So, jährliches "nie wieder" abgehakt.
Jetzt wird wieder beraten, wie man möglichst schnell und billig Geflüchtete in Ruanda zwischenparkt, damit sie da einfach verschinmeln bzw gar nicht erst kommen.

Das ist alles so obszön.

@rationalgarde denke gerade: das dilemma des gedenkens: auf der einen seite haben wir sowas wie das ddr-narrativ, daß die meisten irgendwie opfer (wenngleich teils verführte) des ns waren (die "polischen" irgendwie mehr und besser, aber zu den unterschieden kommen wir gleich), also das individuelle leid, das spezifische ziel hier unsichtbar wird.

also alles ist relativ (stimmt), also können wir alles relativieren (können wir, ist dann aber scheiße)

@rationalgarde auf der anderen seite dann das überspezifische gedenken: also identitätspolitisch motiviert manche gruppen ohne vertreter*innen - wie s.g. "asoziale", 175 galt weiter, homosexuelle saßen danach weiter ein - ignorieren. besonders gruselig fand ich, das ganze auf "die juden" zu reduzieren. ja, größte gruppe, ja, antisemitismus hatte für die ns-ideologie besondere bedeutung, aber das klingt dann so nach "also mit denen sich anzulegen war der fehler, sry"
@Odradek ja, nee, ja - to make a shoe draus: wo eliminatorischer A.S. um sich greift, da ist dann niemand mehr sicher

@rationalgarde stimmt, da ist ein wesentlicher unterschied zwischen der menschenverachtenden diktatur nebenan mit ihren paar morden und der entgrenzung, wie organisierung, die im nationalsozialismus zu beobachten war.

aber auch wenn antisemitismus ideologisch zentral war, bedenke mit wem sie angefangen haben - "aktion t4"

@Odradek

hab hier im Stadtteil 4 Stolpersteine, ein jüdischer Großborstler, einer der als 175er schwer misshandelt wurde in SantaFu und dann im Haftkrankenhaus starb und 2 Kinder, die ihren Müttern weggenommen, aus der evang. Stiftung Alsterdorf (bzw natürlich der Vorgängereinrichtung) dann in "Pflegeheime" kamen, bei 1 Kind ist Kindereuthanasie bewiesen, beim anderen ist es sehr sicher, wenn auch verschleiert in der Akte

@rationalgarde das ist doch intersektional :)

@Odradek

nach den letzten vier Wochen heißt doch intersektional "alles, außer jüdisch" scnr

@rationalgarde tjo, wäre hilfreich, wenn die leute mal ein wenig komplizierte theorie lesen, statt bewegungsmäßig zu conclusions zu jumpen, aber die jugend von heute …

wir hatten wenigstens noch adorniter-foucaultianer debatten, nicht nur obwohl, sondern weil die beiden häufig in ähnliche richtungen dachten …

@Odradek Problem, die Bewegungsleute schweigen über, befürworten, decken oder üben selber Gewalt aus - das ist dann eben kein "ärgern über" mehr mE zumindest für meinen Teil

@rationalgarde aber gerade das ist ja nichts neues. im gegenteil, die geschichte "der bewegung" ist einer der leute-unter-den-bus-werfen.

wie genau der bewegungszweig, der vorgab das kapiert zu haben, der antrat es besser zu machen in der praxis so ins gegenteil gekippt ist läßt mich ein wenig ratlos.

irgendwie ist das verhältnis von "basis" und "überbau" kaputt.

@rationalgarde meine these wäre: schlechte erfahrungen mit schönwetterrelativismus, die theorie im weiterentwickeln zu schnell gewechselt statt in die tiefe getrieben zu haben und halt der fokus auf "praxis/bewegung", wie es ebermann ja auch als übergang von adorno zu mao skizziert
@rationalgarde und wie du so schön angesprochen hattest: "schweigen ist gewalt" als "sei lieber uninformiert unserer meinung als mangels grundlage keiner" ist was schreckliches. schon alleine für mich als fan von methodologie und gedanken des skeptizismus …
@rationalgarde theorette dazu: eine politische theorie kommt natürlich nie in voller komplexität "unten" an. die meisten leute sind halt extrem blöd und tiefenhermeneutik ist auch eher ein schöngeistiges hobby. also wäre eher zu schauen: "wo sind die sollbruchstellen an denen die theorie aufplatzt", also welche art der verkürzung fliegt uns um die ohren.
@rationalgarde und ja, da wäre zu fragen, ob antiintellektualismus nicht teil des problems ist, zumal diese - von mir so erlebte - theorieverflachung sowohl als "hinwendung zu praxis/aktivismus" daherkommt, als auch häufig antisemitisch ist.

@Odradek

Anti-Intellektualismus spielt da auch eine Rolle (und da müsste man auch die Parameter neu einstellen: Anti-Intellektualismus finde ich bei promovierten Akademikern, während ich geistige Frische und Offenheit bei Leuten mit sog Ersten Schulabschluss/formerly known as Hauptschule finde)

@rationalgarde @Odradek Selten so viel wohlmeinden Paternalismus erlebt wie bei Diskussionen, in denen mir Leute erzählten, dass man Theorie so weit verkürzen muss, dass sie grottenfalsch wird, weil "die Arbeiterklasse" sie sonst nicht verstehen kann.
@dimllychlyngarw @rationalgarde campus, uni hamburg. zwei, die beide eine zeit als ohne festen wohnsitz verbracht haben, absurdeste scheißjobs gemacht haben und von stütze leben unterhalten sich nach einem vortrag von vroni kracher, daß ihre daten ja gut sind, aber da viel mehr theorie draufgeworfen werden müßte. kommt ein typ, der was nützliches (weiß gar nicht mehr ob wiwi, med oder ing) studiert von der seite und meint: "das ist zu kompliziert, damit überzeugt ihr doch nicht die arbeiter"

@dimllychlyngarw @rationalgarde ich verkneife mir mittlerweile selbst das ironische "check mal deine privilegien", aber … arrrg. zumal das halt auch wieder auf massenparadigma läuft, sich also eine homogene, möglichst von einer identität dominierte gruppe vorstellt, den rest als nebenwiderspruch am rande.

und die leute, die behaupten, leute "abholen" zu wollen, wollen die komischerweise immer genau da abholen wo die zufällig stehen.

@Odradek @dimllychlyngarw

"ich will nicht abgeholt werden, ich steh gerne einfach so an der Bushaltestelle" möchte man dazu sagen

@Odradek @dimllychlyngarw

bzw Abholen ok, aber ohne dass wer ein klares Ziel vorher weiß

was ich hiermit als "geistiges Cornern" einführen will 🚬

@rationalgarde @dimllychlyngarw nice, das hat potential. paßt auch zur "flaneursgerechten stadt"