…oder besser gesagt: Es wird früh. Denn für die Hartgesottenen dauert die Night of Science (NoS) an der Frankfurter Uni jedes Jahr zu Sommerbeginn bis 5 Uhr morgens, bis zum gemeinsamen Frühstück an der Goethe-Universität Frankfurt.

Da kicken die Bembelbots, das Roboterfußballteam der Uni, die sich schon auf die Weltmeisterschaft mit 50 anderen Mannschaften mit selbst programmierten humanoiden Robotern vorbereiten. Da zwängt man sich in überfüllte Hörsäle, um weltbekannten Astrophysikern wie Luciano Rezzolla („Die unwiderstehliche Anziehung der Schwerkraft“) zu lauschen. Da gibt es (leider lange) Schlangen an den vielen Food Trucks, die für das leibliche Wohl sorgen.

Frauen der Wissenschaft

Die unprätentiöse* Kernpyhysikerin und Professorin der Uni Heidelberg Johanna Stachel hielt den Einführungsvortrag. Sie bezog sich darin als einzige (zumindest bei den Veranstaltungen, die ich besuchte) auf die Leitfigur in diesem Jahr: Lise Meitner. Leider geraten die Leistungen der herausragenden Physikerin Meitner meist in Vergessenheit. Stachels anschaulicher, für jeden verständlicher Vortrag zum Stand der Forschung in der Kernphysik war ein Highlight der Nacht.

* Johanna Stachels Vortrag sollte um fünf Uhr als Einstieg zur NoS 2024 beginnen.

Wie die große Schar der bereits wartenden Zuhörer wurde sie vorher an der Türe abgewiesen und auf Punkt fünf Uhr zum Einlass vertröstet. „Dann hole ich mir noch etwa zu trinken“, meinte sie unaufgeregt… 

Im ALICE-Experiment am Large Hadron Collider (LHC) am CERN in Genf untersucht sie die kleinsten Bestandteile der kleinen Teilchen, aus denen unsere Welt besteht – das Quark-Gluon-Plasma. Dazu forscht sie an der Entwicklung der Detektoren, die die auftreffenden Bestandteile der Elementarteilchen als Ereignisse registrieren.

Um etwa Protonen weiter in ihre Einzelteile zu zerlegen, braucht man viel Energie, sehr viel Energie, wie die Professorin veranschaulicht:

Die festliche Nacht am Campus Riedberg will naturwissenschaftliche Studiengänge einer breiten Bevölkerung und Studierenden anderer Fachbereiche zugänglich machen. Und das schafft sie prima. Mit über 90 allgemein verständlichen Vorträgen, Experimentierständen, Führungen durch die Universitätseinrichtungen, praktischen Vorführungen und einer traumhaften Atmosphäre, in der sich Menschen, egal welchen Alters, Geschlecht, sozioökonomischem Hintergrund und Herkunft zum geselligen Beisammensein treffen und zu Freunden werden.

Forschung live

Zu den Vorträgen aus den naturwissenschaftlichen Fachbereichen: Biochemie, Biowissenschaften, Chemie, Geowissenschaften, Informatik, Mathematik, Medizin, Pharmazie, Physik und Psychologie gibt es auch zu anderen aktuellen Themen Einblick in die aktuelle Forschung, ergänzt von einem umfangreichen Rahmenprogramm.

Jedes Jahr (seit 2006) findet in der NoS soviel gleichzeitig statt, dass auch eine ganze Nacht zu kurz wird für die vielen Entscheidungen, zu welchem Termin man als nächstes hastet. Das führt zu ständigem Gerenne auf dem Freigelände des weitläufigen Campus und so auch zu neuen Bekanntschaften und Freunden. 

Was ist Magie?

Die Wechselwirkung zwischen den Methoden der Psychologie und der der Magier, die Jungfrauen und anderes verschwinden lassen und wieder hervor zaubern, war der nächste Publikumsmagnet, den wir besuchten.

Wie die (kognitiven) Psychologen von den Magiern über die Jahrhunderte lernten, und umgekehrt, wie die Magier Psycho-Tricks anwenden, um die Aufmerksamkeit des Publikums dorthin zu lenken, wo sie sie haben wollen (Thema: freier Wille) – das führte Dr. Sandro Wiesmann vor. 

Bilder aus der 4. Dimension

Über das neue Darmstädter Beschleunigungszentrum FAIR berichtete Teilchenphysiker Giuliano Franchetti.

