Droht durch die H5N1-Vogelgrippe die nächste Pandemie? Ein Thread.
Die aktuelle Situation in den USA mit den Infektionen bei Milchkühen sieht ziemlich bedrohlich aus. Zumal aktuelle Daten aus Milch in Supermärkten auf sogar noch stärkere Verbreitung hindeuten als bisher bekannt.
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https://www.statnews.com/2024/04/25/h5n1-bird-flu-cows-outbreak-likely-widespread/
Early tests of H5N1 prevalence in milk suggest U.S. bird flu outbreak in cows is widespread
The prevalence of H5N1 genetic material in purchased milk products suggests the bird flu outbreak is far more widespread in cows than official counts indicate.
STATDas Grundproblem bei den infizierten Kühen ist gleich ein zweifaches. Zum einen erhöht die Ansteckung zwischen den Tieren die Chance, dass sich das Virus besser an Menschen anpasst. Und zum anderen macht der enge Kontakt zwischen Rindern und Menschen auch menschliche Fälle wahrscheinlicher. Deswegen hat sich die Pandemiegefahr drastisch erhöht.
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https://www.spektrum.de/news/was-die-uebertragung-von-h5n1-von-kuehen-auf-menschen-bedeutet/2212725
Vogelgrippe springt von Kuh auf Mensch über
Das Vogelgrippe-Virus H5N1 scheint sich bei Rindern in mehrfacher Hinsicht ungewöhnlich zu verhalten. Nun hat sich ein Mensch angesteckt. Das Ausmaß der Gefahr ist noch unklar.
Spektrum.deLeider wissen wir immer noch nicht, wie sich das Virus unter den Kühen verbreitet. Inzwischen kann man ausschließen, dass die Ansteckungen nur von außen, z.B. übers Futter passieren. Dazu ist der Ausbruch zu groß.
Die zentrale Frage hier ist, ob sich das Virus eigenständig unter den Rindern verbreiten kann, oder ob besondere Umstände hier viele Ansteckungen erzeugen, die normalerweise nicht passieren würden. Konkret: Aerosole, die "technisch" beim Melkbetrieb entstehen.
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Ärgerlich ist die bisherige Intransparenz über das Ausmaß des Ausbruchs. Gerüchteweise verbirgt die Industrie, wie weit das Virus verbreitet ist - was die Milchdaten zumindest stützen - und angeblich auch, in welchem Ausmaß Kühe sterben. Ist natürlich ein Standardvorwurf, aber ab von Schuldzuweisungen sind fehlende oder schlechte Daten ein echtes Problem.
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https://www.nytimes.com/2024/04/19/health/bird-flu-usda-cattle.html
Scientists Fault Federal Response to Bird Flu Outbreaks on Dairy Farms
Officials have shared little information, saying the outbreak was limited. But asymptomatic cows in North Carolina have changed the assessment.
The New York TimesDann ist natürlich unklar, wie groß die direkte Gefahr für Menschen ist. Es haben sich in den letzten Jahrzehnten einerseits hunderte Menschen mit H5N1 angesteckt. Andererseits ist die aktuelle H5N1-Variante namens 2.3.4.4b stark auf Vögel spezialisiert. Seit sie dominiert, ist die Zahl der infizierten Menschen drastisch gesunken, trotz ihrer enormen Verbreitung.
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Das legt nahe, dass sich 2.3.4.4b deutlich verändern muss, um sich unter Menschen auszubreiten. Zum Beispiel durch Rekombination mit einem menschlichen Grippevirus. Rinder kriegen aber keine menschliche Grippe. Deswegen sorgen sich jetzt alle um eine Übertragung von H5N1 auf Schweine, die stecken sich mit menschlicher und Vogelgrippe an.
Anpassung an Säugetiere sind in Schweinen beobachtet worden, das Virus scheint sich aber immerhin nicht unter ihnen zu verbreiten.
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https://www.biorxiv.org/content/10.1101/2023.12.13.571575v1.fullZusammengefasst: der Ausbruch unter Kühen ist ein massives Biosicherheitsproblem, vor allem, wenn man ihn nicht mehr in den Griff kriegen sollte. Angesichts der starken Verbreitung eine reale Möglichkeit. Erste Maßnahmen sind jetzt eingeleitet worden, man muss jetzt gucken, ob das ausreicht.
Die gute Nachricht: die Ansteckungsbarriere zu Menschen scheint bei diesen Viren derzeit noch sehr hoch zu sein. So lang sich das Virus nicht deutlich verändert, sind wir sicher.
Vielleicht jedenfalls.
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@Fischblog und plötzlich kommt einer wiedermal auf die idee mit einer kuh knutschen zu müssen und schon hamwa den salat
@zaldarionAlso ich schmus' schon mit meinen Kühen!
@Fischblog