Gestern in den Tagesthemen kam der Bericht über eine 8. Klasse, die als Schulfahrt bei den Landesforsten RLP eine Woche im Wald arbeiten.

„Ich glaube, den Wald fit zu machen hilft mehr als mich auf die Straße kleben!“, sagte eine Schülerin.
Konstruktiver Aktivismus, i love.

Seit 15 Jahren pflege ich ja auch das Konzept des konstruktiven Aktivismus. Er ist anstrengender, fordernder, weniger effekthaschend, dafür erfüllender und er bewirkt Schritt für Schritt. 1/2

Umso mehr habe ich mich gefreut, dass dieser Bericht es in die Hauptnachrichten schaffte.

Stellt euch mal vor, jeder von uns gibt eine Woche Zeit pro Jahr in ökologische Restrukturierung. Es wäre ein Wahnsinn an Wirkung. Lieber Aber wird lamentiert, gestritten, destruktiv angeprangert. Das ist, was viele von uns müde macht. Daraus zieht man keine Zufriedenheit. 2/2

@manomama

Ich bin das sehr bei Ihnen. Es ist viel schwerer aktiv für etwas zu sein, als einfach nur gegen etwas zu sein.

@die_christine @manomama Oftmals sind die Menschen, die aktiv gegen etwas sind aber auch aktiv für etwas. Das wird nur gern bewusst ausgeblendet. Gerade aktivistische Gruppierungen und Protestierende haben häufig Forderungen, die meistens sehr bedacht und in einigen Fällen sogar gut ausformuliert sind. Zwei Seiten der gleichen Münze.
@manomama ich halte konstruktiven oder lösungsorientierten Aktivismus auch sehr wichtig. Dennoch sorgen Aktionen der letzten Generation dafür, dass das Thema in den Medien bleibt. Auch wenn schlecht über sie berichtet wird, können Menschen zwischen LG und der Sache unterscheiden.
@manomama Es geht nicht um persönliche Zufriedenheit oder sich auf die Schulter zu klopfen.
Solange Konzerne unreguliert alles für Profite zerstören dürfen, verbessert sich gar nichts...ernsthaft, durch ein bisschen im Wald aufräumen? Das kannst Du nicht ernst meinen?

@manomama nein.

Ich würde wirklich gerne in einer Welt leben in der das funktionieren würde.

Aber selbst wenn 50% der Leute (und wenn wir ehrlich sind, sind es allerhöchstens 1%) ihre Freizeit vollständig opfern würden, würde das längst nicht ausreichen um das schlimmste Prozent der Umweltsünder auszugleichen.

Leute die hunderte Privatflüge pro Jahr, gerne auch alleine im Jet vornehmen und deren Firmen im Zweifel in einer Woche den Wald wegbaggern den Aktivisten jahrzehntelang anpflanzten.

@manomama damit meine ich nicht "Aktivismus funktioniert nicht"

Damit meine ich "Es braucht *AUCH* Aufmerksamkeit auf die wirklich schlimmen Ecken die ich als Privatperson nicht lösen kann"

@manomama „Konstruktiv statt destruktiv“ 😍

@manomama
Beides ist wichtig. Ohne das eine funktioniert das andere nicht. Einen Wald, der für eine Autobahn abgesägt wird für eine Autobahn, braucht mensch auch nicht pflegen. Den dadurch bedrohten Wald kann mensch aber besetzen.

Direkte Aktionen gegen die Zerstörung legitimieren sich selbst, im Gegensatz zu Straßenblockaden, aber wie protestiert mensch gegen realitätsfremde Politiker*innen, die die Verfassung brechen, damit die Zerstörung weiter gehen kann? Wie macht mensch die Bürger*innen darauf aufmerksam, dass hier sehr grober und gefährlicher Unfug getrieben wird?
Zum Beispiel, indem der Alltag unterbrochen wird. Und das funktioniert mit Straßenblockaden nun mal ziemlich gut.

@manomama

Solche Aktionen in allen Ehren, aber der Bericht hat es aus einem bestimmten Grund in die Normalitätssimulations-Nachrichten geschafft: Als Feigenblatt, um zu suggerieren, dass das ausreicht zur Umweltrettung. Und wir wissen doch alle genau, dass es nicht so ist, solang sich systemisch, am ungebremsten Wirtschaftswachstum und propagierter Ressourcenverschwendung nix ändert. Und dafür brauchen wir mindestens ne Öko-Revolution auf der Straße... (1/2)⬇️

@manomama Was passiert in den restlichen 51 Wochen des Jahres? Was macht das System während man selbst "renaturiert"? 🤔
@manomama Nein. Ein paar Bäumchen zu pflanzen oder Müll am Straßenrand einsammeln, mag lokal Symptombekämpfung sein. Aber Aktivismus im Sinne von Protest zielt darauf ab, die Ursachen zu beheben bzw. dies einzufordern.
Du kannst noch so viele Bäume pflanzen, wenn der Klimawandel nicht gestoppt wird, werden sie niemals groß werden.
Es sind Placebos.
@manomama lamentieren, streiten, anprangern ist bitter nötig. Es geht nicht ums persönliche "Feel good".
Destruktiv ist dieses unser Wirtschaftssystem, nicht die, die versuchen, Sand im Getriebe zu sein.

@manomama ich habe im Prinzip überhaupt nix dagegen, wenn Menschen Bäume pflanzen* oder Müll aufsammeln.
Aber die Dichotomie in "guten" und "schlechten" Aktivismus, wie von dir formuliert, lehne ich ab.

*die in einem intakten Ökosystem auch von ganz alleine wachsen würden

@manomama Nein, einfach nein. Über Hauptnachrichten den Menschen zu suggerieren, mit ein bisschen Bäume pflanzen und Müll aufsammeln könnte man die Apokalypse aufhalten, ist genau das, was wir NICHT brauchen. Schon jetzt ist die Verdrängung das größte Problem in dieser ganzen Krise. Die mit solchen Aktionen noch zu erleichtern, würde den Sargnagel in alles schlagen.

@manomama
Wie groß wäre denn der Effekt? Wieviel Klimagas würde dadurch eingespart?

Aus Bildungsgründen finde ich die Aktion durchaus sinnvoll. Aber die Klimakrise halten wir nur auf, wenn wir destruktiv sind. Nämlich destruktiv gegenüber denen, die unser Leben absichtlich verzocken.

@manomama In den 70ern, ich war ein Teenager, haben die Aktivisten in Gorleben dort den Wald nach einem Waldbrand wieder aufgeforstet.

Das hat mich mehr beeindruckt als jede Demo.