Die AfD versucht schon lange, sich als SchĂŒtzerin von Frauen zu stilisieren. Das ist, genau wie den Behauptungen, fĂŒr den âkleinen Mannâ einzustehen, fĂŒr âWohlstand zu sorgenâ oder fĂŒr ihr âHeimatlandâ, eine von vielen Unwahrheiten der AfD. Als Frau wird es dir durch die AfD schlechter gehen.
Kommt die AfD an die Macht, wĂŒrde sie Frauenrechte in vielerlei Hinsicht massiv beschneiden. Daran Ă€ndert auch eine Alice Weidel an der Spitze der Partei nichts. Auch sie hat kein Interesse daran, dass es dir als Frau besser geht. Auf gehtâs in den Deep Dive darĂŒber, was die AfD dir und anderen Frauen wegnehmen will.
Wie die AfD Arme gegeneinander ausspielt, um nur den Reichen zu helfen
Du musst zurĂŒck an den Herd
Die AfD befĂŒrwortet eine traditionelle Geschlechterrollenverteilung. Diese Haltungen versteckt sie jedoch vor allem in offiziellen Dokumente eher, als sie zu offensichtlich zur Schau zu stellen. Das ist ja das Problem. Auf den ersten Blick klingen Wörter wie âGleichberechtigungâ und âgemeinsame VerantwortungsĂŒbernahmeâ, die im Grundsatzprogramm auftauchen, ganz gut. Doch die AfD ist eine LĂŒgner-Partei. Schaut man nĂ€mlich genauer hin und weiĂ, was hinter einer Forderung wie âhöhere Geburtenrate der einheimischen Bevölkerungâ steckt, wird der braune Anstrich hinter dem Grundsatzprogramm der AfD langsam deutlich.
Die âeinheimischenâ (und wir wissen, wen die AfD damit meint, die bekannterweise auch Massenvertreibungen von Menschen mit Migrationshintergrund besprochen und gefordert hat, dazu spĂ€ter mehr) Frauen in Deutschland sollen also wieder mehr Kinder bekommen. Das schreibt die AfD in ihrem Grundsatzprogramm (Seite 41), auch machen das viele Politiker:innen der rechtsextremen Partei immer wieder deutlich. So zum Beispiel Tino Chrupalla im Sommerinterview letztes Jahr. Mehr Kinder bedeutet aber auch mehr Arbeit im Haushalt. Und wer soll sich schlussendlich darum kĂŒmmern? Frauen. So heiĂt es im Grundsatzprogramm:
âDie zunehmende Ăbernahme der Erziehungsaufgabe durch staatliche Institutionen wie Krippen und Ganztagsschulen, die Umsetzung des âGender-Mainstreamingâ-Projekts und die generelle Betonung der IndividualitĂ€t untergraben die Familie als wertgebende gesellschaftliche Grundeinheit. Die Wirtschaft will Frauen als Arbeitskraft. Ein falsch verstandener Feminismus schĂ€tzt einseitig Frauen im Erwerbsleben, nicht aber Frauen, die ânurâ Mutter und Hausfrau sind.â Grundsatzprogramm Seite 41
Die AfD tut so, als wĂŒrden Frauen, die nur Mutter und Hausfrau sein wollen, irgendwie diskriminiert werden und möchte erleichtern, das zu sein. Ironischerweise beschwert man sich ĂŒber angebliche âEinseitigkeitâ, aber kann sich nur das âMutter und Hausfrauâ-Modell vorstellen â und will nur das fördern.
frauen sollen wieder mehr kinder kriegen
Frauen sollen also Kinder kriegen, sie möglichst daheim erziehen und weniger arbeiten gehen. Kein Wort von mehr VerantwortungsĂŒbernahme und Elternzeit von MĂ€nnern. Du siehst: Im Grunde will die AfD in die 50er Jahre zurĂŒck. Frau an den Herd, und der Mann bringt das Geld nach Hause. Wer alleinerziehend ist, bekommt zwar laut Grundsatzprogramm weiter UnterstĂŒtzung (unklar ist, in welcher Form â im Entwurf stand ĂŒbrigens noch die Forderung, wer âselbstgewĂ€hltâ alleinerziehend ist, soll nicht unterstĂŒtzt werden), jedoch dĂŒrfen Alleinerziehende nicht als âerstrebenswerteâ Lebensweisen dargestellt werden (Grundsatzprogramm S. 44). Die AfD NRW schreibt auf ihrer Homepage: âDer ideale Betreuungsplatz fĂŒr ein Kleinkind ist auf Mamas SchoĂ.â
Da wundert es auch nicht, dass die AfD Kitas kritisch gegenĂŒber steht. Angeblich, weil das die Entwicklung von Kindern einschrĂ€nken könnte. In Wahrheit ist jedoch das Gegenteil der Fall. So kann ein frĂŒher Kita-Besuch beispielsweise die Kompetenzentwicklung von Kindern positiv beeinflussen.
