In Fernzügen der SJ gibt es schon länger keine Ticketkontrollen mehr. Solange jeder auf seinem reservierten Platz sitzt und niemand sich beschwert, geht man davon aus, dass schon alles so seine Richtigkeit hat. Interrailern wird vertraut, dass sie alles korrekt auf ihrem Ticket eintragen.
Das Zugteam befindet sich zentral im Bistro. Ob das mit einer Reduzierung der Personalstärke einher geht, weiß ich nicht.
Ich hatte euch noch ein paar Reflexionen zu den Fähren zwischen Finnland und Schweden versprochen.
In Finnland nennt man sie ruotsinlaivat, "Schwedenfähren". Ökonomisch, touristisch, aber auch soziokulturell sind sie von überragender Bedeutung. Das gilt besonders für Finnland, etwas weniger für Schweden.
Das Folgende betrifft vor allem die Fähren zwischen Turku und Stockholm, mit denen ich regelmäßig unterwegs bin, aber auch zu großen Teilen die Linie von Helsinki nach Stockholm.
Die Fähren bündeln verschiedene Zwecke in einem Verkehrsträger:
1.) Transport von Waren von und nach Finnland, hauptsächlich in Form von LKWs/Trailern.
2.) Beförderung von Personen von A nach B. Viele davon mit eigenem Fahrzeug, aber auch Fußpassagiere.
3.) Anbindung der Åland-Inseln, die nur auf dem Wasserweg zu erreichen sind. Wie zuvor erwähnt, ist das aber auch ein Stück weit ein Alibi um zollfreien Alkoholverkauf zu ermöglichen.
4.) Minikreuzfahrten, entweder mit oder ohne Landgang.
Die Fähren sind riesig. Wenn man noch nie auf so einem Ding war, ist man erstmal erschlagen ob der Größe und der ganzen Dinge, die sich an Bord tun.
Viking Grace und Viking Glory, die beiden modernen Fähren, die zwischen Turku und Stockholm pendeln, haben jeweils knapp 3000 Kabinenplätze. Bei Nachtüberfahrt muss man eine Kabine dazubuchen, bei der Tagfahrt ist es optional (aber sehr zu empfehlen, weil günstig und es ist nett, einen Rückzugsort zu haben).
Für Erstbenutzer sicher am irritierendsten ist Reisezweck Nr. 4, die Minikreuzfahrt. Für Menschen in Finnland und Schweden ist es ein beliebtes Freizeitvergnügen, einmal in 24 Stunden mit der Fähre hin- und herzufahren und an Bord eine gute Zeit zu haben.
Die Reedereien fördern das, so eine Cruise kostet nicht mehr als die einfach Fahrt, früher war sie mitunter sogar günstiger. Zur Bespaßung der Gäste gibt es Geschäfte, Restaurants, Bars und Nachtclubs. Natürlich soll fleißig konsumiert werden.
Dann ist da die interkulturelle Komponente. Auf den Fähren treffen Schweden und Finnen aufeinander. Zwei Länder mit wechselvoller gemeinsamer Geschichte, unterschiedlichen Ideen, Vorurteilen. Das kann auch schon mal clashen.
Auf der anderen Seite sind die Fähren ein seltener echt zweisprachiger Ort. Finnland hat zwar zwei Amtsprachen, Finnisch und Schwedisch, aber die meisten Orte sind entweder-oder (wobei Finnisch klar überwiegt). An Bord sind beide Sprachen dagegen komplett gleichberechtigt.
Auch das sind die Schwedenfähren: Ältere Paare, die zu melancholischer finnischer Musik tanzen, gespielt von oft erstaunlich guten Bands. Das sind die Momente, die mir ans Herz gehen und wo ich denke: hier bin ich richtig.
Also, wer sich mal fühlen möchte wie in einem Film von Aki Kaurismäki, sollte nach diesen Orte auf der Fähre Ausschau halten.
Und so ging es mit meiner Reise weiter. Mein Zug aus Stockholm endete vorzeitig in Malmö. Also schnell vom Kopfbahnhof zum unterirdischen Bahnhofsteil gewechselt und in den erstbesten Öresundståg nach Kopenhagen gehüpft. Leider hat dieser Verspätung und ist proppenvoll, mit meinem Anschluss in Kopenhagen wird es eng.
Aber first things first: Hallo Europa 👋
Von der Fahrt nach Odense kriege ich nichts mit, weil ich für meine Follower auf Mastodon einen Reise-Thread schreibe 🙃 Ein Dänemark-Klischee-Bild gelingt mir aber doch.
