Vernunft

Wo ist sie hin?

Collien Fernandes kennt sich aus mit den Gesetzen der Aufmerksamkeitsökonomie. Sie hat ein strategisches Bündnis mit dem hierzulande marktführenden Yellowpress-Blatt geschlossen, der Grossteil der Branche dackelt hinterher. Und ihr Ex-Gatte und “Tatort”-Kommissar Christian Ulmen steht zwischenzeitlich auf einer Popularitätsstufe mit Donald Trump und Wladimir Putin. Advantage Fernandes. Ihr Vorgehen will ich hier nicht kritisieren – das ist 100% legitim und betrifft eine wichtige gesellschaftliche Angelegenheit. Was mich nervöser macht, ist die Reaktion dessen, was einst professionelle demokratische Politik war.

Wie Sie hier bei den Kolleg*inn*en von netzpolitik lesen können, ist das Thema “digitale Gewalt” viele Jahre alt, und bringt es dort, wo es immer und jederzeit kostenfrei öffentlich nachgelesen werden kann (bei uns übrigens auch), auf über 50 Trefferseiten. Dä.

Und wenn der Spiegel kommandiert, steht die Bundesregierung stramm?

Oje, oje, was sagt uns das über die Medienkompetenz derer, die wir in einer weitgehend demokratischen Wahl zu Gesetzgeber*inne*n bestimmt haben?

Es sind die Gleichen, die über Krieg und Frieden entscheiden. Läuft diese Entscheidung nach dem gleichen Muster ab? Es erscheint mir so. Denn Medien leben in der Medienökonomie vom Spektakel. Gibt es ein Spektakel, das mehr Aufmerksamkeit erzeugt, als Krieg? Ich fürchte: nein.

Meine persönliche Stimmung wurde heute nach dem Aufwachen von Moshe Zuckermann/overton leider voll getroffen:

Krise der Emanzipation – Wir leben in einer Zeit, in der unzurechnungsfähige Bullshiter ungestört unser Leben bestimmen dürfen.”

Schöne Scheisse. Johannes Varwick rettete mich aus dem Depressionsloch:

Michael Hesse (Interview)/FR: Politikwissenschaftler Varwick über Militarisierung und Diplomatie – ‘Die Lage ist gefährlicher als in den 1970er Jahren’ – Politikwissenschaftler Johannes Varwick über eine gefährliche Militarisierung der internationalen Politik, weshalb Europa im Ukrainekrieg umdenken sollte und warum langfristige Stabilität nur durch Diplomatie und Rüstungskontrolle entstehen kann.”

Die Popup-Werbung der Ippen-Gruppe erzeugt in mir Gewaltfantasien. Lassen Sie sich nicht abschrecken. Varwick bekämpft sie.

Vernunft – Beueler-Extradienst

Von Hühnern lernen

Journalismus ist möglich III

Ich war 3. Hier beginnen meine bewussten Lebenserinnerungen. Ich war ein Vierteljahr bei meinen Grosseltern untergebracht. Sie lebten in einem Behelfsheim in Glinde bei Hamburg, mit einem idyllischen Garten und eine “Strasse”, die jeden Stossdämpfer der bereits frei herumfahrenden Autos bei über 20 km/h sofort ermordet hätte. Ein Kinderparadies also. Ich war mit 3 oben auf dem Hamburger Michel, der Hafen sah damals schon unfassbar grossartig aus, aber: untenrum am Michel, 15 Jahre nach dem Krieg, nur Trümmer und Zerstörung.

In dem erwähnten Garten hielten mein Grosseltern in einem gut gesicherten Käfig einen Hahn und 4 oder 5 Hühner. Alle weiss. Nur eins war schwarz. Das war Pizzi und wurde meine Freundin. Denn es wurde von den Weissen immer erst als Letztes ans Futter gelassen. Und der böse Hahn war auch immer ganz gemein. Nach einigen Jahren erhielten meine Grosseltern eine Sozialwohnung in Glinde-Wiesenfeld, da, wo Jan van Aken aufgewachsen ist. Da war Schluss mit Hühnern, irgendjemand wird Pizzi gegessen haben. Kinderparadies war auch vorbei. Das wurde ersetzt durch einen sonnigen Westbalkon und einen funktionierenden Fernseher.

