1/ Hier interessante Studie zu Gewalt, emotionaler Vernachlässigung, sexuellem Missbrauch in West und Ost. Was rauskam ist, dass #Gewalt und auch #sexuellerMissbrauch im Westen häufiger war. Die mir völlig einleuchtende Erklärung dafür ist, dass praktisch alle Männer und Frauen gearbeitet haben, weshalb alle Kinder in Kinderbetreuung waren. Die Prügelstrafe war in der DDR seit 1949 abgeschafft. Im Kindergarten oder in der Schule wären Kinder mit blauen Flecken oder Verletzungen aufgefallen und es hätte Ärger gegeben.

https://doi.org/10.1017/ S2045796021000585

Von diesem engen Netz sozialer Kontrolle kann man halten, was man will, aber in diesem Fall hat es sich positiv ausgewirkt.

Bei der Sache mit dem sexuellen Missbrauch spielte die #Gleichberechtigung zwischen Frau und Mann eine Rolle.

Die Studie wurde 2021 von der Mainstream-Presse ignoriert. Passt nicht so ins Bild von #Dunkeldeutschland. Und mehr sexueller Missbrauch wegen reaktionärem Frauenbild, ach, da schreibt man auch nicht so gern drüber.

#Osten #Westen #AnneRabe #DDR

@stefanmuelller Naja, meine Stiefmutter hat mich grün und blau geprügelt, im Sportunterricht ist das sichtbar gewesen. Es hat niemanden interessiert. Ich habe meine Kindheit in der DDR verbracht.

@Artula

Das ist eben der Unterschied zwischen anekdotischer Evidenz und empirischen Studien. Mit anekdotischer Evidenz kommen wir nicht weiter. Das haben wir ja schon bei der Diskussion über Sascha-Ilko Kowaltschuk gesehen, der aus behindertenfeindlichen Äußerungen, die er selbst erlebt hat, darauf geschlossen hat, dass die #DDR ein präfaschistischer Staat gewesen sei. Ich habe dann diverse Maßnahmen aufgeführt, die zeigten, dass die DDR Anstrengungen zur Integration unternommen hat. @peer und ich haben ebenfalls anekdotische Evidenz angeführt, die gegen eine #Behindertenfeindlichkeit sprechen:

https://so-isser-der-ossi.de/2023/07/12/mein-gott-walther-die-ddr-als-prae-faschistischer-post-faschistischer-und-faschistischer-staat-und-ueberhaupt/

Bei der empirischen Forschung werden große Zahlen von Menschen befragt und die sollten repräsentativ für eine relevante Bevölkerungsschicht sein. Dann kann man daraus Rückschlüsse ziehen.

Zum Beispiel gab es eine empirische Studie zu #Antisemitismus im #Osten und im #Westen. Antisemitische Ansichten waren laut einer Emnid-Umfrage im Westen 1990 zu 16% und im Osten zu 4% verbreitet.

Mein Gott, Walther! Die DDR als prä-faschistischer, post-faschistischer und faschistischer Staat und überhaupt. - So isser, der Ossi

Die­ser Blog-Post ist aus einer Mast­o­don-Dis­kus­si­on ent­stan­den. Weil sie so schön war, habe ich sie hier noch ein­mal ein biss­chen sor­tiert und für die Nach­welt archi­viert. Die­ser Bei­trag kann Spu­ren von Sar­kas­mus und sogar Wut enthalten. Die taz hat am … Weiterlesen →

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@stefanmuelller @peer Antisemitismus war in der DDR Staatsdoktrin. Israel gehörte zu den Staaten des BBKF. (Bitterböser Klassenfeind). Die Palästinenser waren Freunde, solange sie vorgeblich Interesse an der Einführung des Sozialismus hatten.

@Artula @peer

Tja, das ist leider zu kurz gedacht. Ja, Israel war im anderen Block (am Anfang sah es noch so aus, als wären sie im anderen Block). Aus Antikapitalismus folgt aber nicht Antisemitismus. Man kann den Staat durchaus ablehnen, ohne etwas gegen Juden zu haben. Eine lustige Episode, die das zeigt, ist, dass die DDR-Führung Yassir Arafat von einem jüdischen Mädchen in der Pionierrepublik hat begrüßen lassen.

https://so-isser-der-ossi.de/2023/11/07/ausstellung-ein-anderes-land-juedisch-in-der-ddr/

