Dass Chat-GPT einen Großteil der Aufgaben von Schüler*innen spielend lösen kann, sagt nicht nur viel über die Entwicklung von Maschinellem Lernen, sondern mindestens genauso viel über die Aufgabenkultur an Schulen in Deutschland. Aufgaben sind zu wenig komplex, erfordern zu selten authentische Auseinandersetzung und Kreativität. #FediLZ

@bildungsluecken Was ChatGPT und zu erwartende stärkere AIs für Bildung bedeuten, ist DIE fundamentale Frage. AIs können (vor-) lesen, schreiben, übersetzen, rechnen. Wollen wir uns noch anstrengen, das zu lernen? Jetzt sehen wir, dass AIs komplexere Aufgaben lösen können. Wollen wir uns noch anstrengen, das zu lernen? Die Aufgabenkultur an Universitäten (z. B. bei mir in Übungen und Klausuren) lässt ebenfalls (oft oder hin und wieder - da bin ich nicht sicher) Lösungen mit ChatGPT zu. Ist das schlecht?

Ich verstehe die von mir gestellten (Übungs-) Aufgaben als Training für den Muskel Gehirn: Änderungen der Proteinstrukturen erfordern Übung und Wiederholung - beim Muskel Bizeps ist das allen klar. Nun liefert ChatGPT bei den von mir getesteten informatiknahen Aufgaben ausreichende bis sehr gute Ergebnisse. Da liegt es doch nahe, bei nahender Abgabefrist oder allgemeinem Zeitmangel auf die anstrengende Übung zu verzichten und stattdessen eine GPT-Antwort abzugeben, oder? Mündigkeit?

#chatgpt #bildung

@lechten Wichtig erscheint mir, neu darüber nachzudenken, welche Muskeln wir genau trainieren wollen. Aus meiner Sicht sind das eher Aufgaben, die auch künftig genuin menschlich sein werden und bei denen dann Chat GPT ein erlaubtes Hilfsmittel unter vielen ist.

@bildungsluecken Bei mir gibt es viele unbeaufsichtigt zu lösende Aufgaben. Solange ich nicht kontrollieren kann, ob #chatGPT eingesetzt wurde, erübrigt sich die Frage, ob das unerlaubt ist.

Gibt es Wege, um mentale Muskeln zu identifizieren, die wir angesichts von KI wie #chatGPT verstärkt oder gar nicht mehr benötigen? Für Lernmotivation wäre das hilfreich.

Ich glaube (!), dass in meinem Studium die Vorbereitungen zu (mündlichen) Mathematikprüfungen mein Denken nachhaltig positiv beeinflusst haben, auch wenn ich das Gelernte längst vergessen habe. In den Prüfungen ging es übrigens im Wesentlichen (nur) um Reproduktion. (Dazu passt Werner Heisenberg: „Bildung ist das, was übrig bleibt, wenn man alles vergessen hat, was man gelernt hat.“)

Das kann ich aber keinen Studierenden erklären, die meine Aufgaben zu anstrengend finden und „Praxisrelevanz“ vermissen...

#Bildung #Lernen

@lechten Allein, dass wir an Schule und Universität noch einmal neu über die Sinnhaftigkeit von Aufgaben und Prüfungsformaten nachdenken - und mit Schüler*innen und Studierenden darüber ins Gespräch kommen - wäre aus meiner Sicht schon ein Gewinn.