohne den von der Stasi sorgsam gezüchteten autoritären Charakter hätten es die West-Nazis nicht so leicht gehabt.

Nur damit keine Missverständnisse aufkommen: alle Nazis sind scheiße überall und Gesamtdeutschland hat ein Gesamtnaziproblem. Durch den Mauerfall können beide Systeme das nicht mehr leugnen und wir haben ein paar Ebenen dazubekommen, deren blinde Flecken nun gemeinsam aufgearbeitet werden müssen. Neo-Stasis sollten auch ordentlich beleuchtet werden, wie ich seit der Manifestation von Pegida sage. Und daß West-Linke auf diesen Querdenker-Zug aufspringen ist noch so eine Ebene, die gesamtdeutscher Betrachtung bedarf.

Es ist nie einfach und es ist nie nur eine Seite. Historische Kontinuitäten, die sich eine zeitlang getrennt entwickelt haben, bringen bei Wiedervereinigung mehr Komplexität und machen Einseitigkeit nicht nur oberflächlich sondern gefährlich. Und damit wiederum zündeln die Brandstifter*innen aller Seiten.

@anders_von_hadern @OhWeh

„Der Anteil und die Kontinuitäten an Nazis, die in der Stasi tätig waren, sowie deren Netzwerke und dankbares Mitwirken mit den West-Nazis darf ruhig auch erwähnt werden.“

Dafür hätte ich gern Quellen.

@stefanmuelller @OhWeh Google hat sehr viel, einfach Stasi und NSDAP eingeben für den Anfang.

https://www.spiegel.de/geschichte/ns-taeter-in-der-ddr-wie-die-stasi-ss-leute-aus-auschwitz-erpresste-a-987462.html

Wikipedia hat eine tolle West-Ost-Liste https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_ehemaliger_NSDAP-Mitglieder,_die_nach_Mai_1945_politisch_tätig_waren

Will sagen: beide Besatzungszonen hatten das Problem, daß Nazis in Führungspositionen waren und von den jeweiligen Besatzungsmächten verengt wurden. Eine Entnazifizierung fand in keinem der beiden Nachkriegsdeutschlands statt.

Ich will damit dezidiert klar machen, daß es kein alleiniges Ost-Nazi-Problem gibt. Es gibt ein Deutsches Nazi-Problem, das durch die Wiedervereinigung noch mehr Gesichter bekommen hat.

Wir müssen nicht darüber streiten, ob Nazis im Osten ODER im Westen ein Problem sind - sie sind ein Gesamtproblem mit jeweils unterschiedlichen Einflüssen und mentalen Traditionen, die sich aus der Nachkriegszeit ergeben haben.

NS-Täter in der DDR: Wie die Stasi SS-Leute aus Auschwitz erpresste

Als ehemaliger Auschwitz-Wachmann im antifaschistischen Musterstaat leben? Eigentlich undenkbar. Doch tatsächlich arrangierte sich die DDR mit vielen, die im KZ Dienst getan hatten. Der Preis: ein Zwangspakt mit der Stasi.

DER SPIEGEL

@anders_von_hadern @OhWeh

Die Wikipedia-Liste habe ich mir im Detail angeguckt. Da ist bis auf den Typen, der die LPGs erfunden hat, kein krasser Fall dabei. Bei all den NSDAPlern, die dann in der NVA waren und auch in der Politik muss man die Einträge genauer ansehen. Die waren zum Teil im NKFD und haben Nazi-Deutschland aktiv bekämpft. Sie wurden in Deutschland in Abwesenheit zu Tode verurteilt.

Hier zu der Liste:

https://so-isser-der-ossi.de/2024/02/25/nazis-im-westen-nazis-in-der-sed/#Nazis_in_der_SED

Spiegel gucke ich mir an. Danke!

Nazis im Westen, Nazis in der SED - So isser, der Ossi

Wäh­rend der Arbeit am Bei­trag Wei­te­re Kom­men­ta­re zu Anne Rabes Buch: Eine Mög­lich­keit aber kein Glück habe ich mir den Wiki­pe­dia-Ein­trag zum KZ Lich­ten­burg ange­se­hen. Mein Groß­on­kel war dort ein Jahr und neun Mona­te ein­ge­sperrt. Es gibt in Wiki­pe­dia Lis­ten mit … Weiterlesen →

So isser, der Ossi

@stefanmuelller @OhWeh Nazi Deutschland aktiv bekämpfen ist nicht gleichbedeutend mit Garantie gegen autoritären Charakter. Es gibt genügend Beispiele nichtnazistischer Diktaturen, die gerne das Wissen faschistischer Funktionäre nutzen.

