(Dies ist eine ursprünglich auf Twitter am 6.8.2018 veröffentlichte Text-Bild-Wanderung. Die erste in einer seither weitergeführten Reihe. Sie erscheint hier im Originalwortlaut mit minimalen redaktionellen Eingriffen.)

So, letzter Urlaubstag, gemütlich mit Kaffee im Bett,
Erinnerungen noch frisch, Familie noch in Berlin - Zeit für
einen Longread bzw. -guck für die liebe
FollowerInnenschaft zu meiner #Sudeten-Wanderung.
#WotNysyDoNisy

Vorbemerkung 1: Unterwegs war ich vom 31.7. - 5.8.2018 von der Neiße/Nysa bei
#Ostritz zur Nisa/Neiße bei #Kłodzko. Hauptfortbewegungsmittel sollten meine Füße
und ergänzend immer wieder die Bahn sein. Kein Auto. Niemals. #WotNysyDoNisy

Vorbemerkung 2: Ich war insgesamt 5 Tage im Schnitt von 8-19 Uhr auf den
Beinen. Trotzdem ist die Strecke in dieser Zeit mit einem Tagesschnitt zwischen
25 - 30km wandernd nicht machbar. Dafür sollte man 7-8 Tage einplanen.

Vorbemerkung 3: Wer auf der Karte mitgucken will, hier ein paar zentrale
Wegpunkte: Krzewina Zgorzelecka - Černousy - Nové Město pod Smrkem -
Smrk/Tafelfichte - Szklarska Poręba - Sobieszów - Kowary - Lubawka - Adršpach
- Broumov - Kudowa-Zdrój - Kłodzko. #WotNysyDoNisy