Zwar fordert die AfD nicht direkt eine Abschaffung von Kitas, macht aber klar, wie sie zu ihnen steht. Sie fĂŒrchtet eine âbloĂe Verwahrung von Kindern unter drei Jahren in Kitasâ. Sie befĂŒrwortet die gleichwertige UnterstĂŒtzung elterlicher Betreuung von Kleinkindern zu Hause wie Fremdbetreuung.
Die AfD will nicht, dass du dir aussuchen kannst, wie du dein Leben als Frau leben willst. Sie will nur dafĂŒr sorgen, dass dir fĂŒr alles Steine in den Weg gelegt werden â auĂer dafĂŒr, Hausfrau und Mutter zu werden. Wenn du auch nur irgendetwas anderes möchtest, wird die AfD versuchen, dir das wegzunehmen.
AfD mit geringstem Frauenanteil
Okay, die AfD scheint jetzt offensichtlich nicht so DIE Partei zu sein, die weiĂ, was Frauen wollen. Kein Wunder: Das ist auch ein ziemlicher Herren-Club. Hier sind lauter MĂ€nner, die meinen, besser zu wissen, wie du als Frau zu leben hast.
Wirft man einen Blick auf den Frauenanteil in der AfD, sowohl bei den Mitgliedern als auch in der Bundestagsfraktion, wird schnell klar: DiversitĂ€t ist fĂŒr die AfD ein Fremdwort. 2021 bildete die AfD das Schlusslicht beim Anteil der Frauen unter den Mitgliedern der politischen Parteien. Lediglich 18,7 Prozent der AfD-Mitglieder waren Frauen.
Statista
Auch im Bundestag ist die AfD die Fraktion mit dem geringsten Frauenanteil. Nur 11,7 % der aktuellen AfD-Fraktion im Bundestag sind Frauen.
Statista
Kein Wunder, dass so wenige Frauen Mitglieder der AfD sind, bei Zitaten wie âFeminismus heute ist Krebsâ oder âDer heutige Feminismus ist das GeschĂ€ft von 30 Prozent grĂ€sslichen, hĂ€sslichen, und letztlich frauenfeindlichen Weibernâ, beide von AfD-Spitzenkandidat fĂŒr die Europawahl, Maximilian Krah. Da wĂŒrde ich auch nicht bei der AfD mitmachen wollen.
So rechtsextrem ist der AfD-Spitzenkandidat Krah
Schauen wir weiter, was die AfD fĂŒr dich als Frau im Angebot hat.
Ungewollt schwanger? Pech gehabt!
Ungewollt schwanger? Die AfD meint: Pech gehabt. Ginge es nach der AfD, sollten SchwangerschaftsabbrĂŒche nur noch in âabsoluten Ausnahmenâ möglich sein. Von dem drastischen RĂŒckschritt abgesehen, den dies fĂŒr Frauen und ihr Recht auf Selbstbestimmung bedeuten wĂŒrde, wĂŒrde der AfD-Plan auch ihr Leben akut aufs Spiel setzen. Das sehen wir zum Beispiel in Polen. Dort sind Abtreibungen nur in zwei FĂ€llen möglich: nach Vergewaltigung und wenn das Leben der Mutter in Gefahr ist. Ăhnlich zu dem, was die AfD auch möchte (siehe AfD-Leitantrag Europawahlversammlung S. 84), eine Abtreibung nur âbei kriminologischen oder medizinischen Indikatorenâ.
Seit der Illegalisierung von Abtreibungen 2020 sind laut EU-Parlament bereits 6 Frauen in Polen gestorben, bei denen ein Schwangerschaftsabbruch nötig gewesen wĂ€re. Die rechtsnationale PiS-Partei erlieĂ zuletzt solch radikal-strenge Abtreibungsgesetze, die neue polnische Regierung möchte diese nun glĂŒcklicherweise lockern. AfD, PiS und auch die rechtsextreme Partei Spaniens, Vox â sie alle stehen fĂŒr eine Politik der Herrschaft ĂŒber den weiblichen Körper. So forderte Vox, Schwangere, die abtreiben wollen, mĂŒssten sich die Herztöne des Embryos anhören. Die AfD setzt gerne deine Zukunft und auch dein Leben aufs Spiel.