"Ich kann kein Nazi sein, denn ich habe migrantische Freundys" ist halt keine Garantie und nur die Wiederauflage von "Mein Großvater war ja Widerstandskämpfer, denn er hat einem Zwangsarbeiter mal ein Stück altes Brot gegeben."

@anders_von_hadern @OhWeh

Ja, da hast Du leider Recht.

@stefanmuelller @OhWeh Ich argumentiere hier nicht kontra - im Gegenteil. Wir müssen noch mehr und noch genauer hinschauen und so lange wir die Ost-West-Brille aufhaben bleiben wir blind.

Las kürzlich gerne über die Stasi-Rentner, hätte gern mehr solche Beleuchtung, auch Kontinuität von Neo-Stasis, die es mit Sicherheit gibt (Netzwerke, die gepflegt werden, wollen sich weitergeben). Leider ist der Artikel von 2006 ... https://www.zeit.de/2006/30/Stasi

Die Stasi-Rentner

Ehemalige Offiziere des MfS leben in Berlin-Hohenschönhausen wie in einer Parallelgesellschaft. Sie treffen sich im "Insiderkomitee" und werten die Feindpresse aus. Dem Kinofilm "Das Leben der Anderen" setzen sie ihre unerschütterliche Weltsicht entgegen.

ZEIT ONLINE

@anders_von_hadern @OhWeh

Ja, den Zeit-Artikel kannte ich schon. Ich bin durch #InesGeipel auf ihn gestoßen. Geipel hat mit diesen alten Stasi-Seilschaften zu tun, die sie bekämpfen und stören.

Im Spiegel-Artikel steht:

https://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/ns-verbrecher-und-stasi-wer-nazi-war-bestimmen-wir-a-397473.html

„Das hauptamtliche Stasi-Personal war relativ sauber, bei den Inoffiziellen Mitarbeitern war das ein ganz anderer Schnack"“

Das ist, glaub ich, der Unterschied. Die Stasi hat die Nazis zur Mitarbeit als IMs erpresst. Wie in den Artikeln steht, wurden die IMs z.B. zur Bespitzelung ihrer Kirchengemeinde eingesetzt. Ich hatte ja bei den #DeutschenChristen, die im Entjudungsinstitut der Nazis mitgearbeitet haben, auch einen gefunden, der dann IM wurde.

https://so-isser-der-ossi.de/2024/06/23/ost-deutsche-christen-in-ost-und-west/

Walter Grundmann:

https://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Grundmann

Das gibt es bei allen Geheimdiensten. Der Verfassungsschutz arbeitet mit Neonazis zusammen, die als V-Männer geschützt werden und ihre Kumpels verpfeifen. Normale Kriminelle geben der Polizei Tipps für Geld usw. usf.

Im Westen waren Menschen wie Globke und Filbinger ganz vorn mit dabei. Sie waren sehr weit oben in der Regierung. Das gab es eben im Osten – bis auf den LPG-Typen – nicht.

Bleibt der Fakt, dass es in den 60ern und 70ern keine oder nur noch wenige Urteile gab, weil das ja gezeigt hätte, dass die DDR in den 50ern nicht alle Nazis erwischt hatte. Die mangelnde Verfolgung ist peinlich für die Staatsführung, aber verständlich. Und diese Nazis hatten nichts mehr zu melden. Sie konnten sich nicht frei entfalten, wie das im Westen der Fall war. Die Kontinuität reaktionärer Strukturen (Burschenschaften, Vertriebenenverbände, ...) war unterbrochen.

Im Westen gab es große Wehrsportgruppen mit hunderten organisierten Nazis, die Organisation Gehlen war die von Nazis aufgebaute Vorgängeroganisation des BND.

https://de.wikipedia.org/wiki/Organisation_Gehlen

Die Nazis wurden als zuverlässige Kämpfer gegen den Kommunismus gebraucht. Das war natürlich im Osten ganz anders, denn das waren ja die Kommunisten. Sie hatten den Faschismus gerade überlebt und waren entschiedene Gegner.

Generäle waren zu Beginn auch in der NVA, sind dann aber irgendwann, als alle wussten, wie recht-um und links-um geht, rausgeflogen.

Gehlen war bis 1968 Präsident des BND:

https://de.wikipedia.org/wiki/Reinhard_Gehlen

Da war er 66 und ist wahrscheinlich in Ehren in die Rente verabschiedet worden.

NS-Verbrecher und Stasi: "Wer Nazi war, bestimmen wir!"

