Iran – vorsichtiger sprechen

mit Update 10.3.

Allzu oft haben sich vorschnelle Urteile über die Zukunft des Iran als nicht nur falsch erwiesen. Sondern in der politischen Praxis sogar als katastrophal. Das ist in der Sprechweise meiner alten Freundin Ferdos Forudastan zu spüren, die ich heute morgen im DLF hörte, bei dem sie vor vielen Jahren noch selbst moderiert hat. Ihr verdanke ich einen langjährigen Mitbewohner meiner einstigen Wohngemeinschaft im Beueler Süden, von dem ich viel über den Iran lernen konnte und mit dem ich bis heute sehr gut befreundet bin. Ferdos und er erzeugten in mir das Vorurteil, dass “die Iraner*innen” verdammt gut gebildete kluge Leute sind. Schön wärs.

Anja Reinhardt (Interview)/DLF: “Zur Zukunft des Iran. Ferdos Forudastan, Journalistin” Audio 10min.

Update 10.3.

Einen ähnlich hart-realistischen Ton schlägt mein noch älterer und fliessend arabischsprechender (Jungdemokraten-)Freund Volker Perthes im taz-Interview mit Sabine am Orde an:

Machtverhältnisse in Iran: ‘Dieses Regime hat seine Basis’ – Politikwissenschaftler Volker Perthes sieht vor allem negative Szenarien für Iran. Einen ‘regime change’ hält er für so gut wie ausgeschlossen.”

Dieser Teaser wird dem Interviewinhalt nicht ganz gerecht. Aus dieser redaktionellen Bearbeitung spricht die enttäuschte Revolutionsromantik der taz in Berlin, die mit der Wirklichkeit in Iran nicht in Deckung zu bringen ist. Sie hätten sich von Volker wohl “saftigere” Auskünfte gewünscht, als z.B.:

“Zuerst mal muss das Schießen aufhören. Dann gibt es Raum für Politik und für Diplomatie.”

Ebenso vielsagend das Interview von Michael Hesse/FR mit Historiker Bernd Greiner: ‘Trump ist eine akute Gefahr für die Menschheit’ – Historiker Bernd Greiner sieht finanzielle Interessen hinter der Eskalation mit dem Iran. Insidergeschäfte vor dem Angriff erhärten den Korruptionsverdacht.”

Iran – vorsichtiger sprechen – Beueler-Extradienst

Nicht mehr zu ignorieren?

13.000.000 auf der Flucht – nicht Geld, sondern Menschen

Der Fortschritt ist, dass jetzt welche miteinander reden. Über den Sudan. Es sind die, die die Kriegsparteien und Mörderbanden füttern: USA, Ägypten, Saudi-Arabien und Vereinigte Arabische Emirate. Letztere waren noch im Jemen nicht minder massenmörderische Waffenbrüder. Das ist vorübergehend vorüber. Alle sind solvente Spitzenkunden der deutschen Rüstungsindustrie. Worüber sie wohl reden?

Saudi-Arabien ist relevanter Finanzier des US-Präsidenten. Wer mag hier wohl “Koch” und “Kellner” sein? Alle ausser Ägypten konkurrieren um den Aufkauf des Weltfussballs (der Herren), der in Kürze in den USA sein fettestes Event (WM) veranstaltet. Welchen Stellenwert mag in diesen Gesprächen der Sudan haben?

Mein Freund Volker Perthes hofft, dass er gross ist. Aber Illusionen hat er nicht. Darüber sprach er heute wieder am nächtlichen Morgen mit DLF-Interviewerin Maria Grundwald: “Sudan: Ex-UN-Gesandter setzt geringe Hoffnungen in US-Diplomatie” (Audio 9 min)

Das Bonn International Centre for Conflict Studies (BICC) bietet fortlaufend aktualisierte “Grunddaten zu Rüstung, Militär und Sicherheit in wichtigen Empfängerländern deutscher Rüstungsexporte” über zahlreiche Länder. Hier nur mal die Links zu den Sudan-Konfliktparteien:

Ägypten

Saudi-Arabien

Vereinigte Arabische Emirate

Und wenn Sie zu Weihnachten noch “nachhaltige” deutsche Rüstungsindustrieaktien besitzen, sage ich “Mörder” zu Ihnen.