Es gefĂ€hrdet mehr Leben und schĂŒtzt nicht mehr
Klar ist: ein Verbot von Abtreibungen fĂŒhrt nicht zu weniger Abtreibungen, sondern nötigt Frauen dazu, zu unsicheren und unwĂŒrdigen Methoden zu greifen, mit denen sie ihr Leben und ihre Gesundheit riskieren. Laut WHO finden weltweit jedes Jahr mehr als 25 Millionen unsichere Abtreibungen statt, an denen etwa 39.000 Frauen und MĂ€dchen sterben und Millionen weitere mit Komplikationen ins Krankenhaus eingeliefert werden mĂŒssen.
In der Debatte um SchwangerschaftsabbrĂŒche muss vor allem den Menschen, die aus religiösen GrĂŒnden SchwangerschaftsabbrĂŒchen entgegenstehen und daher mit der AfD sympathisieren, klar sein, dass ethische Fragen Rechtsextremen komplett egal sind. Sie bedienen sich zwar hĂ€ufig angeblich religiöser GrĂŒnde gegen Abtreibungen, und schöpfen das damit einhergehende WĂ€hlerpotential auch gerne mit aus. Doch schlussendlich geht es ihnen âum die Vereinnahmung des Themas fĂŒr eine menschenfeindliche Ideologie.â
Und jetzt wird es richtig Nazi: Frauen, die abtreiben, wird von Rechtsextremen Schuld gegeben, dass eine âUmvolkungâ vonstattengehe, die Rechte rund um den Globus heraufbeschwören. Vielleicht hast du das schon mal gehört: manche in der AfD und andere Neonazis glauben, dass es einen Masterplan gebe, um âWeiĂeâ durch nicht-weiĂe Menschen âauszutauschenâ. Das klingt nicht umsonst sehr nach âdas Blut der arischen Rasse rein haltenâ. Es ist die alte Nazi-Ideologie, nur neu verpackt.
Politik dechiffriert Teil 6: âUmvolkungâ â Die Nazi-Ideologie in der AfD
Der NS-Begriff âUmvolkungâ oder âEthnopluralismusâ
Wenn die AfD von âUmvolkungâ spricht, verwendet sie damit einen echten NS-Begriff. Im Grundsatzprogramm (Seite 42) warnen die Rechtsextremen vor demâethnischkulturellen Wandel der Bevölkerungsstrukturâ durch die angeblich hohe Geburtenrate unter Migrantinnen. Wenn die AfD also von der Förderung von Familienpolitik spricht, meint sie damit nur die Familien, die in ihr völkisch-rassistisches Menschenbild passen. Erinnerst du dich an die Politik von Hitler & Co., die MĂŒttern Nazi-Abzeichen verlieh, wenn sie viele Kinder kriegten?
Was man wissen muss: Die AfD verwendet das Wort âethnischkultureller Wandelâ nicht einfach zufĂ€llig. Dahinter steckt eine ganze Theorie â der sogenannte Ethnopluralismus. Der âEthnopluralismusâ ist, vereinfacht gesagt, die moderne Version der NS-Rassentheorie. Diese argumentiert nur nicht mehr biologisch, sondern mit âKulturâ oder âReligionâ und macht daran unĂŒberwindbare Unterschiede zwischen dem eigenen âVolkâ und âdem Fremdenâ aus. Und folgert daraus eine zwingende Trennung von Ethnien und Religionsgemeinschaften. Und knĂŒpft diese wiederum an bestimmte LĂ€nder und Territorien.
Chrupalla: Was wirklich hinter dem Nazi-Begriff âUmvolkungâ steckt
Spricht die AfD also davon, dass sie den âethnischkulturellen Wandel der Bevölkerungsstrukturâ aufhalten möchte, benutzt sie modernen Nazi-Jargon und jubelt dir ihr völkisch-rassistisches Menschenbild unter. Dazu passt die Forderung des AfD-nahen, rechtsextremen Aktivisten Erik Ahrens, der schon mal Zwangsabgabe von Eizellen forderte:
https://www.instagram.com/volksverpetzer/reel/C2g6-R3MBtg
Zwangsabgabe von Eizellen? Kinder als Staatsziel? Die AfD will uns als GebÀrmaschinen missbrauchen. Die Herren von der AfD wollen, dass Frauen Kinder kriegen, weil sie AuslÀnder hassen. Klar ist: Die rassistische Bevölkerungspolitik der AfD funktioniert nur mit Kindern, die aus Familien stammen, die zum völkischen Menschenbild der AfD passen.