Wie kommichdrauf?

Mein heutiger Lieblingstext des Tages ist, ebenfalls nicht zum ersten Mal, von dem fabelhaften Landwirtschaftsreporter Florian Schwinn/overton:

Die Henne und das Osterei – Alle Jahre wieder feiern wir ein Fest der Eier oder wenigstens eines mit Eiern. Schon Wochen vorher bieten die Supermärkte bunt gefärbte gekochte Eier an. Schön in Plastikblister verpackt, damit man die Farben auch sehen kann. Je näher Ostern rückt, desto mehr Eier werden angeboten, auch frische in hoch gestapelten Kartons, daneben die Eierfarben zum Selberfärben.”

Noch einer hat Misik gelesen

Der hochgeschätzte Kolumnisten-Kollege René Martens/MDR-Altpapier hat, wie ich gestern, Robert Misik gelesen. Ähnlich kritisch, nur wesentlich kürzer angebunden formuliert.

Die Freiheit, andere zum Schweigen zu bringen – Viele vermeintliche Kämpfer für die Meinungsfreiheit sind ihre größten Gegner. Die Debatte um sogenannte Blasen ist auch schon lange kontraproduktiv. Und Wolfram Weimer macht wieder Wolfram-Weimer-Sachen.”

Abgesehen davon, dass ich Autor Martens immer lesenswert finde, gibt es ein von ihm verwendetes Zitat, das mir heute eine besondere Erwähnung wert ist:

Es ist ein Zitat des Tagesspiegel-Autors Sebastian Leber:

“Weil Opfer dieser Angriffe meist allein gelassen werden, macht sich Vermeidungsverhalten breit. Politiker, Journalisten und Vertreter der Zivilgesellschaft achten darauf, bloß nichts von sich zu geben, das die Empörer für eine Kampagne nutzen könnten. Es zeigt sich ein klares Muster: Nicht nur Positionen werden von Protagonisten des Rechtsrucks bekämpft, sondern zunehmend auch das Recht, diese zu äußern.”

Exakt dieses “Vermeidungsverhalten” berichtete mir ein freier Autor am letzten Samstag beim gemeinsamen Fussballgucken aus den Redaktionen der öffentlichen Medienanstalten als herrschende Stimmung und Leere. Wie ich gestern schon schrieb: ein Bild des Jammers.

Meine individuelle Konsequenz ist Mediendiät. Politisch keine Lösung, ich weiss. Aber ich muss auf meine Gesundheit achten.

Von Hühnern lernen – Beueler-Extradienst

Alljährliche “Silvesternacht”

Und das mehrtägig – es war “schon immer so”

Mit der Kölner Silvesternacht 2015/16 gelang es den Rassist*inn*en dieser Republik, die Herrschaft über den medienbasierten Diskurs unseres Zwergstaates (zurück) zu erobern. “Den Frauen” ist das in keiner auch nur ähnlichen Weise gelungen. Die gute Nachricht ist: sie haben in der Zwischenzeit eigene Schutzstrategien entwickelt, nicht alle aber viele.

Das ist dieser gelungenen Reportage von Verena Köplin/WDR zu entnehmen: Unter Umständen sicher: Wie sich der Kölner Karneval als Frau anfühlt – Karnevalssamstag, der Pegel steigt, die Kölner Straßen füllen sich. Wie sicher ist das eigentlich, wenn man als Frau feiern geht?”

Männer gibt es eben nicht nur in Nordafrika. Doch wohin mit ihnen in diesen Tagen? Beruhigen Sie sich – nicht “alle”. Aber auch nicht wenige.

