Wie viel haben soziale Netzwerke dazu beigetragen, es ermöglicht, dass Personen als Expert*innen medial hofiert und propagiert werden, deren Expertise hauptsächlich darin besteht, sich gut inszenieren zu können und meinungsstark zu sein?
Eine wichtige Ergänzung an der Stelle: soziale Netzwerke haben auch dazu beigetragen, Fachwissen einer interessierten breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen, in einem Maß das früher nie möglich gewesen wäre. Zugang zu Elitewissen wurde dadurch deutlich einfacher. Das macht das Kernproblem und die Verantwortung nochmal deutlich macht: Bedingungen (Strukturen und Prozesse) im Journalismus, die diese mediale Entwicklung begünstigen.

Kleine Redaktion 1: Die Person hat viele Follower, muss was richtig machen. Außerdem erhalten wir durch sie mehr Reichweite, erschließen neue Netzwerke.

Mittelgroße Redaktion 2: Die Person war in Beiträgen bei Redaktion 1. Muss einigermaßen seriös sein. Außerdem erhalten wir durch sie mehr Reichweite, erschließen neue Netzwerke.

Große Redaktion 3: Die Person war schon in Beiträgen mehrerer Redaktionen. Sicher seriös. Außerdem erhalten wir durch sie mehr Reichweite, erschließen neue Netzwerke.

@dejanfreiburg Bist Du sicher, dass da so viel über Seriosität nachgedacht wird? Wichtiger IMO, dass Redaktionen über Social Media recht gut einschätzen können, wie sich die Person in der Debatte verhält und wie das bei welcher Gruppe rüberkommt.
@dejanfreiburg In meiner Erfahrung ist oft auch entscheidend, wie unkompliziert eine Person auf Medienanfragen reagiert (und wie bereit sie ist, auch zu Themen zu sprechen, zu denen sie keine Expertise hat).
Redaktionen geben sich die Unkomplizierten auch weiter, weil sie wenig Aufwand machen.
@dejanfreiburg Wer auf einer differenzierten Einordnung besteht, verweigert oft kurze Statements, besteht auf Beizug weiterer Fachpersonen etc.
@phwampfler Das wäre dann eine solide Maxime an (echte) Expert*innen, der man sich annehmen kann. Dass es aber keine Möglichkeit gibt (zumindest ist mir keine bekannt, vielleicht wissen andere da mehr), diesen medialen Zirkus zu durchbrechen, hinterlässt Ohnmacht und Unbehagen.
@dejanfreiburg @phwampfler Journalismus ist ein Handwerk. Man kann sich die Grundlagen aneignen und dann versuchen mit Argumenten die Ansichten einzelner Journalisten zu ändern, wenn man sie als fehlgeleitet empfindet.
@TimW Meiner Erfahrung nach ist das meist keine Folge von schlechtem Handwerk oder falschen Ansichten, sondern viel mehr ein strukturelles Problem (immer weniger Zeit, Geld, und Personal für immer mehr, günstigeren und schnelleren "Content"). @phwampfler
@dejanfreiburg @phwampfler Ja, das glaube ich auch. Der Journalismus muss damit umgehen, dass im alten System des Rundfunks und der Zeitungen immer weniger Geld steckt. Das bringt Unruhe und Verwerfungen mit sich.
Für Kampagnen leisten sich einige Reiche noch Medien. Ansonsten haben wir einen hochwertigen Zeitungsmarkt, der eigentlich in allen Nischen gut gefüllt ist und trotzdem immer kleiner wird.
@dejanfreiburg Die Erfindung der Talkshow als Unterhaltungsformat hat das schon davor massiv befördert.
@dejanfreiburg Sicher viel. Wobei man noch überlegen könnte, ob das spezifisch für diesen Personenschlag zählt oder einfach allgemein die Schwelle gesenkt wurde - das ist ja ganz eindeutig auch marginalisierten Personen zugute gekommen, die sich jetzt häufiger selbst vertreten können, statt auf kompetente Fremdvertretung hoffen zu müssen.

@dejanfreiburg Habe das Gefühl, soziale Medien und die „Aufmerksamkeitsökonomie“ des Internets (Klickzahlen - Werbung) haben den Journalismus allgemein stark verändert. Und nicht zum Guten.

Es wird einfach alles Mögliche rausgehauen (könnte, hätte, möglicherweise, behauptet, …) in der Erwartung, möglichst viele Aufrufe zu erzielen. Ggf wird dann später zurückgerudert, aber das nimmt dann schon keiner mehr wahr.

Vgl. auch die unterschiedl. Überschriften derselben Artikel online und im Print.

@dejanfreiburg Das ist wahrscheinlich nur schwer messbar. Der Journalismus ist halt irgendwann dazu übergegangen, auffällige Trends in sozialen Netzwerken mit Nachrichtenwert zu versehen.

Ich verstehe davon abgesehen nicht, warum z.B. Schauspieler*innen in Talkshows zu ihrer Meinung zu politischen, medizinischen etc. Themen gefragt werden.

@dejanfreiburg Mein Eindruck, der natürlich extrem von meinem persönlichen Informationskonsum geprägt ist, ist eher, dass es vor allem umgekehrt läuft. Wem die Tagesschau oder andere das Mikro hinhalten oder wer in Talkshows eine Bühne bekommt, der erhält in der Folge auf Social Media auch deutlich höhere Reichweiten. Wäre natürlich sehr interessant, wenn das jemand untersuchen würde.
@Ivo (Sehe das nicht als Gegenteil, sondern als eine zusätzliche Wirkung, dass die Pseudo-Expert*innen noch mehr als Expert*innen wahrgenommen werden, weil sie in der Tagesschau waren. Der Witz ist, dass sie durch die gleiche Wirkung irgendwann im Kleinen begonnen haben, um am Ende bei der Tagesschau zu landen.)

@dejanfreiburg 😂

Wer kennt sie nicht, d. #Follower Anzahl Reiter ?
Haben Hunderttausende ergebenste #FollowerInnen, m. einem Fingerschnipp kicken sie jede/n aus rein #Algorithmen- gesteuerten digitalen #Netzwerken raus. Passt ihnen jemand nicht, reicht ein "Befehl", 100 - 1500 Meldungen innerhalb kürzester Zeit, da wird d. Account zugemacht, egal ob berechtigt oder nicht.
So ein Spezialspezialist war der Erste, den ich im blauen Himmel geblockt habe.
Fängt mit Ali an u. hört mit U... auf.😂