unser demographieproblem kann durch migration gelöst werden
Du hĂ€ttest vermutlich nicht gedacht, dass es die AfD schafft, selbst beim Thema Frauenrechte irgendwie Rassismus und AuslĂ€nder reinzubringen, was? Aber so sind Rechtsextreme nunmal. Ăbrigens: Auch die âMaĂeinheitâ âKinder je Frauâ reduziert Frauen auf ihre vermeintlich gesellschaftliche âAufgabeâ, Kinder fĂŒr die Nation zu kriegen. Die AfD setzt dieser antifeministischen âMaĂeinheitâ noch eins drauf, wenn sie sich beklagt, dass deutsche Frauen immer weniger Kinder kriegen. Und klar, in Deutschland ist die Geburtenrate erneut sehr niedrig, was einige Probleme schafft, wie ein Ungleichgewicht bei der Rentenkasse.
Ist die FertilitĂ€tsrate in einem Land gering, beschweren sich Nationalisten und Rechte aber nur ĂŒber die weibliche Ablehnung, ihre Karriere fĂŒr Kinder zu opfern, als ob das die einzige Lösung sei. Eine Lösung könnte auch sein: Migration. TatsĂ€chlich zeigen jĂŒngste Daten: Dank Zuwanderung wird Deutschland jĂŒnger, Migranten sind besser ausgebildet und haben gerade unsere Rentenkassen stabilisiert. Aber die AfD will diese Lösung halt nicht. Die will, dass du als Frau mehr Kinder kriegst. Und lĂ€sst ĂŒbrigens auch komplett unter den Tisch fallen, dass MĂ€nner sich ja auch um die Kinder kĂŒmmern könnten. Es gibt so viele andere Wege, aber die AfD will nur den, der dir unmöglich macht, eine gutbezahlte Karriere zu haben.
Abstruse afd-Anfragen
Dass die AfD Frauen nicht als gleiche und gleichberechtigte Mitglieder der Gesellschaft ansieht, sondern sie auf GebĂ€rmaschinen reduziert, zeigt auch eine kleine Anfrage der AfD Sachsen. Konkret wollte ein AfD-Abgeordneter wissen, wie viele âgebĂ€rfĂ€higeâ Frauen in Sachsen leben, je Jahr von 2010 bis 2018, sortiert nach Altersklassen, Landkreisen und NationalitĂ€t. Was fĂŒr eine absurde Frage.
Es wĂ€re nicht das erste Mal, dass die AfD mit abstrusen Anfragen in den Parlamenten Verwirrung stiftet. Hier sammelten wir bereits 16 Anfragen der AfD, mit denen sie die Parlamente arbeitsunfĂ€hig machen möchte und, wenn sie schon dabei ist, nebenbei jede Information fĂŒr Hetze und Desinformation zu nutzen plant, die sie finden kann â wĂ€hrend alles, was nicht ins Weltbild passt, verschwiegen wird.
DafĂŒr zahlen wir Steuergelder? Die 16 peinlichsten Anfragen der AfD
Keine Gleichstellung von MĂ€nnern und Frauen im Beruf
Die frauenfeindliche Haltung der AfD zeigt sich auch in ihren Reaktionen auf MaĂnahmen, die tatsĂ€chlich zu mehr Gleichberechtigung zwischen MĂ€nnern und Frauen beitragen (können). So zum Beispiel der Equal Pay Day. Dieser ist ein internationaler Aktionstag, der darauf aufmerksam macht, dass Frauen immer noch weniger verdienen als MĂ€nner in vergleichbaren Positionen. Und zwar erheblich weniger: um genau zu sein 18 Prozent weniger, und das bereits das vierte Jahr in Folge.
Sowohl der sogenannte Gender Pay Gap als auch der Gender Care Gap fallen zuungunsten von Frauen aus und steigen beide bis zum mittleren Lebensalter stark an. Das bedeutet konkret, dass es weiterhin die Frauen sind, die weniger als MĂ€nner verdienen, sowie mehr unbezahlte Sorgearbeit ĂŒbernehmen als MĂ€nner.