Zunächts mal ganz gemütlich aus meinem kleinen westsudetischen oberlausitzer
Vorgebirgstal rüber zu unserem Bahnhof. Božemje, liebe Pappelallee. Ich wünsch
Dir Regen. #WotNysyDoNisy
Pommritz/Pomorcy, mein lieber Bedarfshalt und Tor zur großen Welt, unten am
Rand der sarmatischen Ebene. #WotNysyDoNisy
Und hinüber geht es zur Neiße. #WotNysyDoNisy
Und da ist sie schon, die Lausitzer Neiße. Links ist #Ostritz und gleich am Fluß das "Hotel Neißeblick", das ein moralisch bankrotter Hesse aus Biblis derzeit zu einem
Nazi-Festivalgelände aufbaut. Rechts liegt der nun polnische Bahnhof von Ostritz.
So ist das. #WotNysyDoNisy
Gott ist auf den #Sudetenwegen auch immer da. Beruhigend. #WotNysyDoNisy
Wenn man mal nett ist, attestiert man der polnischen #Oberlausitz, diesem
unglaublich vergessen wirkenden Landstrich zwischen den Welten, einfach mal "ruppigen Charme". Wie hier in #Lutogniewice. #WotNysyDoNisy
Und überall über den trockenen lausitzer Fluren die Landeskrone. Und nach 5km
ist man plötzlich im Böhmischen. #WotNysyDoNisy
#Sudetenwege. Und da hinten schaut der Smrk/die Tafelfichte herüber. Da will ich
heute hin. #WotNysyDoNisa
Ja, ich habe als Bohemist da einen Bias: Aber im Böhmischen wird es irgendwie
immer gleich pittoresk. Z.B. gleich im ersten Dorf, in #Andělka, wo man zudem
durch einen mir unglaublich sympathischen Ziegenbock begrüßt wird. #Pivo
#WotNysyDoNisy
Dann aber auch gleich wieder Gott, der Smrk und die #Sudetenwege.
#WotNysyDoNisy
Das hier war mal das Dörfchen Wiese an der Smědá/Wittig. Und nein, ich mache
mich nicht lustig. Ich finde das sehr anrührend und unglaublich charmant.
#WotNysyDoNisy
Bei der Umbenennung nach 1945 wurde aus dem im malerischen Flußtal
liegenden Wiese dann kurzerhand Ves. Was schlicht Dorf heißt und den
@lauterbautzner bestimmt sehr freut. #Sudetenwege #WotNysyDoNisy
Klar hält in #Černousy der Zug. Denn wir sind hier im Gelobten Land, wo man das
Geld nicht in die Umasphaltierung von platt gemachten Nebenbahnen in Radwege steckt, sonder diese lieber saniert und Züge fahren lässt. Shout outs an
@schienenstrang und @jaroslavrudis. #WotNysyDoNisy
Und die Zugbegleiterin hat mich sogar mit meinen Euromünzen zahlen lassen.
Děkují! #WotNysyDoNisy
Umstiegspause in #Frýdlant. Gulasch, Knödel und Gambrinius im Bahnhofsrestaurant. FICK DICH, deutscher Autofetisch! FICK DICH, deutsche
Bahnreform! FICK DICH, deutsche Verkehrspolitik! #WotNysyDoNisy
Warum überhaupt da weg? Warum sollte man irgendwo anders sein wollen, als im
Bahnhofsrestaurant von Frýdlant? Überhaupt außerhalb von Frýdlant? Raffte mich
dann doch auf und nahm den Zug hinauf nach Nové Město, über dem der Smrk
fies in der Hitze thronte. #WotNysyDoNisy
Zu meinem Aufstieg auf den Smrk/die Tafelfichte möchte ich nur sagen: Es war
ein beschissener, anstrengender, sich ewig hinziehender, mieser
Nordhangaufstieg. Kilometer des Hasses und der Agonie. #WotNysyDoNisy
Oben vom Turm dann die waldigen, langsam gesundenden Weiten des in den 1980ern vom Sauren Regen noch in eine Apocalypse verwandelten Isergebirges.
Und ein langer Tag, der in sich zusammenfällt. #WotNysyDoNisy
Nebenan auf dem Stóg Izerski/Heufuder, wieder in Polen, war in der Baude zwar
irgendwie nur Notbetrieb. Aber ich bekam ein Zimmerchen. Mit meinem Abendbrot und etwas leichter Lektüre ging es auf die Therasse mit ihrem
sagenhaften Weitblick. Dobru nóc. #WotNysyDoNisy
Dobre ranje! Mit leerem Bauch (wir erinnern uns: Notbetrieb) ging es durch den Tann des Isergebirges über die #Sudetenwege weiter ostwärts. #WotNysyDoNisy
Doch in dessen Mitte liegen die sumpfigen Quellwiesen der Jizera/Isera/Iser und
bis zur Vertreibung stand da mal Groß Iser/Izerska Hala und in dessen erhalten
gebliebenen alten Schule ist heute eine polnische Wanderhütte und das ist der
schönste Ort überhaupt. #WotNysyDoNisy
Und überall solche Bächlein, zum aus ihnen trinken und ihr Wasser mit sich nehmen. Und daneben noch diese Brücke, unter der ein Troll wohnt, mit dem ich mich etwas über den betrüblichen Niedergang seines Berufsbildes in Zeiten der Sozialen Netzwerke unterhielt. #WotNysyDoNisy