Was bei o.g. Diskurswende “unten raus gekommen” (zit. Helmut Kohl) ist, und zwar für Frauen und Männer, das weiss Bernhard Torsch/Jungle World:

Die Bundesregierung fordert mehr Arbeit und weniger Kranksein: Lieber leidvoll leben – Die Bundesregierung, Unternehmerlobby und Boulevardmedien mahnen das deutsche Arbeitsethos an. Da kann der eine oder die andere eben auch mal auf der Strecke bleiben. Eine Kolumne über Leistungsideologie und deutschen Wahn.”

Ist daran was besonders deutsch? Das untersucht Catherine Liu/overton aus New York:

Ketch’up, Germany! – Deutschlands Versuch, mit dem US-Kapitalismus ‘aufzuholen’, hat eine neue Elite hervorgebracht – und eine wachsende Entfremdung von der Arbeiterklasse.”

Ihre Folgerung “Parteien wie die AfD könnten nicht gedeihen, wenn es keine abgehobene deutsche PMC gäbe …” ist zwar rhetorisch verführerisch, aber analytisch allzu lässig. Diese gedankliche Nachlässigkeit – und ihre optische Hervorhebung durch die BSW-nahe overton-Redaktion – droht ihre erwägenswerten Gesichtspunkte zu entwerten.

Wäre schade eigentlich, denn abwegig ist Mrs. Lius Blick nicht. Die Spaltung der Lohnabhängigen ist eine jahrhundertelang erprobte Herrschaftstechnik. In nur wenigen Ländern dieser Welt funktioniert sie so “perfekt”, wie in Deutschland. Eine Perfektion, die sich in zwei von hier aus angefangenen Weltkriegen dokumentierte. Geschichte wiederholt sich als Farce.

Alljährliche “Silvesternacht” – Beueler-Extradienst

Macht

Ein Appell an den Genossen Klingbeil? – Und wo die MedienMacht herkommt und heute sitzt

Der von mir sehr, sehr geschätzte Genosse Mützenich setzte sich soeben mit dem Begriff der Macht auseinander, wie ihn möglichweise der Bundeskanzler versteht, und wie ihn sinnvollerweise Demokrat*inn*en in Deutschland und der EU verstehen sollten. In meinen Augen tut er das – mal wieder – sehr instruktiv:

Rolf Mützenich/IPG-Journal: Rückkehr der Machtpolitik – Sozialdemokratische Außenpolitik darf sich nicht auf militärische Stärke verengen – Macht entsteht auch durch Regeln, Institutionen und Kooperation.”

Um es für verbohrte “Marktwirtschaftler*innen” verständlich zu machen: der Autor beschreibt eine speerangelweite Lücke auf dem Weltmarkt, die die Despoten und Autokraten dieser Welt der*dem zu Füssen legen, die*der weiss damit umzugehen und sie mit politischem Inhalt (und Diplomatie!) zu füllen. Wer beherrscht dieses Handwerk heute noch? Lars Klingbeil? Bärbel Bas? Ich weisses nicht. Und wünsche Rolf Mützenich viel Erfolg bei der Suche.

Kompakte Geschichte der MedienMacht

Ich rätsele schon länger, wer sich hinter der Autorenbezeichnung “Danny Patrick Rose” verbirgt. Schreiben kann er (wenn er ein Mann ist). Wenn er eine Frau ist, ist es mir auch recht. Eva C. Schweitzer wird es ja wohl nicht sein, oder? Seiner Fantasie-Biografie glaube ich jedenfalls nur in Teilen.

Danny Patrick Rose/overton: Die Ellisons und die amerikanischen Medien – Von einem 16-jährigen jüdischen Einwanderer auf Ellis Island bis zum milliardenschweren Medienmogul David Ellison – einem Mann mit direktem Draht ins Weiße Haus.”

