Das sog. Deutschlandticket kommt und es soll einen "Digitalisierungsschub" bringen. Nun, willkommen zu einer weiteren Episode von technische Lösungen an der falschen Stelle.
DPA

BERLIN (dpa-AFX) -Das Deutschlandticket im Nah- und Regionalverkehr zum Preis von 49 Euro im Monat soll nach den Worten von Bundesverkehrsminister Volker Wissing so schnell wie möglich eingeführt werden. Ziel sei ein Start zum Jahreswechsel, sagte Wissing am Mittwoch in Berlin. Bund und Länder hätten sich zu finanziellen Fragen geeinigt. Es seien Vorarbeiten für das Ticket geleistet worden, aber noch Fragen zu beantworten.

Handelsblatt
Das 9-Euro-Ticket hatte eine ungewöhnlich hohe Convenience in der Benutzung: Ticket für den Monat buchen, aus dem Automaten ziehen oder in einer Verkehrsverbund-App ziehen, gut.
Das Deutschlandticket geht im vermeintlichen Ziel von "höher Bequemlichkeit" in ein digitales Abo-Modell. Das klingt für die klassische digitale hippe Zielgruppe super.
Ist aber per se erst mal wieder exklusiv, weil digital basiert (ob es ein Ticket am Automaten gibt, ist noch unklar) und es bindet Menschen an eher komplizierte Systeme zur Abrechnung und Weiterverteilung. Vor allem hat es weit mehr Metadaten.
Nun ist der Gedanke, mit den Metadaten aus dem Deutschlandticket noch irgendwas sinnvolles machen zu können, vermeintlich interessant, nur ist es eher wenig hilfreich, weil es die Niederschwelligkeit des Angebots nimmt.
Aber irgendwer wird wieder irgendne fancy Technik verkaufen können, wie das digitale Deutschlandticket via Smartphone fälschungssicher funktionieren soll und mit irgendwas mit Tracking auch noch magisch Verkehrsdaten erzeugt.
(Dieser Thread hat etwas Delay, weil ich den im Nahverkehr schreiben musste, willkommen in der Welt von EDGE, kein Witz)
Nur ist die eigentliche Frage, was der technologische Overhead in dem Kontext bringt?
Es ließe sich argumentieren, dass es möglicherweise genauere Abrechnungen ermöglicht, weil ja schneller Daten vorliegen über Abos.

Eventuell geht man auch so weit, dass das Deutschlandticket bei Kontrollen auch noch Möglichkeiten zur Analyse einbaut.

All das ist aber im Sinne von "wir brauchen eine funktionale Verkehrsinfrastruktur als Basisinfrastruktur in sinnvoll gemeinschaftlichen bezahlt" relativ sinnfrei.

Denn Infrastruktur wie der ÖPNV hat grundlegende Betriebskosten, die sich anhand der Nutzung nur minimal verändern, Daten zur generellen Nutzung sind da nur abstrakt hilfreich und nicht individuell auf eine Einzelperson runter.

Also gibt es eigentlich keinen Daten-Usecase für ein Deutschlandticket.

Außer du willst einen konstruieren.

Es gibt auch wenig User Experience Convenience-Gewinn.
Die automatische Verlängerung vielleicht, aber, die technologische Hürde wird dadurch einfach hoch.

Kurzum: so ganz erschließt sich mir der technologische Overhead nicht.

Digitalisierung ist ein Tool, das Dinge vereinfachen soll. Es ist kein Tool, dass zusätzliche Hürden zementieren soll.

@bkastl Tja, meine simple Vermutung/Befürchtung zur dahinterstehenden Denkweise:
"es ist modern (= 'digital')" genau dann, wenn "es hat eine App" ... (Nein, da kommt jetzt nicht noch mehr.)
😒
@bkastl Doppelstrukturen analog/digital bei Tickets kosten. Ich denke, es ist das Ziel, mittelfristig gar keine analogen Tickets mehr zu verkaufen. Das Problem ist dabei imho weniger, dass die Digitalisierung auch in diesem Bereich vorangetrieben wird, sondern wie. Wir haben als Gesellschaft immer noch keine Strategie entwickelt, wie wir Menschen auf diesem Transformationsprozess gut begleiten können. In anderen Ländern, gäbe es die Kritik an einem rein digitalen Ticket nicht.
@chrvanell @bkastl Ein guter Anfang, um die Menschen mitzunehmen, wäre die digitalen Lösungen so zu konzipieren, dass sie einen Mehrwert (für die Nutzer) bieten.
Ich geh jetzt mal davon aus, dass „digital“ hier „als App“ meint. Dann ist das für ein Flatrate-Ticket aus meiner Sicht kein Mehrwert, weil dein Smartphone dann quasi nur ein sehr umständliches Display für einen Aztec-Code ist und man mit der App sonst nix machen kann. Gerade bei langen Fahrten in Regionalbahnen finde ich es aber z.B. immer nervig drauf zu achten, dass mein Akku nicht leerlaufen darf. Und je nach Implementierung braucht das am Ende noch Internet unterwegs.
Was ich mir da aber gut als digitale Lösung vorstellen könnte, wäre ein Plastikkärtchen mit RFID o.Ä. wie in einigen Metros üblich (evtl. in Form einer neuen BahnCard). Das hätte dann auch den Mehrwert, dass man die Karte wieder aufladen kann und könnte sogar für bestimmte nutzungsbasierte Ticketmodelle genutzt werden. Hat dann auch den Komfort, nicht auf Akku angewiesen zu sein.
@spinF @bkastl Digital heißt ja nicht unbedingt eine App-Variante. Dazu wissen wir einfach noch nichts. Ich sehe das im Grunde wie du. Eine Chipkarte, die man zugeschickt bekommt, wäre eine gute Lösung.