Resonanzen können einen Effekt verstärken, zum Beispiel einen Ton oder eine Bewegung. 

Die erste Tacoma-Narrows-Brücke wurde in den Jahren 1938–1940 als Hängebrücke erbaut. Berühmt wurde sie durch ihren spektakulären Einsturz nach nur vier Monaten Betriebszeit: Video des Einsturzes 1940.

In kreisförmigen Teilchenbeschleunigern mit hoher Intensität können Resonanzen auftreten, die dazu führen, dass Teilchen von ihrer Bahn abkommen, was wiederum zu Strahlverlusten und Beschädigungen der Anlage führt. Wie sich Resonanzen und nichtlineare Phänomene auf Teilchenstrahlen auswirken ist daher enorm wichtig.

Forschende am Super Proton Synchrotron (SPS) des Forschungszentrums CERN in Zusammenarbeit mit Forschenden von GSI/FAIR in Darmstadt konnten nun die Existenz einer bestimmten Resonanzstruktur experimentell nachweisen, die zuvor nur theoretisch beschrieben und in Simulationen dargestellt worden war. Sie ist experimentell schwer zu untersuchen, da sie Teilchen in einem vierdimensionalen Raum beeinflusst. 

The ha(u)nting of the ghost in the machine:

Raum bezieht sich dabei auf den „Phasenraum“, den Raum, in dem alle möglichen Zustände eines Systems dargestellt werden. 

Die Science Show

Dem Team Scientastic der Science Show gehören Philipp Beloiu, Andre Michel, und Ralf Frank an.

Deren Show hatte ich mir – auch aufgrund des enormen Besucherandrangs ähnlich wie auf der Science Week in Birmingham 2014 vorgestellt („The Festival of the Spoken Nerd“). Sie war allerdings nicht ganz so humorvoll in meinen Augen. Deutscher Witz wirkt, verglichen mit dem trockenen britischen, schnell platt, laut, und gewollt. Schade. 

Aber dem allgemeinen Publikum gefielen die Knallgas-Experimente, die Experimente mit unterschiedlichen Gasen; wenn es bei den Aktionen – besser Reaktionen – brennt, pfeift und raucht. Wenn der Tischtennisball, nur durch Luft angetrieben, eine leere Dose zermatscht oder Trockeneis brutale Geräusche erzeugt.

Anerkennenswert ist die Idee, die dahinter liegt: Wissenschaft plastisch verständlich zu zeigen. Ohne Formeln und ohne theoretische Beweise, die so manchen Normalbürger abschrecken.

Mit ein wenig weniger auswendig gelerntem Theater und Brimborium der Beiden kämen die beindruckenden Effekte allerdings noch mehr zur Geltung.

Silber und Gold im Universum

Dann wurde es bei meiner Auswahl wieder seriöser, trotz des Titels. Denn „Silber und Gold im Universum“ handelte nicht von Goldgräbern im landläufigen Sinn, sondern von Wissenschaftlern, die über die Spektrallinien der (beiden) Elemente Informationen von weit entfernten Planeten und Sternen sammeln. Über die Entstehung der von der Erde bekannten Elemente referierte Astrophysikerin Camilla Juul Hansen:

Das Gold (Au) und Silber (Ag), das wir auf der Erde haben, sind begrenzte Ressourcen und werden nicht auf der Erde gebildet. Wir wissen, dass Ag und Au in der Verschmelzung von kompakten Objekten wie Neutronensternen gebildet werden können. Seltene Arten von Supernovaen können jedoch auch diese Elemente bilden. Bis heute wissen wir immer noch nicht genau, wie viel davon und wo sich die Elemente bilden, und wie wichtig oder häufig diese beiden Standorte auftreten.

Intro Foto

Den Traum vom Fliegen ließ die Akademische Fliegergruppe im Außenbereich wahr werden. Von 18 Uhr bis Mitternacht stellten sich die Piloten den Fragen der künftigen Flieger. Die 1929 gegründete akademische Fliegergruppe der Goethe-Universität ist ein Segelflugverein, der sich neben dem praktischen Segelflug und der Ausbildung zum Segelflieger auch wissenschaftlich mit Segelflugbezogenen Themen, im speziellen Meteorologie (Thermik und atmosphärische Schwerewellen) und Flugsicherheit befasst. 

Fotos @ FuZ. Alle Folieninhalte @ der Ersteller

https://nightofscience.de/

https://flugundzeit.blog/es-wird-spaet-nos/

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Johanna Stachel – Wikipedia