Als die Männer, die wir Gastarbeiter nannten, ihre Familien holten, war ich in der Grundschule.
In die Wohnung neben uns zog eine türkische Familie mit zwei Mädchen. In eine Wohnung im Nachbarhaus eine griechische Familie mit zwei Jungs und schräg gegenüber eine italienische Familie mit zwei kleinen Mädchen.
Auf unserem Schulgelände wurde der hintere Schulhof eingezäunt und Baracken errichtet. Dort unterrichteten Lehrer aus den Herkunftsländern die Kinder.
Wir durften uns nicht einmal in |1🧵

der Nähe des Zauns aufhalten. Die Erwachsenen erzählten allerlei Schauergeschichten. Die Ausländerkinder hätten Ungeziefer und Krankheiten und alle ein Messer in der Tasche, das ihr ungestümes südländischen Temperament, sie wohl häufig benutzen ließ.
Wir Arbeiterkinder lernten das schnell besser...

Aber die Menschenfeindlichkeit im Deutschland der Nazigroßväter, hatte Dimensionen, die man sich heute kaum vorstellen kann und das ist im Angesicht der Äußerungen von #CDU und #FDP von gestern |2🧵

gestern natürlich extrem frustrierend.

Die erste Generation bestand aus fleißigen, genügsamen, strebsamen und gesetzestreuen Menschen.

Das straft die Behauptungen der Rechten, ihr Hass und ihre Verachtung sei ja nicht anlasslos, sondern eine Reaktion auf Verhalten, als die Lügen, die sie sind.
Es gab keinen Anlass außer dem Deutschtum.

Niemand widersprach rassistischen Slurs im Deutschland der Biafra-Witze. All das ließ mich früh zu der Überzeugung gelangen, dass die Problemkultur |3🧵

nicht eingewandert ist, sondern eingewachsen.
Eine geschlossene Gesellschaft, schlecht entnazifiziert, voller Dünkel und einer Gastfreundschaft für die man sich schämen muss.
@Johann_v_d_Bron In meiner kleinen Stadt (Neheim - HSK) lief's besser, zumindest in meiner "Blase". Es wurde ein Verein gegründet (http://www.dies-internationalis.de/), in dem sich viele Gemeindebereiche engagierten- Bücherei, Kirche, Schulen, Sportvereine..... Es gab Feste, Nachhilfe für Kinder, Sprachunterricht für alle. Meine ganze Familie war dort involviert.
🤗
DIES INTERNATIONALIS

Dies Internationalis in Arnsberg-Neheim

@Johann_v_d_Bron Als Kind einer Einwandererfamilie, kann ich mich noch gut an viel offenen & verdeckten Rassismus erinnern. Nur, muss man auch anmerken, dass Deutschland da nicht allein ist.
Das größte Problem für eine Gesellschaft sehe ich allerdings nicht in einer tendenziellen Ablehnung d. Fremden, sondern in der Durchlässigkeit ihrer Strukturen um Fremdes aufzunehmen. Und da ist Deutschland, zusammen mit Ländern wie Japan, absolut im Keller. Oder anders: man hat kaum Chancen in Deutschland.
@Johann_v_d_Bron Stichwort Biafra-Witze - ich erinnere mich gut, wie Erwachsene mit einem „fröhlichen Grinsen“ im Gesicht sagten, wenn ein dunkelhäutiger Mensch die Straße entlangging: „Guck mal, da laufen unsere Steuergelder!“
Und das ist schon ein paar Tage her, ich war da noch Kind.
Es ist erschreckend, dass sich so eine Art zu denken immer noch nicht geändert hat. … (1/2)
@Johann_v_d_Bron Und bei Kindern prägen sich solche Sätze oft als Glaubenssätze ein. Hat ja ein Erwachsener gesagt, dann stimmt das. So wird Rassismus weitergetragen. Bei so mancher/manchem geht er später nicht mehr weg, weil man dran arbeiten muss, wenn man mit solchen Sätzen groß wird. (2/2)