Die Führung der DDR hat Westdeutschland als "Staat der Täter" bezeichnet. Aber das Bild des "antifaschistischen" Ostdeutschlands bekommt immer größere Risse. Viele ehemalige Nazis waren später Inoffizielle Mitarbeiter des realsozialistischen Staatssicherheitsdienstes, zeigt eine neue Studie.

DER SPIEGEL

@stefanmuelller @OhWeh Nazis, die zwangsverpflichtet werden, bleiben Nazis. Und tun in einem Geheimdienst in einer Diktatur das, was Nazis nunmal in Geheimdiensten einer Diktatur tun.

Sie mögen diktatorische Geheimdienste lieber als Demokratische, denn Erstere unterliegen keiner parlamentarischen Kontrolle und es ist für Geheimdienstchefs in Diktaturen immer praktisch, loyale Untergebene zu haben, die auf Befehl gewalttätig werden. Gegen diejenigen, die politisch grad unerwünscht sind.

Nur weil Nazis in einer dem Volk zu Transparenz verpflichteten Demokratie sichtbarer sind, bedeutet das nicht, daß es in einer Nazis unsichtbar machenden Diktatur weniger von ihnen gäbe oder sie weniger gefährlich seien. In der Unsichtbarkeit bleibt ihr Umfeld blind für ihre Gefährlichkeit. Und schwupps - Baseballschlägerjahre, Menschenjagden durch Innenstädte und brennende Häuser, konnte ja keine*r ahnen, gab's doch früher nicht, muss ein importiertes Problem sein.

Ist immer einfach, die Schuld für die eigene Blindheit bei Anderen zu sehen.

Gesamtdeutschland hat ein Gesamtnaziproblem und daß sich die getrennten Ausformungen unheilvoll verbinden würden war absehbar und zumindest in der BRD die erste Befürchtung, als sich der Mauerfall ankündigte. Klar, daß Westnazis ihre Chance nutzten und "sich ihr Land zurück holen" wollten. Daß das in der ehemaligen DDR für sie lukrativer ist ist jetzt nicht gerade ein Beweis dafür, daß es in der DDR keine oder weniger oder weniger gefährliche Nazis oder autoritären Charakter gab.

Der Systemkampf der zwei Deutschlande ist vorbei und ein Blameshifting auf der Ost-West-Achse löst das gesamtdeutsche Naziproblem nicht. Im Gegenteil: es freut diese Menschen, weil wir abgelenkt sind.

@anders_von_hadern @OhWeh

Ja, zum zweiten Teil. Aber das stimmt nicht: „Nazis, die zwangsverpflichtet werden, bleiben Nazis. Und tun in einem Geheimdienst in einer Diktatur das, was Nazis nunmal in Geheimdiensten einer Diktatur tun.“

Es gibt einen Unterschied zwischen Hauptamtlichen und IMs:

https://de.wikipedia.org/wiki/Inoffizieller_Mitarbeiter

Bei den IMs gab es verschiedene Arten mit verschiedener Verantwortung, aber die meisten (?) waren Zuträger*innen. Sie lieferten Berichte an das MfS. Damit waren sie eben nicht in leitender Position. Da saßen die treuen Genossen.

Inoffizieller Mitarbeiter – Wikipedia

@stefanmuelller @OhWeh Sehe da Nichts über den Umgang mit Nazis, was mein Argument auch nur ansatzweise entkräften könnte.

@stefanmuelller @OhWeh Wie genau hat denn die Entnazifizierung in der DDR funktioniert? Ich wüsste schon gerne wie das vonstatten ging:

Ende 2. Weltkrieg, Nazis sind da. Einige verurteilt, Viele in die Stasi - Zack, keine Nazis mehr, weil nur noch Untergebene und nun der sozialistisch wertvollen Persönlichkeit verpflichtet. Nazis jetzt nur noch im Westen, weil antifaschistischer Schutzwall. Der Schutzwall fällt und plötzlich Nazis da, müssen wohl importiert sein.

Wenn es tat sächlich genau so ist, dann müsste es doch irgendwo im DDR-System einen Mechanismus gegeben haben, wie die Nazis plötzlich verschwanden? Wie ging das? Oder wurden sie einfach nur exportiert, schwupp, Problem gelöst und schön mit dem Finger auf die BRD zeigen?

Ich wüsste das wirklich gerne. Am liebsten mit Quellen und im Detail, denn vielleicht übersehe ich (oder wir Alle) etwas, was uns helfen könnte, das Problem jetzt endlich mal gesamtdeutsch anzugehen. Wäre richtig gut <3