Moment mal, Odense? Warum eigentlich Odense…?
Natürlich hätte ich die Wartezeit auf den EC nach Hamburg auch in Kopenhagen rumbringen können. Aber das ist ja langweilig. Ich versuche immer, die Gelegenheit zu nutzen, anderen Orten in Dänemark einen kurzen Besuch abzustatten.
Im Moment steht Odense hoch bei mir im Kurs. Nettes Städtchen! Außerdem gibt es im Bahnhof ein Thai-Buffet, wo man unkompliziert und lecker essen kann 😋
An mir ist gerade ein tschechischer Speisewagen vorbeigefahren.
It‘s so European, I can’t take it!
Brückenzeit in #Rendsburg.
Jetzt muss ich an Kapitän Ingo Drewes und seine Henneke Rambow denken und habe die Musik von Penguin Cafe Orchestra im Ohr: https://youtube.com/watch?v=Sr1CF02GCEA
Schulausflug zu meiner Zeit:
„Wie viel Korn muss ich mir unter die Cola mischen, damit es richtig schön ballert aber ich mich nicht sofort übergeben muss?“
Schulausflug heute:
„Nee, sorry, ich kann leider am Wochenende nicht, weil am Mittwoch haben wir Test in Biologie und ich will unbedingt eine Eins schreiben damit ich eine Eins auf dem Zeugnis habe.“
Oh, dich gibts ja wirklich!
Schon ziemlich schick, muss ich sagen. Auslastung sah nicht so doll aus, gerade im Schlafwagen. Muss auf jeden Fall irgendwann mal getestet werden.
Und da ist mein Heim für die Nacht, der ÖBB Nightjet von Hamburg nach Zürich! Ich habe Glück, mein Liegewagen entpuppt sich als modernisierter „Liegewagen comfort“. Gefällt mir gut, sieht toll aus und scheint solide gearbeitet.
Am Hauptbahnhof steigen dann noch ein Schweizer Pärchen und ein Hamburger auf dem Weg ins Baskenland zu. Wir unterhalten uns über Reisen, Sprachen und den ganzen Rest bis uns die Augen zufallen. Sehr angenehme Reisebegleitung!
Und damit Gute Nacht für heute 😴
Schnelle Eindrücke von der Nacht im Liegewagen comfort ehe mir das Internet ausgeht.
Erstmal: Es sieht großartig aus und es macht absolut Freude in Mitteleuropa endlich in einem zeitgemäßen Nachtzug-Wagen fahren zu können! In der Praxis aber auch ein paar Schwächen.
- Die Betten sind bretthart. Muss man mögen. Ich komme damit klar.
- Es wurden keine Keycards ausgegeben und auch nicht darauf hingewiesen, dass man von innen zusperren muss. Unser Abteil war praktisch die ganze Nacht offen.
- Es gibt dieses moderne Bedienpanel. In der Praxis hatten wir aber das Gefühl, dass die Temperatur komplett random ist. Erst war es zu kalt, dann zu warm. Einmal roch das Abteil komplett nach verschmorter Bremse.
- Die Lüftung läuft permanent auf Hochtouren und lässt sich nicht regulieren. Wir sind alle etwas verschnupft aufgewacht und es ist dadurch auch recht laut.
- Es gibt nur einen dünnen Hüttenschlafsack, eine dünne Decke zum Drüberlegen und ein winziges Kissen. Da war man arg sparsam.
Mir wurde die Bettwäsche geklaut, über 2 Stunden vor dem Zielbahnhof. Der gemütliche Teil der Fahrt ist damit vorbei.
Schade, hier verschenken die ÖBB mit aus Reisendensicht nicht nachvollziehbaren organisatorischen Abläufen viel von dem großartigen Potential, das diese Wagen bieten.
Um kurz nach 10 Uhr pünktliche Ankunft in Zürich. Cool, mal wieder an so einer europäischen Eisenbahndrehscheibe zu sein!
Hier treffe ich @AufGleis13, der mir freundlicherweise die Dusche seiner WG zur Verfügung stellt (sehr nötig nach 1,5 Tagen auf Schiene) und mir eine Mini-Tour durch Zürichs S-Bahn-Netz gibt.
Und dann ist Zeit für das Hochamt: Mit @AufGleis13 fahre ich nach Basel und wir setzen uns direkt in den #Speisewagen. Endlich, endlich komme ich dazu, Gehacktes mit Hörnli und Apfelmus zu essen. Es schmeckt phantastisch, und auch das alkoholfreie Feldschlösschen dazu ist lecker 😋
Ping @diningcar