Die Autor:innen Cristina Bellés-Obrero, Sergi Jiménez-Martín und Han Ye untersuchen eine spanische #Pensionsreform und ihren Effekt auf die #Sterblichkeitsrate. Das #PaperderWoche erklärt euch heute @sophieconomist. 1/
Im Jahr 1967 gab es in Spanien eine Pensionsreform, die das Alter für den vorzeitigen #Ruhestand veränderte. Das Alter für die #Frühpension wurde dadurch abhängig vom Datum gemacht, an dem Personen begonnen haben, in das Sozial- bzw. Pensionsversicherungssystem einzuzahlen. 2/
Personen, die vor dem 1. Jänner 1967 Beiträge zum Pensionssystem geleistet hatten, konnten bereits mit 60 Jahren eine #Pension beantragen. Jene, die erst nach dem Stichtag Beiträge eingezahlt hatten, konnten das erst mit 65 Jahren tun. 3/
Dieses Setting bietet für die Analyse mehrere Vorteile: 1) betrifft die Reform eine sehr breite Bevölkerung und 2) können die Arbeitnehmer:innen der Treatment-Gruppe (jene Personen, die erst nach Stichtag Beiträge gezahlt haben) über einen langen Zeithorizont beobachtet werden. 4/
Die Autor:innen nutzen dieses Setting, um zu analysieren, welche Auswirkungen diese Änderung für die betroffene Treatment-Gruppe (Pensionsantritt mit 65 Jahren) im Vergleich zur Kontroll-Gruppe hatte, die mit 60 Jahren noch früher in Pension gehen konnte. 5/
Die Autor:innen verwenden administrative Sozialversicherungsdaten für Spanien, die etwa 10 Prozent der Personen umfassen, die zwischen 1938 und 1949 geboren wurden und bis 2020 irgendwann im Sozialversicherungs-System registriert wurden. 6/
Die Ergebnisse zeigen, dass die Reform dazu geführt hat, dass Menschen etwa ein halbes Jahr später aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden als sonst. Die von der Reform Betroffenen haben aber auch seltener eine reguläre #Pension bezogen. 7/
Das bedeutet: Es wurden andere Wege genutzt, um früher aus dem #Arbeitsmarkt auszuscheiden, da die Möglichkeit für eine Pensionierung mit 60 Jahren nicht mehr gegeben war. 8/
Das wohl relevanteste Ergebnis: Die Verzögerung des Pensionseintritts erhöhte das #Sterberisiko zwischen 60 und 69 Jahren für fast alle Personen, besonders aber für diejenigen in niedrig qualifizierten und körperlich oder mental anstrengenden Berufen. 9/
Personen, die nach dem Stichtag 1967 zu zahlen begonnen haben und erst mit 65 in Pension können, haben eine um 2,5 Prozentpunkte höhere Wahrscheinlichkeit zu sterben, bevor sie überhaupt eine Pension beanspruchen können. 10/
Wenn das Erwerbsleben beispielsweise durch die Reform um ein Jahr verlängert wurde, besteht eine um 4,2 Prozentpunkte höhere Wahrscheinlichkeit im Alter von 60 bis 69 zu sterben. Das ist ein relativer Anstieg des Sterberisikos von etwa 43 Prozent. 11/
Der um ein Jahr spätere Arbeitsmarkt-Austritt erhöht das #Sterberisiko zwischen 60 und 69 Jahren um 5,7 Prozentpunkte für Personen in mental belastenden Jobs. Zudem ist das Sterberisiko höher für jene in körperlich anstrengenden Berufen mit hoher Anzahl an Arbeitsunfällen. 12/
Die Ergebnisse implizieren, dass die Anhebung des Pensionsantrittsalters die sozioökonomischen Unterschiede in der Lebenserwartung verschärfen kann – insbesondere, wenn man die unterschiedlichen Belastungen in gewissen Berufen und Branchen berücksichtigt. 13/
Das #PaperderWoche zeigt eindrücklich, dass mit einer Erhöhung des Antrittsalters massive Lebens- bzw. Pensions(zeitver)kürzungen für sozioökonomisch benachteiligte Personengruppen einhergehen. 14/