DIW
Darauf aufmerksam zu machen, ist fĂŒr die AfD unwichtig â mehr noch: Sie sieht im Equal Pay Day eine âPropagandaaktionâ (wie sie in ihrem Wahlprogramm 2017 schrieb).
strukturelle benachteiligung von Frauen angeblich wie ein âyetiâ
Und da wĂ€ren wir wieder bei dem Dilemma, warum ausgerechnet Frauen in der AfD frauenfeindliche Positionen unterstĂŒtzen. So sagte beispielsweise die AfD-Abgeordnete Nicole Höchst 2018 anlĂ€sslich des Frauentages ĂŒber strukturelle Benachteiligung von Frauen, dass dies âwie ein Yeti [sei]. Jeder redet darĂŒber, aber keiner hat sie je gesehen.â Und ergĂ€nzt: âApropos Gleichstellungsbeauftragte. Diesem Instrument zur systematischen MĂ€nnerbenachteiligung können wir nichts abgewinnen.â (siehe FES Studie S.30) Was??
Und ausgerechnet noch eine Frau, nĂ€mlich die âfrauenpolitische Sprecherinâ der AfD-Fraktion, Dr. Eva Maria Schneider-GĂ€rtner, sagte zum Equal Pay Day 2023:
âDer âEqual Pay Dayâ und die Lohngleichheits-Debatte stempeln Frauen als Arbeitskraft ab, ohne deren herausragende gesellschaftliche Bedeutung als fĂŒrsorgliche Mutter Rechnung zu tragen. Kein Geld der Welt kann KinderglĂŒck ersetzen. Eine ernstgemeinte Debatte um Lohnunterschiede muss also gleichzeitig eine Debatte um Familienpolitik sein. Eine âKarriere als Mutterâ ist nach Ansicht der AfD mindestens gleichwertig zu einer beruflichen Karriere. Ziel muss es unserer Ansicht nach sein, dass eine Mutterschaft keine Schlechterstellung bedeutet, sondern im Gegenteil, etwa mit der Anrechnung von Rentenpunkten oder einem Landeserziehungsgeld, eine finanzielle WertschĂ€tzung erfolgt.â
Die AfD dreht also die RealitĂ€t frech einfach um 180-Grad, um ihre Anti-Frauen-Propaganda zu verbreiten. Hast du schon mal jemanden sagen hören, dass MĂ€nner als âArbeitskrĂ€fte abgestempeltâ werden? Oder dass eine âKarriere als Vaterâ erstrebenswert ist? Die AfD kann oder will es sich einfach nicht vorstellen, dass Frauen selbst entscheiden, ob sie arbeiten gehen wollen, Kinder bekommen wollen, mit Kindern Vollzeit arbeiten wollen, oder in Teilzeit oder Mutterzeit gehen. Aber dazu gehört eben auch, dass Frauen all diese Möglichkeiten haben, unter den gleichen Voraussetzungen und unter derselben Behandlung, wie auch MĂ€nner sie genieĂen. Und eben, weil tradierte Geschlechterrollen immer noch so stark in unseren Köpfen verankert sind, sind es nun mal hĂ€ufiger die Frauen, die mit der Familienplanung den KĂŒrzeren ziehen.
Was Schneider-GĂ€rtner da von sich gegeben hat, ist ein lupenreiner Whataboutismus. Sie tut so, als wĂŒrden Feminist:innen keine Förderung der Rechte von MĂŒttern wollen. NatĂŒrlich ist es wichtig, dass MĂŒtter fĂŒr ihre Care-Arbeit bezahlt werden und eine ordentliche Rente bekommen. Doch sie sollen es sich eben AUSSUCHEN können, ob sie Care-Arbeit ĂŒbernehmen wollen oder nicht, und nicht in tradierte Rollen hineingedrĂ€ngt werden. Die AfD bezeichnet die Freiheit als Zwang, und fordert den Zwang im Namen der Freiheit.
Warum auch Frauen frauenfeindlich sein können
Du fragst dich jetzt vielleicht: âAlice Weidel ist doch aber eine Frau und sogar lesbisch, die muss doch, schon allein aus eigenem Interesse, gute Frauen- und Queerpolitik machen, oder?â Könnte man meinen. Doch blicken wir beispielsweise auch zu unseren europĂ€ischen Nachbarn, merken wir, dass Meloni (Italien) oder Le Pen (Frankreich) genauso rechtsextrem, und damit frauenfeindlich, sind wie ihre mĂ€nnlichen Kollegen.
