Ich beginne den dritten Tag mit der Veranstaltung der Fachgruppe 1 (Staatliche Archive) #Archivtag23
Und schließlich stellen Nils Meyer, Mirjam Sprau und Dr. Michael Unger „Stand und Perspektiven des Themenportals '#Wiedergutmachung nationalsozialistischen Unrechts' im #ArchivportalD“ vor.
Das Portal ist entstanden heraus aus politischem Wille (Koalitionsvertrag 2021). In der zuständigen AG der KLA sind derzeit 9 Archivverwaltungen direkt beteiligt. Hauptaufgabe der AG ist die Bearbeitung der Grundlagen für das Projekt. Eine Vereinbarung zur Mitarbeit besteht derzeit mit BArch und Landesarchiven, die die Beteiligung der Kommunalarchive gibt es eine Absichtserklärung.
Für die Erschließung der zusammengeführten Archivalien gibt es klare Zielvorgaben:
➡️ intensive Erschließung
➡️ einheitliche Erschließung
➡️ Grundlage für weitreichende Recherchemöglichkeiten
➡️ Berücksichtigung von digitalisierten Primärdatwn, optimalerweise mit OCR

Perspektivisch sollen auch andere einschlägige Aktengruppen als Wiedergutmachungsakten bearbeitet werden können.

Es müssen noch rechtliche Aspekte geklärt werden, da noch schutzwürdige Unterlagen enthalten sind. Dadurch werden auch Voraussetzung für geschützte digitale Lesesäle geschaffen.

Die Bedeutung der Unterlagen ist immens - bspw. ist das Interesse auch auf Seiten Yad Vashems sehr groß. Eine Herausforderung sind auch noch nicht abgegebene Akten.

Das Portal wird keine Werbeplattform für die Bundesverwaltung, es soll auch deutlich gemacht werden, was im Zuge der Wiedergutmachung nicht gut gelaufen ist.

Zwei Sucheinstiege: Personen-/Facettensuche und Themen wie auch Provenienz.

Die Einzelfallakten sind relevant für

➡️ Familien- und Biographieforschung
➡️ Heimat- und Ortsgeschichtsforschung
➡️ Allgemeine Forschungsfragen (bestimmte Verfolgtengruppen, Unternehmensgeschichte, Emigrationsgeschichte, Provenienzforschung, ...)

Wie erschließen? Verschiedene Beteiligte haben teils sehr unterschiedliche Anforderungen an die Metadaten!

Ergebnis der AG:

➡️ Strukturiert vorliegende Metadaten zu Personen werden erfasst
➡️ Semi- und unstrukturiert vorliegende Metadaten werden nur erfasst, soweit leicht ermittelbar und soweit zur Recherche nach
Personen zielführend

Das heißt:
➡️ Namen, Lebensdaten, Beruf, Geburts-, Sterbe- und Wohnorte
➡️ Verfolgungsgründe
➡️ Verfolgungsschicksal (nur, wenn leicht ermittelbar)
➡️ Metadaten zum Verfahren selbst (nur, wenn für weitere Recherche zielführend)

Konkret enthalten können also sein:

• Status: verfolgt/Antragsteller
• Staatsangehörigkeiten
• Namen (Vorname, Nachname, weitere Namen, Titel)
• Berufe
• Verfolgungsgründe
• Lebensdaten
• Deportation, Inhaftierung, Anstaltsunterbringung
• Geschlecht
• Beziehung zur verfolgten Person
• Zwangsarbeit
• Institutionelle Antragssteller
• Zwangssterilisierung
• Orte (Geburtsort, Sterbeort, Wohnorte)
• Emigration

Nur die einheitliche Erschließung mit standardisierten Werten kann zu einer kohärenten Präsentation mit sinnvoll nutzbaren Filtern führen!

Für die Suche nach Personen gibt es eine einfache Suche (Name + Geburtsdatum) und eine erweiterte Suche (alle Felder, auch zur Suche nach Gruppen)

➡️ Kann das nicht auch der Computer machen? Ja, aaaaber!

Leider gibt es in der DDB und damit auch im Archivportal-D noch keine zufriedenstellende Lösung zur Bereitstellung größerer Datenmengen für Digital Humanities.

Eine große Frage ist die diskriminierende Sprache aus den Unterlagen. Mit Schlagworten aus GND-Normdaten kann hier zumindest der Wunsch nach Differenzierung gezeigt werden, wenn diskriminierende Begriffe auch zur Recherche nachgewiesen werden müssen.

@wobintosh Ich habe inzwischen eine kleine Sammlung von Screenshots mit stark diskriminierender Verzeichnung aus dem Archivportal-D. Da gibt es definitiv Handlungsbedarf.
@recordrebel Ganz sicher, und da ist es auch nicht das einzige. Je älter die Daten, desto schlimmer, wobei ich sowas auch schon bei Verzeichnungen aus dem 21. Jahrhundert gesehen habe.