Marion Brasch hat ihn begrüßt. Die Braschs waren eine sehr bekannte Familie und Stasi und Politik wussten natürlich, dass das Juden waren. Das Jüdischsein spielte in der DDR keine große Rolle. Hier gibt es einen langen, langen Post über den Osten und den #Holocaust. Auch mit Dokumenten aus einer Ausstellung im Jüdischen Museum und Statements der Jüdin Daniela Dahn.

https://so-isser-der-ossi.de/2019/09/01/der-ossi-und-der-holocaust/

Ausstellung: „Ein anderes Land. Jüdisch in der DDR.“ - So isser, der Ossi

Ein Arti­kel in der taz über eine Aus­stel­lung im jüdi­schen Muse­um beginnt mit der Unter­über­schrift: „Jüdi­sche Lin­ke waren in der DDR will­kom­men. Obwohl sie ab 1933 vor den Nazis geflüch­tet waren, wur­den sie in der DDR bald anti­se­mi­tisch dis­kri­mi­niert.“ Die­se … Weiterlesen →

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@stefanmuelller @peer Ich war 2mal zu Aufklärungszwecken im KZ Buchenwald. Die geplante Vernichtung jüdischer Menschen wurde nicht thematisiert, nur die Verfolgung von Kommunisten und Angehörigen der sog. Brudervölker aus den späteren sozialistischen Staaten. Das Wort Holocaust ist nie im Geschichtsunterricht vorgekommen. Wenn das nicht antisemitisch ist, was dann.

@Artula
Hier muss ich mal zwischengrätschen.

Entweder reden wir von verschiedenen Dekaden oder Du warst z.B. auf einer Spezialschule in der DDR, was ich hier schon mehrmals als Theorie erwähnt habe, dass z.B. evtl. Leistungssportler:innen weniger Zeit für das Thema abbekamen.

Denn wir haben den Faschismus in allen Facetten durchdekliniert, einschließlich Holocaust. *Nichts* war neu davon nach der Wende.

Ein Indiz dafür ist z.B., dass es schwer war, den Begriff *weg* zu bekommen zugunsten des Wortes "Shoah". Warum sollte das ein Problem gewesen sein, wenn nicht durch die flächendeckende Omnipräsenz des Wortes "Holocaust "?

Ich war 1979-89 in der Schule.
Wann Du?

Reichskristallnacht?
Nackt unter Wölfen?
Professor Mamlock?

Random Quelle:
https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/w/files/pdfs/filmbroschuereinternet.pdf

@stefanmuelller @peer

@Artula
Wir haben z.B. gelernt, dass die Nazis Köpfe vermessen haben, um die Rassenlehre zu bestätigen. Ich erinnere das, weil ich schon damals verwirrt war, dass man eine Religion mit Rasse vermischt, also Äpfel mit Birnen vergleicht.

Oder der berühmte Judenstern. Schon alleine das wurde symbolisch durchdekliniert. Sag nicht, davon hättest Du erst nach der Wende gehört.

Wenn Du in Buchenwald zu Besuch warst, müsst ihr doch auch über andere KZs gesprochen haben. Du *musst* von Auschwitz gehört haben. Aber wie kann man das, ohne das mit Vernichtung der Juden in Verbindung zu bringen?

Sorry, aber ich bin ob dieser Behauptung, der Holocaust wäre in der DDR totgeschwiegen worden, immer wieder erneut fassungslos.

@stefanmuelller @peer

@steve @stefanmuelller @peer
Ich war von 1972 bis 1984 in der Schule. Erst POS, dann EOS. Natürlich wurde auch über die Verfolgung von Juden gesprochen. Aber die Gewichtung war immer so, dass Kommunisten und Angehörige der Arbeiterklasse als besonders betroffen dargestellt wurden.
Wir haben auch die erwähnten Bücher und Filme behandelt. Als Opfer galten Kommunisten. In Buchenwald wurde der Ermordung Ernst Thälmanns gedacht. Auschwitz wurde in Polen verordet.
@steve @stefanmuelller @peer In Auschwitz wurden Menschen aus Polen und der Sowjetunion vernichtet. Judentum wurde als eine von mehreren Religionen dargestellt. Und Religion war unerwünscht.
Wir haben auch die Vernichtung von Sinti und Roma thematisiert.
Mich hat an der Erinnerungskultur der BRD immer gestört, dass sie sich fast ausschließlich auf die Vernichtung der jüdischen Menschen bezog. Dass z. B. psychisch Kranke, Andersdenkende und einfach verleumdete Menschen kaum erwähnt werden.
@steve @stefanmuelller @peer Das größte Problem ist aus meiner Sicht, dass es sowas wie die 68er Bewegung in der DDR nicht gegeben hat. Außer ein paar Schauprozessen hat es keine Aufarbeitung der Nazivergangenheit gegeben. Weil Sozialismus per Definition antifaschistisch ist, musste sich niemand mit der individuellen Schuld in der Familie auseinandersetzen. Als ich einen Freund aus Polen hatte, hat mir meine Stiefmutter Rassenschande vorgeworfen.