Interessant ist jedoch, warum es oft Frauen sind, die FĂŒhrungspositionen als Parteiaufsteigerinnen in rechten Parteien einnehmen und damit Sichtbarkeit erlangen. Katrin Degen, die zu Genderaspekten in Zusammenhang mit der (extremen) Rechten forscht, sagt dazu: âSie funktionieren öffentlich als eine Art Token, mit denen man auf Kritik erwidern kann: Schaut doch, sogar Frauen sind gegen Feminismus.â
Sprich: Das ist nur ein weiterer Trick im Repertoire der rechten LĂŒgen-Parteien, um dich vor ihren wahren Absichten zu blenden. Im Endeffekt dienen diese Frauen nur der heuchlerischen âVielfaltsstrategieâ von RechtsauĂen, um sich bewusst moderat zu geben und neue WĂ€hler:innen abgreifen zu können. Die lesbische Alice Weidel macht Politik gegen ihre Interessen und das ist gewollt. Das Wahlprogramm der AfD, ihre gesicherte RechtsextremitĂ€t in einigen BundeslĂ€ndern, die rechtsextremen VerdachtsfĂ€lle, die NĂ€he zu unzĂ€hligen Nazi-Gruppierungen, all dies Ă€ndert sich durch eine Frau an der Spitze nicht. FĂŒr den GroĂteil der Frauen wĂŒrde die tatsĂ€chliche und nicht nur theoretische Gleichberechtigung in noch weitere Ferne rĂŒcken, kĂ€me die AfD an die Macht.
Die AfD ĂŒber âdumme, faule, hĂ€ssliche und widerwĂ€rtige Frauenâ
All jene Institutionen und Regelungen, die mĂŒhsam und ĂŒber Jahre hinweg erkĂ€mpft wurden, um Frauen nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der Praxis zu mehr Gleichberechtigung zu verhelfen, möchte die AfD abschaffen. Dorn Nummer eins im rechten Auge: die Quotenregelung. Die AfD-Haltung dazu ist klar: Sie lehnt âGeschlechterquoten im Studium oder in der Arbeitswelt generell ab, da Quoten leistungsfeindlich und ungerecht [seien] und andere Benachteiligungen schaffen [wĂŒrden]â (Grundsatzprogramm S. 55).
Der Ex-AfD-Landtagsabgeordnete in Baden-WĂŒrttemberg, Heiner Merz (aus der Partei 2020 ausgetreten) schrieb dazu in einer E-Mail:
âQuoten nĂŒtzen ĂŒbrigens nur unqualifizierten, dummen, faulen, hĂ€sslichen und widerwĂ€rtigen Frauen; die guten, bemĂŒhten und passend qualifizierten fanden und finden ihren Weg alleine.â
die frauenquote hat viele vorteile
Ein Kommentar zu dieser Aussage erĂŒbrigt sich. Studien malen jedoch ein ganz anderes Bild: Quoten helfen Frauen. In Deutschland gibt es die gesetzliche Frauenquote fĂŒr börsennotierte Unternehmen seit 2015. Damals wurde beschlossen, dass alle börsennotierten Unternehmen ab 2016 frei werdende Sitze im Aufsichtsrat an Frauen vergeben mĂŒssen. Und zwar so lange, bis 30 Prozent der Stellen mit einer Frau besetzt sind. Bis dahin gab es lediglich freiwillige Regelungen fĂŒr Unternehmen, die jedoch, und das zeigt diese Studie, sehr wenig bringen.
Quelle
So steigen die Frauenanteile in den Spitzengremien von privatwirtschaftlichen Unternehmen deutlich schneller an, wenn es gesetzlich verankerte Geschlechterquoten mit Sanktionsregelungen gibt. Im untersuchten Zeitraum der Studie haben die in der Studie analysierten LĂ€nder mit gesetzlicher Quote den Frauenanteil in den AufsichtsrĂ€ten der gröĂten börsennotierten Unternehmen knapp verfĂŒnffacht, wĂ€hrend der Anteil in den LĂ€ndern ohne gesetzliche Quote nur von elf auf 17 Prozent gestiegen ist.
Und mehr Frauen fĂŒhren zu besserem ökonomischem Output. Ja richtig, Frauen helfen dabei, dass die Unternehmen mehr Profit machen. So kommt beispielsweise eine McKinsey-Studie zum Schluss, dass diejenigen Unternehmen erfolgreicher sind, die sowohl MĂ€nner als auch Frauen in ihren Chefetagen beschĂ€ftigen. Und auch diese Studie konnte zeigen, dass ein ausgewogenes GeschlechterverhĂ€ltnis in Managementteams zu deutlich besseren Unternehmensergebnissen fĂŒhrt. DiversitĂ€t ist nicht nur ein Gutmenschen-Feelgood-Projekt, sondern hat auch positive, reale Vorteile fĂŒr alle.
