“Nieder mit Hitler!” Diese Worte pinselte die 14-jährige Jüdin Eva Mamlok 1933 auf das Dach des #Hertie-Kaufhauses am Halleschen Tor in #Berlin.

Mamlok, geboren am 6. Mai 1918, lebte mit ihrer Mutter Martha und ihrer Schwester Hilde in der Neuenburgerstr. 3 (heute Neuenburgerstr. 1) in Berlin #Kreuzberg. Mamlok war Mitglied der Sozialistischen Arbeiterjugend SAJ, die nach der Machtübernahme der Nazis 1933 verboten wurde.

Die junge Jüdin wandte sich offen gegen das nationalsozialistische Regime und verewigte ihre Abneigung 1933 auf dem Dach des Hertie-Kaufhauses. Sie wurde verhaftet. Weil sie so jung war, kam sie jedoch nach wenigen Tagen wieder frei.

Am 24. November 1934 legte Mamlok Blumen an den Gräbern von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht nieder. Sie wurde noch vor Ort festgenommen und ins Konzentrationslager #Moringen geschickt.

Dessen Direktor Hugo Krack empörte sich so über ihre offene Ablehnung des Systems, dass er Mamloks “Schutzhaft” auf ein halbes Jahr ausweitete. Nach der Haft scharte sie eine Gruppe gleichgesinnter Mädchen aus dem Bund Deutsch-Jüdischer Jugend um sich, darunter Inge Gerson-Berner und Inge Levinson. Laut Historikerin Marion A. Kaplan war es die einzige jüdische Widerstandsgruppe, die ausschließlich aus Frauen bestand. Sie druckten und verteilten Anti-Nazi- und Anti-Kriegs-Flugblätter.

Offenbar bekam Mamlok 1937 eine uneheliche Tochter von ihrem Freund Peter Siemsen. Siemsen wanderte nach Argentinien aus; Mamloks Mutter und Schwester halfen ihr, das Kind zu versorgen.

Mamlok und ihre Freundinnen mussten ab 1939 Zwangsarbeit in der Schraubenfabrik F Butzke am #Moritzplatz leisten. 1941 wurde die Gruppe denunziert und wegen “Zersetzung der Wehrkraft des deutschen Volkes” vor Gericht gestellt. Die Mitglieder wurden zum Tode verurteilt, die Urteile dann in KZ-Haft umgewandelt.

Eva Mamlok wurde am 13. Januar 1942 mit einem “Osttransport” ins #GhettoRiga deportiert und dortigen Arbeitskommandos zugeteilt. Im Oktober 1944 wurde sie ins Konzentrationslager #Stutthof deportiert und dort am 23.12.1944 ermordet.

Ein ganz großes Dankeschön an Nicolas Basse für die Bereitstellung der Fotos.

#frauenimwiderstand

Vor ihrem einstigen Wohnhaus erinnert seit 2011 ein Stolperstein an Eva Mamlok. Über das Schicksal ihrer Mutter, Schwester und Tochter ist nichts weiter bekannt.

Quellen: https://taz.de/Erinnerung-an-eine-Heldin/!233317/
https://www.stolpersteine-berlin.de/de/neuenburger-str/1/eva-mamlok
Marion A. Kaplan: “Between Dignity and Despair: Jewish Life in Nazi Germany”
Kim Wünschmann: “Before Aufschwitz: Jewish Prisoners in the Prewar Concentration Camps”
Gertrude Schneider: “The Unfinished Road: Jewish Survivors of Latvia Look Back”

Erinnerung an eine Heldin

GEDENKEN Widerstand: In Kreuzberg wird ein Stolperstein für Eva Mamlok gelegt

@herstorypod Danke für diese Informationen. Warum wird eigentlich Stauffenberg immer noch geehrt, aber von Helden wie Eva Mamlok wird nie offen erzählt?
@MartinTriker Das eine muss das andere ja nicht ausschließen. Aber ich gebe dir Recht, dass Personen wie Eva Mamlok als Widerständige viel zu unbekannt sind