Nicht mehr zu ignorieren? – Beueler-Extradienst

Reflexe der Aufmerksamkeitsökonomie

Je grausamer und verbrecherischer, umso stiller …

mit Update 3. 11.

Ist es launig? Oder sarkastisch? Wolfgang Storz/bruchstuecke reflektiert über die Reflexe der Öffentlichkeit auf “unseren” superintelligenten Bundeskanzler: “Regieren mit Wortfetzen”. Nicht abwegig. Dennoch behaupte ich, dass seine bornierten sauerländischen Reflexe ihm selbst, und noch mehr seinem Berater*innen*stab, einen Streich gespielt haben. Denn was Storz und ich seit Jahrzehnten über den Kerl wissen, das erkennen jüngere Teile der Öffentlichkeit erst jetzt durch sein Tun und Stammeln. Und es mobilisiert ganz offenbar nicht nur seine eigenen Leute. Manche linke Bescheidwisser kräuseln ihren Bauchnabel darüber, dass sie statt mitzumachen lieber lästern, wie lange sie bescheidwissen, was viele jetzt erst merken. Klassisches Eigentor im politischen Prozess.

Zum gegenwärtigen Funktionieren der inländischen Aufmerksamkeitsökonomie gibt es einen interessanten Versuch materialistischer Analyse von Raphael Wolter/Junge Welt: Zwischen Kommerz und Widerstand – Fußball und Klassenkampf: Zur gesellschaftlichen Logik eines populären Spiels” Durchaus lesenswert und nur wenige Tage verfügbar, weil dann in einem Paywallarchiv beerdigt. In meinen Augen ist Wolters Materialismus allzu mechanistisch gedacht. Aufmerksamkeit ist zwar nicht physisch greifbar, aber eine reale Währung der Medienökonomie. So wie es unsere Daten in der Digitalökonomie sind, die derzeit die Machtverhältnisse auf dem Planeten nicht umstürzt (im Gegenteil), aber umgräbt und betoniert.

Null Reflexe zur »größten humanitären Krise der Welt«

Es ist ja – leider – schon bemerkenswert, wenn überhaupt ein deutsches Medium einen Pups zum Sudan lässt. Das sind aktuell – ein seltenes Gespann – der Deutschlandfunk und die Junge Welt. Der DLF interviewte gestern mitten in der Nacht (6.50 h) meinen alten Jungdemokraten-Freund Volker Perthes, dessen Stimme mir besorgniserregend brüchig klang, was aber auch am geäusserten Inhalt liegen dürfte:

Sudan-Experte Perthes: Den Kriegsparteien muss man die Ressourcen entziehen – Laut Einschätzung des Politologen Volker Perthes werden beide Kriegsparteien im Sudan aus dem Ausland unterstützt, etwa von Ägypten. Erst wenn man ihnen Ressourcen wie Geld und Waffen entziehe, könne der Krieg gestoppt werden.” Audio 13 min.

Die gleiche Botschaft mit anderen Worten verkündet sehr kursorisch auch Luca Schäfer/Junge Welt, der regelmässig für die “News-Fabrik” (G. Kolonko) telepolis schreibt: Sudan: Golfkapital am Nil – Sudan: Kriegsverbrechen von RSF-Miliz durch Vereinigte Arabische Emirate ermöglicht”. Auch dieser Text wird in einigen Tagen digital verschwinden.

Warum so wenig Lärm in der deutschen Aufmerksamkeitsökonomie über diese verbrecherischen Massenmorde? These: weil die hiesigen Herrschenden darüber noch glücklicher sind, als über die Menschenrechtsverbrechen des Despoten Erdogan (mit dem, das nur zur Erinnerung, schon die kürzlich hier in Bonn gefeierte Angela Merkel eifrig gedealt hatte). Denn wirkungsvoller können Flucht und Migration aus Südsudan, Somalia, Eritrea, Äthiopien, Ostkongo u.v.a. wohl kaum unterbunden werden. Warum also laut lamentieren? Die Waffenlieferanten und Diktatoren beider Seiten (Vereinigte Arabische Emirate einerseits, Ägypten andererseits) sind öffentlich proklamierte “beste Freunde” der hiesigen Herrschenden.

