Habe seit ein paar Wochen ein Projekt, in dem ich versuche, die #Starkregen-Ereignisse von #Flashfloods und auch von stationären Wetterlagen aus DWD-Daten darzustellen und 'mir so selbst zu erklären, was ich nicht selber weiß'. #Tegtmeier
Ein Zwischenschritt ist, die Niederschlagssummen tageweise aufzuaddieren. Und der nächste Schritt: Charts einer einzelnen Station anzugucken und Muster darin zu erkennen.
Da bin ich grade. Genauer: in den Daten von Hohenpeißenberg, Bayern, auf 957m Höhe, weit ab vom Mikroklima einer Stadt. Dort hat 1879 jemand begonnen, Regendaten zu loggen.

Im Folgenden zeig ich 3 Charts und schreib ich auf, was ich bisher so daraus erkannt habe und was ich weiter untersuchen will.

1/

Im obersten Chart sieht man die monatlichen maximalen Regensummen in Hohenpeißenberg, Bayern,

von 3, 5, 10 und 15 aufeinanderfolgenden Tagen
von 1879 bis 20. April 2023, Omas und Führers Geburtstag. 😁

Die beiden unteren Charts splitten die Zeitreihe in 1879-1950 und 1951-2023. Um visuelle Inspektion leichter auf die #Starkregen-Extremereignisse fokussieren zu können, sitzt da eine Trennlinie bei 80mm Regenmenge. 80mm hab ich einfach so gewählt.

Und die Charts zeigen eine umgekehrte Y-Mengenachse, weil mir das mentale Fokussieren in einem Blick nach unten irgendwie leichter fällt, als im Blick nach oben, hinein in sowas wie eine offene Weite.

2/

Was kann ich erkennen? Was sollte ich also im weiteren Projektverlauf punktuell oder regional herausarbeiten?
Gelb und rot liegen so nah beieinander, dass rot kaum mal auszumachen ist. Also sind #Starkregen-Ereignisse hier keine Sachen von 5 Tagen sondern von höchstens 3 Tagen und danach ist erst mal Ruhe. Notable exceptions: zB der 200mm-Ausschlag vor 1899-11. In dem Monat hat es immer mehr und noch mehr stark geregnet und sich so regelmäßig auf 200mm am 15. Tag angesammelt. Ähnlich lief es beim 240mm Ausschlag vor 1949-11 und bei 300mm nach 1979-02. Aber sonst geht rot in gelb unter. Jedenfalls auf der Y-Achse mit diesem Höchstwert von 300mm. Aha.

3/ #Tegtmeier

Aber 3-Tage gelb und 10-Tage-Summen türkis scheinen immer zusammen aufzutreten, wobei türkis dem gelb noch mal gehörig einen draufsetzt. Gelb alleine gibts gar nicht, also 3 Tage Pladdern und dann mindestens 10 Tage Sonnenschein is nich in Hohenpeißenberg.

Aha! Muss ich aber verifizieren. Und dafür einen Grenzwert festsetzen: wieviel darf sich türkis im Vergleich zu gelb noch erhöhen, damit ich sagen kann: das war ein kurzes Stark-Ereignis und keine wiederkehrende und persistente Wetterlage wie zB der Event in #Braunsbach 2016 eine war?
Der Event war übrigens Anlass für Stefan @rahmstorf Blogeintrag zu Starkregen und Gewittern gewesen, den er jeden Sommer mehrfach auf Twitter postet, zuerst wohl in 2017 : https://nitter.net/rahmstorf/status/880827570161430534#m

4/

Prof. Stefan Rahmstorf 🌏 🦣 (@rahmstorf)

scilogs.spektrum.de/klimalou…

Nitter

Und der Event ist auch Anlass dafür, dass ich Hohenpeißenberg gewählt hab. Denn das war beim #Braunsbach Event 2016 im ersten Daten-Sichten die Station mit dem höchsten Wert.