Nachmittags öffnet sich der Blick vom stillen #Isergebirge hinüber zum #Riesengebirge, das ja eher ein Angeber ist. Dazwischen im Tal Szklarska Poręba, eine raumgreifende Kakophonie aus Sommerfrischearchitektur der letzten 200 Jahre mit einem Ausspracheproblem. #WotNysyDoNysi
Darüber musste ich länger nachdenken. #WotNysyDoNisy
Ein Vorteile davon, auf Twitter im Vorfeld seine Urlaubspläne bekannt zu geben, ist, dass man dann spontan Einladungen von an der Wegstrecke urlaubernden
Followerinnen erhält. Danke an @hungerherz und ihre Familie für die Aufnahme und den Schlafplatz mit Blick!! #WotNysyDoNisy
Tag 3 begann zur Abwechslung mal wieder mit einer Zugfahrt. Von Szklarska Poręba ging es an den Gebirgsfuß hinab nach #Sobieszów. #WotNysyDoNisy
Klar bin ich hier dann hoch zur Burgruine Kynast gestiegen. Schon, um mir mal die
heutige Wegstrecke durchs Riesengebirgsvorland von oben anzuschauen. Da hinten, das ist der Landeshuter Kamm, in dessen Schatten #Kowary liegt, das Tagesziel. #WotNysyDoNisy
#Sudetenwege am Rand des Hirschberger Tals. #WotNysyDoNisy
An dieser Stelle ist es Zeit, die lebensrettenste Institution solch eines Unterfangens in den polnischen Sudeten zu würdigen: Den sklep. Hier mal
stellvertretend der von #Podgórzyn. Über die da erworbene und fast ganz verzehrte Wurst möchte ich nicht sprechen. #WotNysyDoNisy
"Mir doch egal ob diese Wixer mit ihrem verfluchten EU-Geld hier einen Bürgersteig durchs Dorf ziehen, Gott der Herr möge sie alle strafen!" #Podgórzyn.
#WotNysyDoNisy
"Goar keenor will meine guten jabki nie hobn!" Auf Polnisch, in tiefer Entrüstung, vor ihrem Haus in #Podgórzyn, hockend über zwei Augustäpfeleimern. Ich erbot mich, vier zu nehmen. Sie gab mir kompromisslos vierzig. #WotNysyDoNisy
Ich habe das zusätzliche Gewicht dann pflichtschuldig noch bis auf den nächsten
Hügel im Wald überm Ort gebuckelt und ihn dann da nicht ohne Gewissensbisse
als Opfer an die Waldgötter unter dem Wegkreuzbaum liegen lassen.
#WotNysyDoNisy
Das Hirschberger Tal war ja im 19. Jahrhundert die Sommerresidenz des hier in
exorbitanten Fincas urlaubernden preußischen Hofes und dessen Dunstkreis. Da will man heute nicht hinten anstehen. #WotNysyDoNisy
I´ll never forget him, the leader of the pack. #WotNysyDoNisy
Auf den #Sudetenwegen zieht der Tag und die #Schneekoppe langsam vorbei.
#WotNysyDoNisy
Toll finde ich, wie das sozialistische Polen in den Gebirgsausblick vom
"Schlesischen Elysium" aus diese Esse geflantscht hat. So etwas leisten auf diesem Niveau sonst nur tschechische Plattenbausiedlungen der gleichen Epoche. Respekt. #WotNysyDoNisy
Der Weg senkt sich hinab nach #Kowary und zum Landeshuter Kamm.
#WotNysyDoNisy
Und er gibt auch noch ein bisschen Kunsterlebnis dazu. #WotNysyDoNisy
Von der Beschissenheit der Dinge in #Kowary. #WotNysyDoNisy
Eine These am Ende des dritten Tages: Im Hirschberger Tal richten alle Villentürme sich nach der #Schneekoppe aus. #WotNysyDoNisy
Leider war diesseits des Landeshuter Kamms keine Übernachtung aufzutreiben.
Im letzten Licht hinüber nach #Czarnów. Wo es einen Ausblick auf die Berge des
nächsten Tages gab. Der Ort erwies sich als videoüberwachte Krishna-Siedlung. Zeit für die Isomatte. Draußen. #WotNysyDoNisy
Die Draußennacht im Schlafsack am Ortseingang von #Paczkowice war schön.
Allerdings wurde ich im Morgengrauen von einem Rehbock aus dem nahen
Unterholz wüst angepöbelt. Dank an die freundliche Lärche, die mich in der Nacht
beschirmt hat. #WotNysyDoNisy
Da hinten, das ist das Liebauer Tor, einer der ganz wenigen fast ebenen Übergänge von Schlesien nach Böhmen. Was über die Jahrunderte hinweg immer wieder auch diverses Kriegsvolk anzog. #WotNysyDoNisy
Unten am #Bobr in #Janiszów dann der Moment, wo man einfach bleiben möchte.
Dem Flüsschen beim Plätschern zuschauen. Hinten im sklep immer wieder ein
Radler holen. Wenn Sommer, Geld und sklep alle sind, sich in die Wellen legen und in die Ebene forttragen lassen. #WotNysyDoNisy
An den #Sudetenwegen unterwegs nach #Lubawka. #WotNysyDoNisy
Von #Lubawka selbst bleibt mir wohl nur die Erinnerung an die Kellnerin des "Lubavia" am Rynek, die mich wortlos der Tür verwies, weil ich ihr zu sehr nach Straßenstaub und Dusche-Vorgestern roch. Geh ich halt. #WotNysyDoNisy