Ginge es nach der AfD, wĂŒrde also eine Ă€uĂerst erfolgreiche und sogar gewinnbringende Regelung wieder abgeschafft werden. Und nicht nur die Frauenquote wĂŒrde im Papierkorb landen. Kommt der Faschist Björn Höcke im September in ThĂŒringen an die Macht, wĂŒrde er das ThĂŒringer Gleichstellungsgesetz abschaffen. 2013 eingefĂŒhrt, zielt es darauf ab, âdie tatsĂ€chliche Gleichstellung von Frauen und MĂ€nnern in allen Bereichen des öffentlichen Lebens durch geeignete MaĂnahmen zu fördern und zu sichernâ.
all diese forschungsprojekte will die afd stoppen
Seit geraumer Zeit versucht die AfD in den Landtagen der BundeslĂ€nder immer wieder, das Amt der Gleichstellungsbeauftragten abzuschaffen oder zu diskreditieren. Und auch die Gender-Studies-LehrstĂŒhle an deutschen UniversitĂ€ten will die AfD abschaffen (vgl. Grundsatzprogramm, Seite 55). Also genau die LehrstĂŒhle, an denen zu Geschlechterrollen geforscht und gelehrt wird, und die dazu beitragen, dass wir als Gesellschaft mehr dafĂŒr sensibilisiert werden, welche Rollenbilder, die nicht auf dem Papier stehen, immer noch dazu beitragen, dass MĂ€nner und Frauen nicht gleich behandelt werden. Die LehrstĂŒhle, die u.a. erforschen wĂŒrden, ob Sachen wie eine Frauenquote ĂŒberhaupt etwas bringen. Die AfD möchte halt lĂ€stige Fakten, und diejenigen, die sie erforschen, loswerden.
Die Verbotspartei AfD wĂŒrde gern viele wichtige Forschungsprojekte stoppen, wie Forschungen gegen Krebs, Rheuma oder Alzheimer. Weil sie was mit âGenderâ zu tun haben. Richtig gelesen. Die ĂŒber 200 angeblichen Gender-Professuren, auf die sich die Partei bezieht, widmen sich zum Beispiel der Frage, warum Frauen hĂ€ufiger Rheuma oder Demenz bekommen. Warum sie öfter Opfer von hĂ€uslicher Gewalt werden, besonders bei Frauen mit Behinderungen. Warum queere Menschen bei der Krebsvorsorge benachteiligt sind oder Frauen in Mathe schlechter unterrichtet werden. Es geht darum, wie man Kinder vom Rauchen abhĂ€lt. Oder warum PflegebedĂŒrftige sexuell missbraucht werden. All das sind Beispiele aus einer online verfĂŒgbaren Datenbank zu Projekten der Genderforschung â und all das wĂŒrde die AfD gern stoppen. Warum es ĂŒbrigens auch keine 200 âGenderâ-Professuren sind und wie hier noch weiter getrickst wird, haben wir hier erlĂ€utert:
Die AfD will Krebsforschung stoppen, weil sie gegen âGenderâ ist. Wirklich!
Sexismus im Bundestag
So verwundert es nicht, dass vor allem Frauen im Bundestag Anfeindungen und Sexismus ausgesetzt sind. Laut einer Spiegel-Umfrage aus dem Jahr 2021 unter Parlamentarierinnen ist die Frauenfeindlichkeit im Bundestag durch die AfD gestiegen. NatĂŒrlich kein Zufall. Die AfD steht Frauen, die Jobs haben, schon rein auf dem Papier mal, gelinde gesagt, kritisch gegenĂŒber. Was dann in der RealitĂ€t dabei herauskommt, beschreibt der Spiegel so:
â72 Prozent [der befragten Parlamentarierinnen, Anm. d. Red.] bejahten die Frage, ob sie Frauenfeindlichkeit innerhalb des Parlaments erlebten. Wenn eine Frau rede, werde der LĂ€rmpegel höher, es werde gequatscht, laut und derb dazwischengerufen. Die weibliche Sitzungsleitung werde nicht begrĂŒĂt, Parlamentarierinnen wĂŒrden ungefragt geduzt. Im Plenum und selbst in den kleineren AusschĂŒssen habe Sexismus und Antifeminismus eine neue QualitĂ€t erreicht, seit die AfD im Bundestag vertreten sei.â
LĂ€ngst vergessene frauenwitze kommen wieder zum vorschein
Katja Suding (FDP, mittlerweile keine Bundestagsabgeordnete mehr) berichtete beispielsweise im Tagesspiegel:
âAus der AfD gibt es sowohl von MĂ€nnern als auch von Frauen respektlose Kommentare zur Kleidung weiblicher Abgeordneter wie zum Beispiel ,Was hat die denn heute noch vor?â oder ,Die will es aber wissenââ.