Lasst sie mal machen. Es trifft doch nur Schwarze und Moslems …

Update 3.11.

NRW-Liminski – zu schmerzfrei, zu blöd oder zu rechts?

Nathanael Liminski, NRW-Stastskanzleichef, kenne ich nicht persönlich. Als ich 1990 anfing im NRW-Landtag zu arbeiten, hiess der Amtsinhaber Wolfgang Clement. Roland Appel weiss mehr über den, und die Extradienstautoren Wolfgang Lieb und Christoph Habermann noch mehr als Roland. An Clement als Widerpart – ob in der Opposition, in der Koalition, oder sogar als Parteigenosse – konnte (und musste) mann wachsen. Anders war der nicht auszuhalten.

Wie mag es bei Liminski sein? Mir wird berichtet, dass er grüne Landtagsabgeordnete – auch rudelweise – am Nasenring durch die politische Arena zu ziehen vermag. Ob das mehr über die oder ihn sagt? Sagen Sies mir. Der Verdacht liegt nahe, dass er – schon allein um in dieses Staatsamt zu gelangen – nicht allzu blöd sein kann.

Also schmerzfrei und rechts? Als bekennender Christ mit all den SM-Faktoren dieser Religion sollte ihm Schmerz nicht fremd sein. Was also sagt das über ihn? Macht er also sähr gärne mit, als Lokomotive der »größten humanitären Krise der Welt«? Oder hat ihm nur eine*r eine Falle gestellt? Eine beliebte Düsseldorfer Gewohnheit.

Ich fürchte das Schlimmste.

Das heute erfolgte WDR5-Interview mit Volker Perthes hat er wahrscheinlich nicht mehr gehört: Sudan: ‘Bürgerkrieg voll entflammt’ – Die RSF-Miliz hat die Stadt Al-Faschir im Sudan eingenommen und verübt Massaker an Zivilisten. ‘Es geht um Mord, Vergewaltigungen und Plünderungen’, sagt Politologe und Diplomat Volker Perthes – und erklärt die Hintergründe des Machtkampfs im Land.” Audio 6 min., 1 Jahr verfügbar.

Reflexe der Aufmerksamkeitsökonomie – Beueler-Extradienst

Springerhetze gegen Spitzenjournalisten

Tilo Jung ist mal wieder Wirbel gelungen. Sein Gespräch mit der SWP-Wissenschaftlerin Muriel Asseburg hat documentaartig deutsche Feuilleton-Reflexe mobilisiert. Gratulation, es war schon etwas still geworden. Mir ist Jung immer mit seiner aggressiven Neugierde in der Bundespressekonferenz aufgefallen. Überhaupt: Neugierde! Bei einem Journalisten in Berlin! Wo gibts […]

https://extradienst.net/2023/07/14/springerhetze-gegen-spitzenjournalisten/

Springerhetze gegen Spitzenjournalisten

Tilo Jung ist mal wieder Wirbel gelungen. Sein Gespräch mit der SWP-Wissenschaftlerin Muriel Asseburg hat documentaartig deutsche Feuilleton-Reflexe mobilisiert. Gratulation, es war schon etwas still geworden.

Beueler Extradienst
Volker Perthes weist Vorwürfe einer Schuld des Westens am Sudan-Konflikt zurück. Im DW-Interview spricht der UN-Sonderbeauftragte auch über die russische Wagner-Gruppe - und die Gefahr durch "Glückssucher".#Sudan #VolkerPerthes #UN-Sonderbeauftragter #Krieg #Flüchtlinge #PortSudan #Wagner-Gruppe
UN-Vermittler zum Sudan: Müssen langen Krieg verhindern | DW | 05.05.2023
UN-Vermittler zum Sudan: Müssen langen Krieg verhindern | DW | 05.05.2023

Volker Perthes weist Vorwürfe einer Schuld des Westens am Sudan-Konflikt zurück. Im DW-Interview spricht der UN-Sonderbeauftragte auch über die russische Wagner-Gruppe - und die Gefahr durch "Glückssucher".