Ich hab natürlich die Monatssummen jedes Intervalls von 2 bis 15 Tage und würde zum Verifzieren der vermuteten Regel, dass die meisten Starkregen aus solchen festgeklebten Wetterlagen stammen, die Summen von 2 Tagen und 10 Tagen ins Verhältnis setzen, nicht 3 und 10 Tage. Aber auch nicht 1 und 10. Denn es regnet ja auch über Mitternacht hinaus - wie im Ahrtal 2021 zB (schrecklich: nachts!) - und dann wäre die 1-Tagessumme nicht hoch genug, um eventuelle noch zu defnierende, andere Grenzwerte zu erreichen und so Muster herauszufinden.

Hm. Grenzwertdefinition ist schwierig, so unbeleckt wie ich bin...wenn ich den falsch wähle, steck ich viel Zeit in Aufbereitung und seh dann gar nix, verwerfe die Idee dann enttäuscht ohne zu wissen, dass ich mit anderem Grenzwert was entdeckt haben könnte. Passiert mir quasi ständig, dass ich über Nichtwissen stolpere ohne das aber zu wissen, und dann aufhöre zu gucken. Bis 1 Jahr später oder so manchmal ein AHA-Moment von janz woandersher kommt und ich neu ansetze.

/6

Was seh ich noch? Türkis und grau könnte ich analog gelb und türkis vergleichen. Da gibt es große Unterschiede. Mal geben sich türkis und grau gar nix, und mal schwillt grau noch mal tüchtig über türkis hinaus. Vll gibt es da ja eine Entwicklung zu erkennen in die eine oder andere Richtung von Häufigkeit oder Stärke?
Braunsbach war diesbezüglich nicht besonders, finde ich. Sieht aus, als ob nach 10 Tagen Ruhe war.
Allerdings...

7/

Allerdings hat sich #Starkregen in dem Sommer in mehreren Monaten wiederholt, was genaues Erkennen des einen Events hier unmöglich macht.
Aber die mehrmonatige Wiederholung starken Regens 2016 war eine interessante Ausnahme. Sehe ich daran, dass der Bereich über der Trennlinie für ungefähr 1mm Breite weiß ist und nicht gelb. So breites weiß über der Trennlinie gibt es in Hohenpeißenberg selten. Auch das lohnt sich zu analysieren. Aber das erst nach ähnlicher Sichtung einer anderen Station im Westen Deutschlands, ob die auch selten weiße Bereiche über der Trennlinie hat. Köln Stammheim vielleicht. Die Station berichtet seit 1902 glaubich und war im Juli 2021 bei Bernd ganz vorn im Rennen.
Ahja. Also weißen Bereich analysieren: das Fehlen von (Stark)Regensummen von weniger als 80mm / 3 Tagen.
When it rains it pours, sagen die Engländer. Gibts auf Deutsch kein Äquivalent zu, nicht? Vielleicht weil es in Schland so wenige Sommer wie 2016 gibt.
Und in England dafür ständig?
8/

Was seh ich noch?
Weil ich kürzlich gelernt hab, dass die europäische Luftverschmutzung das Afrikanische Regenband in den 70ern und 80er Jahren nach Süden verschoben und dadurch Dürren und permanent Hungersnöte verursacht hat, hatte ich vermutet, auch in den Stationsdaten eine Wirtschaftswunder-Regenzeit zu erkennen, die nach den Gesetzen wegen sauren Regens wieder aufhört. Ob mehr oder weniger Regen hatte mich interessiert. Aber wenn ich hier so gucke, ist kein Wirtschaftswunder zu erkennen. Die großen Ausschläge zwischen 1954 und 1999 würd ich nicht dafür heranziehen, sondern die Mittelstufe betrachten. Und die bleibt seit 1955 gleich, ohne Zu- oder Abnahme. Jedenfalls hier so, in dieser Darstellung.
Nicht wahr?

9/

Trotzdem: Wirtschaftswunder-Starkregen will ich auf Zahlenebene auch angucken. Geht aber später nur punktuell, weil die meisten Stationen erst seit 1950 berichten – also nicht regional, was ich ja überhaupt auch noch vorhab: das, was ich dann punktuell erkannt zu haben glaube, in geografischen 1°x1°-Quadranten zu anzugucken. Irgendwie.

