Artikel über die **Zusammenhänge zwischen Konversionstherapie an #queer -en Menschen und der fragwürdigen ABA 'Therapie' welche bei #Autismus angewandt wird**.

ABA steht für "Applied Behavioral Analysis" und soll bei Autist\*innen ein Verhalten hervorrufen, dass mehr den Bedürfnissen des neurotypischen Umfelds angepasst ist. Vertreter der ABA 'Therapie' werben damit, das "Leiden" von Autist\*innen zu reduzieren und ein selbstständiges Leben zu ermöglichen, sowie eine bessere Umgänglichkeit gegenüber neurotypischen Menschen.

Die Methode wurde wiederholt für ihren stark pathologisierenden Ansatz kritisiert, welcher Autismus als behandlungsbedürftiges Problem betrachtet ohne individuelle Bedürfnisse zu berücksichtigen. Dazu gehören Versuche, das eigenständige Verhalten von Autist*innen, wie das "Stimming", zu unterbinden, sowie das Ignorieren von autistischen Meltdowns. Diese kontroversen Praktiken haben dazu geführt, dass ABA von einigen Menschen mit Autismus als "autistische Konversionstherapie" bezeichnet wird, da sie versucht, autistisches Verhalten an gesellschaftliche Normen anzupassen, ähnlich wie es bei Konversionstherapien der Fall ist.

#Konversionstherapie, #AppliedBehavioralAnalysis, #ABA, #trauma, #Kindesmisshandlung, #LGBTQIAplus, #Pathologisierung, #Neurodivergenz, #PTBS

Jedoch erinnert diese Methode nicht nur in ihrem Vorgehen an Konversionstherapien, auch die Begründer, sowie deren pathologisierende Ansichten, sind zum großen Teil identisch.
Entwickelt wurde die ABA Methode u.a., von Ivar #Lovaas in den 1960er Jahren, welcher Autist\*innen nicht als vollständige Menschen betrachtete, und sich auf Grundlage dieser abwertenden Sichtweise für eine "Korrektur" von autistischem Verhalten einsetzte, wobei er auch vor inhumanen Praktiken nicht zurück schreckte.
Im Anschluss beteiligte sich Ivar Lovaas am "Feminine Boy Project" in den 1970er Jahren, wo er Interventionen zu geschlechts- und sexuell nichtkonformen Identitäten und Verhaltensweisen junger Menschen katalogisierte und entwickelte. Was heute auch als Grundlage für Konversionstherapien bekannt ist.

Während Konversionstherapie, an trans und nicht heterosexuellen Menschen, jedoch zum Glück bereits zu großen Teilen gesellschaftliche Ächtung erfahren. *Leider sind auch hier aktuell Rückschritte zu verzeichnen.* Wird ABA nach wie vor als vielversprechende Methode, insbesondere an autistischen Kindern, angeboten. Während die Methode lange Zeit in den USA verbreitet war, wird diese jedoch auch zunehmend in Europa und Deutschland angeboten.
In Werbespots und auf Anbieterseiten werden dazu meist Ängste gegenüber sozialer Ausgrenzung und zerstörten Familien geschürt, wobei gezielt auf die Verzweiflung der Eltern von autistischen Kindern angespielt wird. Mangels Unterstützung von autistischen Kindern und ihren Eltern, sowie fehlender Kenntnis im Umgang mit autistischen Kindern, hat sich dieses Vorgehen als ausgezeichnetes Geschäftsmodell bewährt.

Ich finde es wichtig auf die Verbindungen von ABA und Konversionstherapien, sowie deren traumatisierende und entmenschlichende Vorgehensweise, als auch den damit verbundenen stigmatisierenden Ansichten hinzuweisen.
Sowohl Konversionstherapien und die Methode der Angewandte Verhaltensanalyse bei Autismus sollten weiterhin stark kritisiert werden. Die gemeinsamen Hintergründe der Diskriminierung von queeren und neurodivergenten Menschen können dabei für ein besseres gegenseitiges Verständnis und stärkere Solidarität sorgen.

**"Disturbing Behaviors: Ole Ivar Lovaas and the Queer History of Autism Science"**
https://catalystjournal.org/index.php/catalyst/article/view/29579/23427

Artikel von:
Margaret F. Gibson und Patty Douglas

(Ich hatte meinen Kommentar zum Artikel Gestern bereits auf einem queeren Discord Kanal geteilt. Da ich nicht weiß wie Bekannt dieser Zusammenhang zwischen ABA und Konversionstherapien ist, war es mir wichtig, das mit möglichst vielen Leuten zu teilen. Deshalb hier nochmals der Repost.)

View of Disturbing Behaviours: Ole Ivar Lovaas and the Queer History of Autism Science | Catalyst: Feminism, Theory, Technoscience