@chrvanell Hoffen wir es mal. Meine Befürchtung wäre eben, dass hierzulande aus der Ansage „digital“ dann eine „(Web-)App“ gemacht wird.

Besonders wenn die Karte per Post verschickt würde, kann ich mir schon vorstellen, wie viele sagen würden „und das soll jetzt digital sein?“. Kann mich noch gut erinnern, wie die Kommentare ausgefallen sind, als das digitale Impfzertifikat per Post auf Papier verschickt wurde.

Vielen Menschen ist nicht bewusst, dass so auch digitale Angebote aussehen können. Und wenn sie „digital“ sagen, meinen sie in der Regel eher Apps. Vermutlich ist das auch bei einigen Entscheider*innen für dieses Ticket ähnlich.

Bin jedenfalls gespannt und hoffe in jedem Fall, dass in erster Linie eine sinnvolle Lösung gefunden wird.

@chrvanell @bkastl Hab gerade einen Artikel gefunden, in dem davon geschrieben wird, dass es sowohl in Apps der Verkehrsunternehmen verfügbar sein wird, als auch in Form einer Plastikkarte vertrieben wird 🎉:
https://www.kreiszeitung.de/politik/49-euro-ticket-kommt-ice-gueltigkeit-abo-die-antworten-auf-draengende-fragen-91891355.html
49-Euro-Ticket kommt: ICE, Gültigkeit, Abo – die Antworten auf drängende Fragen

Bund und Länder haben sich doch noch auf die Finanzierung verständigt: Das 49-Euro-Ticket kommt. Was wissen wir bisher zu der vergünstigten Monatskarte?

@chrvanell

In anderen Ländern gibt es sicher auch Menschen wie meine Mutter(86), die ohne meine Hilfe mit ihrem Smartphone nur telefonieren kann.

Nix SMS, nix Bilder, nix Update und kein Mehr-Click-Ticketmanagement wie zB bei der VBN App.

Was ist mit Touristys, wenig Sprachkenntnis, Menschen ohne Smartphone oder ohne Geld dafür?

Was ist, wenn das zentrale Lebens-Zugangs-Gerät Smartphone mal "weg" ist? Kaputt, geklaut, Akku leer?

Also irgendeine analoge Form muss es mE geben.

@bkastl

@jaddy @bkastl Das 49€-Ticket ist bewusst kein Touristenticket. Davon ab: Steht denn irgendwo, dass es das Ticket nur per App geben soll? Wir werden sehen, wie es konkret umgesetzt wird, aber, und da bin ich sehr sicher, es wird nicht nur per App verfügbar, aber evtl. nur digital und ggf. in Kundencentern zu bestellen sein.

@chrvanell

"Rein digital" wurde bisher immer als "App" berichtet.

Angeblich hat BMDV gestern getwittert, dass es auch als Chipkarte verkauft wird (Handelsblatt). Ich hab den Tweet aber nicht gefunden.

Chipkarte wäre aber etwas, was auch meine Mutter könnte.

Die Frage bleibt, warum hier mehr digitalisiert werden soll als nötig. "Kosten" gilt nicht angesichts der immensen, unerklärlichen Summen für staatliche Digitalprojekte.

Das "Schönes Wochenende" Ticket geht ja auch offline.

@bkastl

@bkastl es ist der selbe Digitalminister, der mit Verkehrpolitik meint “Digitalpolitik” machen zu können, der als Verkehrsminister leider 0 Verkehrspolitik macht.
@bkastl Ich bewundere Dich dafür, wie diplomatisch Du den Blockchain-Seitenhieb umschrieben hast 😁
@bkastl Pass mal auf, dass du hier nicht die Luca App Leutz auf eine Idee bringst...
@bkastl bestimmt was mit Blo**chain
@bkastl du meinst so was wie die luca app?