Eine Unionsabgeordnete, die anonym bleiben möchte, schreibt: âAuch die lĂ€ngst vergessen geglaubten ,lustigen Frauenwitzeâ werden wieder sorgloser zum Besten gegeben, ebenso die Infragestellung der fachlichen QualitĂ€t von Frauen in der Politik.â Tabea RöĂner (GrĂŒne) berichtet von âpersönlichen Angriffen, die unter die GĂŒrtellinie gehenâ, von SĂ€tzen wie ,Die gehört in die Geschlosseneâ oder ,Geh doch zurĂŒck an den Herdâ.â
Weibliche AfD-Abgeordnete nahmen ĂŒbrigens nicht an der Umfrage teil.
Die AfD ist einfach eine Bande von sexistischen MĂ€nnern, die Frauen nicht respektieren und ĂŒber ihre Köpfe hinweg fĂŒr sie entscheiden wollen. Sie lachen dich offen aus, weil du eine Frau bist. Ehrlich gesagt will ich mir gar nicht vorstellen, was passieren könnte, wenn die Faschisten in den BundeslĂ€ndern an die Macht kommen. Willst du, dass solche MĂ€nner ĂŒber dich bestimmen können?
Fazit: Rechtspopulisten hÀufig strukturell misogyn
Anfang des Jahres machte eine Analyse der Financial Times Schlagzeilen, die offenbarte, wie stark die ideologische Kluft zwischen jungen Frauen im Vergleich zu jungen MÀnnern aufgeht. Die Financial Times spricht sogar davon, dass es zwei Generationen innerhalb der Gen Z gÀbe, da sich junge MÀnner und Frauen ideologisch so stark auseinander bewegten.
Financial Times
In Bezug auf Deutschland gibt es Anzeichen dafĂŒr, dass mehr junge MĂ€nner nach rechts rĂŒcken, wĂ€hrend das bei jungen Frauen nicht der Fall ist. In Deutschland scheinen einige junge MĂ€nner auf die Propaganda der AfD hereinzufallen, wĂ€hrend viele Frauen erkennen, dass die AfD eine Gefahr fĂŒr ihre Freiheiten darstellt.
Doch strukturelle Frauenfeindlichkeit ist nicht nur in Deutschland ein Problem. Frauen, die sich fĂŒr Frauenrechte einsetzen, werden nicht nur von der AfD, sondern von rechtspopulistischen Parteien allgemein hĂ€ufig zum Feindbild hochstilisiert. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen darĂŒber hinaus, dass rechtspopulistische Parteien generell hĂ€ufig strukturell misogyn sind. Sprich: Rechte verachten halt in der Regel Frauen.
Was kannst du tun? Ganz wichtig: wĂ€hlen gehen. Wie brutal gefĂ€hrlich es fĂŒr dich als Frau werden kann, wenn deine Rechte durch rechte MĂ€nner beschnitten werden, sieht man gerade in den USA. Nutze deine Stimme und mach ein Kreuz bei einer Partei, die fĂŒr deine Rechte eintritt und ermutige andere, das auch zu tun.
Du kannst auch darĂŒber aufklĂ€ren, dort, wo es dir möglich ist. In deinem familiĂ€ren Umfeld, in deinem Freundeskreis, in der Schule, an der UniversitĂ€t, am Arbeitsplatz. Gerade im Hinblick auf die Europawahl im Juni und die anstehenden Landtagswahlen im Herbst mĂŒssen die Menschen wissen, was die AfD wirklich mit uns vorhat und welche Rechte die AfD den Frauen wieder wegnehmen möchte. Du kannst dazu die Informationen aus diesem Artikel nehmen.
So antifeministisch und frauenfeindlich ist die AfD
Artikelbild: Jessica Lichetzki/dpa
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