Ich habe mich in den letzten Jahren intensiv mit Beziehungsstörungen zwischen Eltern und Kindern beschäftigt: Machtkämpfe, Respektlosigkeit, Schweigen, gegenseitige Vorwürfe, Hilflosigkeit bis hin zum Gefühl, die Familie sei "gescheitert".

Hierzu können wir hier auf Mastodon gern ins Gespräch kommen. Habt ihr Fragen, eigene Erlebnisse, die ihr hier teilen wollt oder Anmerkungen zu diesen schwierigen Themen?

@kjpgehrden
Nicht direkt, nein. Aber ich möchte darauf hinweisen, dass der "Eltern" Subreddit auch eine gute Unterstützung, vor allem für Elternteile, die gerade Schwierigkeiten haben, ist und die dort Aktiven durchaus auch sehr mitfühlend und aufbauend schreiben.

Beispiel: https://www.reddit.com/r/Eltern/comments/yt3k3q/ich_kann_nicht_mehr_und_mir_hilft_keiner

Ich kann nicht mehr und mir hilft keiner

Zum Intro die Situation heute morgen: Sekundus (7) spielt mit einem Übernachtungsgast (9) noch im Schlafanzug ein Gesellschaftsspiel. Primus (9)...

reddit
@ndlhlz Danke für den Hinweis, den Subreddit schaue ich mir unbedingt an!
@kjpgehrden wichtiges Thema. Was ich mich spontan frage: wann ist eine Familie denn „gescheitert“ bzw. was ist schlimm daran? Reicht es nicht ggf., sich mit den einzelnen Mitgliedern irgendwie verständigen zu können? Und: welche Familie ist denn „wichtiger“ (Blut oder Heirat etc)?
@karin_jacob Familie sind die Menschen, die wir selbst als Familie definieren. Das Konzept "Blut" darf verlassen werden. Es gibt viele Eltern, die mit ihren Kindern nicht blutsverwandt sind. Und Partner sind sowie nicht blutsverwandt und trotzdem sehr Familie.
@karin_jacob Wann eine Familie gescheitert ist, lässt sich nicht definieren. Was viel wichtiger ist: Wie sehr bestimmen Ängste, dass die Familie scheitern könnte oder die Beziehungen kaputt gehen könnten, das eigene Fühlen und Handeln?
@kjpgehrden schwierig für mich ist v.a., dass ich „Scheitern“ völlig anders definiere als andere Familienmitglieder. Bin somit irgendwie das schwarze Schaf, das „die Familie kaputt“ macht, weil ich mich gegen „du musst aber …“ zur Wehr setze
@kjpgehrden Keine Fragen, gespannt auf Infotoots :) Ich nehme an, es geht im neuen Buch auch viel darum - dazu hätte ich eine Frage, wenn du sie beantworten magst: Richtet sich das Buch speziell an Eltern oder gehts auch für (kinderlose) Erwachsene, die diese Be_Verfremdung mit Eltern haben/hatten?
@kjpgehrden …ich hab mal recherchiert zum Thema: wenn Traumata vererbt werden… danach hab ich gedacht: was für ein „Wunder“, dass überhaupt noch was klappt in unserer Gesellschaft

@petronella @kjpgehrden

Transgenerationale Prozesse sind generell ein riesiges Ding, über das noch zu wenig geredet wird.

Ich kann in manchen Familien in meiner Umgebung die Auswirkungen von bestimmten Störungen über vier Generationen zeigen. In meiner weiß ich es nur von drei Generationen - nur ist auch dann schon klar, dass sowas nicht (selten, Ausnahmen sind Kriege) "vom Himmel fällt".

#Transgenerational #Familie #Störung #Generation

@kjpgehrden In deutschen Schulen gibt es fatalerweise kein Fach "sozialeKomptenz"!!

@zahnmedizynischesForum @kjpgehrden

Es wird zumindest an der Grundschule hier sehr viel darüber geredet und das auch gelebt; "Streitschlichter", eine sehr angesehene Rolle mit Bewerbungen und Ausbildung, sind zum Beispiel omnipräsent (und haben kaum zu tun).

#Streitschlichter #Grundschule

@kjpgehrden
Ich habe Ihr Buch verschlungen. Was mich wirklich erstaunt hat war, wie viel ich für mein eigenes "inneres Kind" mitnehmen konnte und nun besser verstehen kann. Was das damals war, was schwierig lief in eigener Kindheit. Und was man besser machen möchte.
Eine sehr gelungenene Veranschaulichung war für mich, inwiefern man manche Regeln/Forderungen auch bei einem fremden Kind so durchziehen würde. Dieser scheinbar einfache Perspektivwechsel war/ist ein echtes Aha-Erlebnis.