10/

Seh ich noch was?
Ach so, ja. In anderen Charts hab ich die monatlichen Balken für die Intervalle in Jahresdurchschnittslinien übersetzt und gesehen, dass die Regensumme im 3-Tagesintervall seit 1879 um 10mm oder so gestiegen ist. Das sieht man hier nicht, weil ich hier auf einzelne Ereignissmonate gucke und die Y-Achse darum so groß ist. Die Zunahme in der Starkregenmenge folgt aber natürlich der Erwartung. 10mm ist bloß n bisschen klein, was mich überrascht hat. Aber was ich da angeguckt hatte, waren Durchschnitte und Durchschnitte sind halt nicht gleichzusetzen mit tatsächlichen Extrem-Events. Auch nicht die Durchschnitte der Extrem-Events.

Solche Kurven sind zu ... zu... zu wenig illustrierend bezüglich dessen, was sich am Boden dabei abspielt und welche Risiken sich daraus ergeben. Jedenfalls wird mein Laien-Mind von Ø in falscher Sicherheit gewiegt. Darum zeig ich das jetzt hier auch nicht.

Dazu möcht ich auch noch eine Darstellungsweise finden, genau. Zunahme der Regenmenge in Starkregenereignissen seit 1879 – aber ohne die falsche Sicherheit einfacher Durschnittslinien. Anomalie könnte ich dafür probieren, falls mir nix anderes einfällt. Die Intervalle der Monate als Monats-Anomalie im Vergleich zu .. ja... zu was? 1879- 1910? Das geht doch nich... viel zu geringe Ausschläge in den Jahrzehnten. Vll war's da auch besonders kalt, oder? So mit 1883 Krakatau Eruption und so, und darum hats weniger oft stark geregnet?

Dann vll 1920-1950. Ja, das nehm ich dann als Basis für die Anomalie. Ist immernoch vor dem Wirtschaftswunder und vor menschgemachter Erhitzung. Und ein paar andere Stationen quer durch Schland mit Regendaten 1920-1950 gibt es auch.
Das ist jedenfalls eine gute Wahl, mit der ich nicht im ergebnislosen Niemandsland von Nichtwissen lande.

12/

Was man hier auch nicht sieht, und was ich schon in nem anderen Chart gesehen hab: Starkregenereignisse haben sich auf Monatsebene geändert. Im August war es glaub ich, da regnets zB heute weniger oft stark in Hohenpeißenberg als früher. Also Monate auch angucken! Aber das dürfte sich ja zusammen mit den Anomalien erledigen. 🤔

Cool. Ein gutes #Tegtmeier-Projekt. Nützliche Ideen für die nächsten Wochen, wenn ich wieder nachts nicht schlafen kann.
Freu mich im Ernst schon n bisschen auf Stationen aus meiner alten Heimat, wo ich noch Wetterkenntnis aus eigenem Erleben habe. Köln-Stammheim zB. auch. Das gibt dem Projekt doch einen emotionalen Kick aus ganz anderer Ecke.

13/e tbc

#Starkregen #Wetter
#Flashflood #Weather

What you see is what you get 😁 : a screen-recording of scrolling through the thumbnails of 1500 images.
The images cover August days 1920 to 2022 in Germany on a 1° by 1° grid. Shown is daily rain as percentage of a square's all-time maximum rain in August.
I averaged the days on 2 days so each row of 15 images equals 1 year's August.

Scrolling through such thumbnails is my current way of getting an impression of the various points of interest in precipitation data. I do it slower, tho 😁

Images generated in Panoply app https://www.giss.nasa.gov/tools/panoply/
based on data hosted by German met service DWD https://cdc.dwd.de/portal/202209231028/mapview #opendata
https://opendata.dwd.de/climate_environment/CDC/observations_germany/climate/daily/kl/

14/

NASA GISS: Panoply 5 netCDF, HDF and GRIB Data Viewer