DW.COM
Trotz vereinbarter Waffenruhe gibt es weiter heftige Kämpfe im Sudan. Die EU-Kommission und das UN-Welternährungsprogramm sehen eine große Gefahr, dass sich die Krise ausweiten könnte.#Sudan #Asyl #Deutschland #ProAsyl #Waffenruhe #Evakuierung #VolkerPerthes
Warnungen vor Ausweitung der Krise im Sudan auf die gesamte Region | DW | 30.04.2023
Warnungen vor Ausweitung der Krise im Sudan auf die gesamte Region | DW | 30.04.2023

Trotz vereinbarter Waffenruhe gibt es weiter heftige Kämpfe im Sudan. Die EU-Kommission und das UN-Welternährungsprogramm sehen eine große Gefahr, dass sich die Krise ausweiten könnte.

DW.COM
Die Flüchtlingshilfsorganisation Pro Asyl macht sich dafür stark, dass Deutschland keine Menschen mehr in den Sudan abschiebt. Es sei nicht absehbar, wann die Kämpfe dort enden, sagte ein Sprecher der Organisation.
Pro Asyl fordert Stopp von Abschiebungen in den Sudan | DW | 29.04.2023
#Sudan #Asyl #Deutschland #ProAsyl #Waffenruhe #Evakuierung #VolkerPerthes
Pro Asyl fordert Stopp von Abschiebungen in den Sudan | DW | 29.04.2023

Die Flüchtlingshilfsorganisation Pro Asyl macht sich dafür stark, dass Deutschland keine Menschen mehr in den Sudan abschiebt. Es sei nicht absehbar, wann die Kämpfe dort enden, sagte ein Sprecher der Organisation.

DW.COM
Eine Verlängerung der Waffenruhe um weitere 72 Stunden - darauf einigten sich die rivalisierenden Militärblöcke am Donnerstagabend. Trotzdem kam es Augenzeugenberichten zufolge weiter zu Kämpfen.
Trotz erneuter Waffenruhe: Kämpfe im Sudan dauern an | DW | 28.04.2023
#Sudan #Kämpfe #Waffenruhe #Darfur #IlhamIbrahimMohamedAhmed #IGAD #VolkerPerthes
Trotz erneuter Waffenruhe: Kämpfe im Sudan dauern an | DW | 28.04.2023

Eine Verlängerung der Waffenruhe um weitere 72 Stunden - darauf einigten sich die rivalisierenden Militärblöcke am Donnerstagabend. Trotzdem kam es Augenzeugenberichten zufolge weiter zu Kämpfen.

DW.COM
Trotz einer vereinbarten Feuerpause gehen die schweren Kämpfe in der Hauptstadt Khartum weiter. Gefechte werden auch aus der Krisenregion Darfur gemeldet.
Waffenruhe im Sudan wird immer brüchiger | DW | 27.04.2023
#Sudan #Kämpfe #Waffenruhe #Darfur #IlhamIbrahimMohamedAhmed #IGAD #VolkerPerthes
Waffenruhe im Sudan wird immer brüchiger | DW | 27.04.2023

Trotz einer vereinbarten Feuerpause gehen die schweren Kämpfe in der Hauptstadt Khartum weiter. Gefechte werden auch aus der Krisenregion Darfur gemeldet.

DW.COM

Perthes im Sudan

Mutiger als Kriegführen
Im Sudan droht der Krieg wiederbelebt zu werden. Er ist – neben dem Jemen – seit langem ein Krisen- und Katastrophenzentrum der Menschheit. In vielerlei Hinsicht: Klimawandel und Wüstenbildung, Dhjihadismus, Flüchtlinge vor anderweitige Kriegen, Hungersnöten und Klimakrisen – ein Transitland, ähnlich Mali, […]

https://extradienst.net/2023/04/18/perthes-im-sudan/

Perthes im Sudan

Mutiger als Kriegführen Im Sudan droht der Krieg wiederbelebt zu werden. Er ist - neben dem Jemen - seit langem ein Krisen- und Katastrophenzentrum der Menschheit.

Beueler-Extradienst