@Kaddi Vielen Dank! Ja, das war ja auch meine Absicht beim Schreiben: dass wir nicht nur unsere eigenen Kinder besser verstehen, sondern auch das Kind, das wir selbst vielleicht einmal gewesen waren.

In der Perspektive "Wie würde ich mein Kind behandeln, wenn es das Kind anderer Eltern wäre" steckt oft eine erstaunlich einfache Lösung.

@kjpgehrden Eskalation während Pubertät K1, Gespräche kaum möglich. Gemeinsame Sitzungen bei Therapeutin klärten auf: was sage ich, warum sage ich es, wie kommt es bei dem anderen an. Viel Zeit genommen, viele Tränen, offen über Gefühle gesprochen. Gemeinsam Spiele gespielt, 3 Tage mit K1 allein weggefahren und fokussiert. Ging gut aus, war aber hart für alle. Lektion für uns war: stets im konstruktiven Gespräch bleiben, Perspektivwechsel, Kind Halt geben, Liebe zeigen.
@Lotharsdottir Was hat dir besonders dabei geholfen, diese Lösungen zu finden?
@kjpgehrden Getrieben von Verzweiflung bei allen Beteiligten und Sorge von Angehörigen, Hilfe bei Seelsorgehotline gesucht. Situation geschildert, nach einigen Gesprächen Hinweis zu Therapie erhalten. K1 hat es gehasst, aber heute Einsicht, dass kaum anderer Ausweg bestand. Schulwechsel war auch hilfreich. Und Änderung des eigenen Mindsets.
@kjpgehrden Ja, bei uns läuft das meist in so Wellen ab.
@kjpgehrden meine Mutter erträgt Schweigen zwischen ihren Kindern nicht. Meiner Meinung nach ist ihr Verhalten uns als Individuen und gesamte "Schar" (von 4 Kindern) gegenüber maßgeblich für die Misstöne verantwortlich. Ich weiß gerade nicht, wie es den anderen geht, vom Umzug der einen habe ich über meine Oma erfahren. Und dennoch fehlt mir nichts von ihnen. Oder von meiner Mutter.
@kjpgehrden @madame_huhn Das kenne ich genau so. Ich möchte noch nicht darüber schreiben, aber erstmal tut es gut zu lesen, dass auch andere Menschen solche Erfahrungen haben.
@IPhelblues @kjpgehrden danke für die Rückmeldung! Ich bin immer wieder erstaunt, wie wenig die Isolation von damals nachwirken kann, weil ich heute mehr Möglichkeiten zum Austausch habe und auch nutze. Wäre wohl mit 16 ausgezogen, wenn ich das Netzwerk gehabt hätte.

@kjpgehrden Was kann ADHS bei 1 Kind und 1 Elternteil mit dem Rest der Familie anstellen?

K2 ADHS diagnostiziert. Ich Verdacht auf ADHS.
Massive Konflikte zwischen K1 und K2 zur Zeit. Ich nicht in der Lage zu vermitteln. Stehe (auch aus anderen Gründen) vor dem Scherbenhaufen einer Überlastungsdepression.

Problem: K1 schon lange massive Schulängste & beginnt jetzt auch Anzeichen einer Depression zu zeigen.