@Artula

Frage zu den Schauprozessen in der DDR ...
Hat es in der DDR so etwas ähnliches gegeben wie die Auschwitzprozesse in der BRD (und Österreich)?

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Auschwitzprozesse

@steve @stefanmuelller @peer

Auschwitzprozesse – Wikipedia

@radife @steve @stefanmuelller @peer In einer Dokumentation zur Aufarbeitung der Naziverbrechen auf der Grundlage der Stasi-Akten habe ich von solchen Prozessen gehört. Die Richterin hatte den Spitznamen "rote Hilde" oder so. Sie waren im wesentlichen zu Propagandazwecken veranstaltet worden. Ich habe jetzt keinen Link oder so. War im sequenziellen ÖRR.
Von wegen Entnazifizierung: Nazi-Karrieren in der DDR

Am 27. Februar 1948 wurde die Entnazifizierung in der Sowjetischen Besatzungszone offiziell beendet. Es war ein Gründungsmythos der DDR, dass sie antifaschistisch und nazifrei war. Aber war sie das wirklich?

MDR

@steve

Ich habe als 1957 geborener natürlich keinerlei aktive Erinnerung an die Auschwitzprozesse,
aber später habe ich gelernt, welchen entscheidenden Einfluss diese Prozesse auf das Bewusstsein hatten, wie verbreitet die Unterstützung der Nationalsozialisten war...
bis zu den 68er, wo u.a. das Fortleben ehemaliger NS-Funktionäre in hohen Posten angeprangert wurde.

Demgegenüber wurde mir immer vermittelt, die DDR sehe sich Nazi-frei, waren alle drüben?!?

@Artula @stefanmuelller @peer

@radife @steve @Artula @peer

Nun ja. Wenn man als Nazi 12 Jahre gewirkt hatte und Menschen auf dem Gewissen hatte, wenn man Kommunisten verfolgt hatte und Sozialdemokraten, was würde man dann machen, wenn die Kommunisten kommen? Man würde doch wohl zu denen gehen, die sie am meisten hassen, oder? Das ist auch aufgegangen. Viele Nazis blieben bis zu ihrem Tod unbehelligt. Es ist nicht nur eine Mär. Ich habe mal nachgeguckt, was aus den Lagerkommandanten des KZs #Lichtenburg geworden ist, in dem mein Großonkel inhaftiert war:

https://so-isser-der-ossi.de/2024/02/25/nazis-im-westen-nazis-in-der-sed/

Alle (!) waren in den Westen gegangen.

Die ganz harten Nazis sind mit Hilfe der Kirche und der Amis (!!!) nach Argentinien geflohen. Die #Kirche hatte die Fluchtrute #Klosterlinie genannt. Die Amis tauften sie dann in #Rattenlinie um.

https://de.wikipedia.org/wiki/Rattenlinien

Kirche und Amis hatten eins gemeinsam: Sie hassten Kommunisten. Die Nazis konnten dann in Lateinamerika noch gute Dienste bei der Bekämpfung des #Kommunismus leisten.

Im Westen wurden sie auch gebraucht: Sie haben die #OrganisationGehlen aufgebaut.

https://de.wikipedia.org/wiki/Organisation_Gehlen

Heute bekannt als #BND.

Nazis im Westen, Nazis in der SED - So isser, der Ossi

Wäh­rend der Arbeit am Bei­trag Wei­te­re Kom­men­ta­re zu Anne Rabes Buch: Eine Mög­lich­keit aber kein Glück habe ich mir den Wiki­pe­dia-Ein­trag zum KZ Lich­ten­burg ange­se­hen. Mein Groß­on­kel war dort ein Jahr und neun Mona­te ein­ge­sperrt. Es gibt in Wiki­pe­dia Lis­ten mit … Weiterlesen →

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