Was tun, bis Therapieplatz gefunden? Die Familie zereibt sich an ADHS

@kjpgehrden ich finde den häufig in familiengerichtlichen Verfahren aufkommenden Fälle der starken Parentifizierung im Kind-Eltern-Verhältnis bemerkenswert. Diese teils enorme Verantwortungsübernahme der ganz Kleinen gegenüber den ganz Großen.
@gerechtGericht Wie reagiert man als Richter darauf? Meine Erfahrung ist: Auch wenn es deutlich in der Luft liegt, lässt sich schwer schwarz auf weiß fassen und läuft einfach weiter.
@kjpgehrden je nach dem, wie stark die Ausprägungen sind, muss man da tatsächlich gutachterlich dran und zumindest überprüfen lassen, ob eine SPFH oder gar eine Tagesgruppe erforderlich sind, um die Eltern zu verselbstständigen und die Kinder zu schützen. Aber grenzwertig schwieig ist es oft.
@gerechtGericht @kjpgehrden da wird den Kindern ganz schön was aufgeladen. Solche Muster sind schwer wieder los zu werden
@kjpgehrden Fanke dafür! Ich habe rüde gerne das Verhältnis zu meiner Mutter verbessern. Sie hat mich in meiner Jugend nicht gut unterstützt sondern emotional ausgenutzt. Sie hat nie meine Not gesehen, aber ich musste für sie da sein.
@kjpgehrden schön sie/dich hier zu lesen. Unsere kleine Familie kommt gut zurecht, es ist aber ein stetiger Prozess...ich lese gerne bei dir/ihnen mit.
@Ally #gernperDu - solange sich keine Praxissituation ergibt. Da ist etwas Abstand besser.
@kjpgehrden ich habe gottseidank eine sehr gute Beziehung zu meinen Kindern. Ich habe aber auch Zeit für sie. Ich wüsste nicht, wie mir eine gute Beziehung gelingen könnte, wenn ich weniger Zeit hätte.
Die gesellschaftliche Tendenz geht allerdings dahin, betreuende Elternteile immer früher in Vollzeitjobs zu stecken.
Mich erschreckt das.
@kjpgehrden
Ich denke da an die ersten Jahre mit Kind(ern). K1 ist sehr willensstark und ich hatte gelernt, dass strikt konsequente Erziehung wichtig ist. Wir haben uns so sehr in Machtkämpfe verstrickt, dass die Beziehung bröckelte. "Auf dem Papier" war mein Leben so wie ich es mir erträumt hatte und ich habe mich mit zunehmender Verzweiflung gefragt, warum wir nicht glücklich waren. Bis ich umgelernt habe...💞 Hab dazu neulich dieses Bsp aufgeschrieben:
https://norden.social/@Jule_H_K/109331003514113928
Jule H. Käßler (@[email protected])

Nachdem ich in den letzten Tagen aufgrund von Erlebnissen wieder verstärkt drüber nachgedacht habe, teile ich mit euch im folgenden Faden mal meine Erfahrungen zum gleichwertigen Umgang mit Kindern anhand eines kleinen Beispiels. ⬇️

norden.social

@kjpgehrden

Ich hatte bis vor kurzem einen inneren Auftrag, meine (Herkunfts)Familie zu heilen. Seit ich die Verantwortung dorthin zurück mgebe, wo sie hingehört, geht es mir viel besser. Meinen Eltern nicht unbedingt, aber immerhin haben wir nach vielen Jahren wieder persönlichen Kontakt - sogar alle vier. Was ich mir über 30 Jahre lang gewünscht habe (zu viert am Tisch sitzen), ist im Sommer tatsächlich in Erfüllung gegangen.

@Alwaysjustme dazu kann ich nur gratulieren. Es geht ja oft nicht nur um Verantwortung, sondern auch um Schuldgefühlen: dafür, die eigenen Eltern nicht geheilt oder die Geschwister nicht gerettet zu haben.

Sich von dieser Schuld zu befreien und in erster Linie für sich selbst leben zu dürfen, kann der Beginn eines ganz neuen Lebens sein ...

@kjpgehrden stimmt. Auch wenn ich das bisher nicht auf dem Schirm hatte. Meine Grenzen klar zu ziehen, nicht für jedes Verhalten immer eine Entschuldigung finden, tut mir gut. Ich stehe mit beiden Beinen auf der Erde. Traumatherapie sei Dank. Es war ein langer Weg, der sich gelohnt hat.
@kjpgehrden Ich habe Jahrzehnte als Psychotherapeutin in der Elternarbeit gearbeitet? Die Probleme haben sich in den letzten 20 Jahren verändert. Eltern sind hilfloser, Kinder sind respektloser geworden. Es wuchs die erste Generation heran, die bereits in ganz jungen Jahren ihren Eltern in vielen Dingen überlegen war. Eine interessant, aber nicht einfache Entwicklung. Der Generationenkonflikt hat mich gerade dazu gebracht, eine Buchserie zu schreiben. Das ging nur mit Humor🥴
@kjpgehrden ich beschäftige mich seit einigen Jahren mit Ahnenforschung in meiner Familie und da sind auch Dinge zutage gekommen... Schwierige Umstände, Eltern die so mit sich selbst, Kriegstraumata und auch Armut beschäftigt waren... Und eigentlich immer haben die Kinder dies ihren Eltern später lange übel genommen und sprechen mit Enttäuschung und Unverständnis darüber. Für mich war es sehr wichtig, zu verstehen (nicht zwangsläufig zu verzeihen) was früher so los war, um Ruhe zu finden.
@uschilise Ja, das ist wichtig. Wobei auch das Verstehen der vorherigen Generationen - selbst das Verzeihen! - nicht bedeuten muss, dass man wieder eine Familie sein kann, finde ich.