Ein kleines aber relevantes Detail fehlt bei ihm, wahrscheinlich weil er sich wie so viele “nicht für Fussball interessiert”. Der Paramount-Konzern des trumpfreundlichen Ellison-Clans hat sich für die nächsten vier Jahre die wertvollsten TV-Rechte des Profifussballs (der Herren) bei der Uefa-Mafia gesichert: die Champions League. Damit sind sie ein Elefant auf dem europäischen Medienmarkt. Niemand wird sich trauen, den zu jagen.

Oder doch? Bitte melden, bitte aus der Deckung kommen und sich zeigen. Gegen diese Gangster hilft nur harter Widerstand. “WM-Boykott” ist dagegen wie Kinderzimmer.

Macht – Beueler-Extradienst

Perlen des Tages

Gestern: Schwarze Boxer und Käse

Ursula Trüper hat eine schöne kleine Geschichte geschrieben: Black History Month: Der wirkliche Mister Amerika – Schwarze Boxer waren in den USA stets eine Provokation für die rassistische Mehrheitsgesellschaft – und Vorbilder für den Kampf um Gleichberechtigung”. Schade eigentlich, dass die in ein paar Tagen in einem Paywall-Archiv verschwindet. Und einen schweren Fehler habe ich entdeckt, in Fussnote 18.

Für jede Ehrung von John Carlos bin ich zu haben. Vor über 8 Jahren machte Sport inside (WDR) dieses Interview mit dem alten Mann. Dieses Foto von der Siegerehrung 200m der Männer wurde zu einer Ikone der Olympischen Spiele 1968 in Mexiko, sowie der Bürgerrechtsbewegung in den USA. Nur ist der Silbermedaillengewinner der weisse Mann links im Bild, der Australier Peter Norman. Carlos gewann “nur” Bronze in glatten 20 Sekunden. Ich war 11, und seitdem bin ich Fan dieser alten Männer – beispielgebend.

Käse – Veganer*innen bitte gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen!

Florian Schwinn ist einer der Autor*inn*en, die Florian Rötzer von telepolis zu overton mitgebracht hat. Ein Erfolgstransfer. Florian Schwinn hat Ahnung von Nahrungsmittelerzeugung und Landwirtschaft, ist neugierig und kann gut schreiben. Nehmen Sie das:

Alles Käse – Die Geschichte, die zu dieser Kolumne geführt hat, beginnt – wie sich das beim Obertitel »Führerschein für Einkaufswagen« gehört, mit einem Einkaufswagen. In den konnte ich an jenem Tag nicht das legen, was dort hineinsollte. Ich schaute die reichhaltige Käsetheke im Bioladen durch und fragte dann: Gibt’s keine »Blaue Stunde«? Antwort: Die machen die nicht mehr. Wie bitte? Mein Lieblingskäse wird nicht mehr produziert. Warum nicht? Antwort: Keine Ahnung.”

“Blaue Stunde” – nicht nur eine Galerie in der Bonner Nordstadt (Dorotheenstr. 37, da gibt es auch Käse!), sondern ein Käse – den würde ich sofort probieren, Preis egal.

Perlen des Tages – Beueler-Extradienst

Beitrag zur Schadenfreude

Mann gönnt sich ja sonst nichts … Schon seit Jahren ist mein Eindruck beim Konsum von Bild und Ton des US-Präsidenten in elektrischen Medien (bei aller Diät), dass er jeden Moment tot umfallen könnte. Vielleicht nagt es auch schon in ihm selbst? Ich weiss, wovon ich schreibe, nachdem ich vor gut einem halben Jahr einen Herzinfarkt überlebt habe. Zu gönnen ist es ihm. Doch was dann?

Wer intellektuell nur mit den einfachsten Basiselementen materialistischer politischer Analyse vertraut ist, eine Fähigkeit die in der hiesigen Medienöffentlichkeit weitgehend ausstirbt, weiss: es kann immer noch schlimmer kommen.

Das illustriert dieser Beitrag von Clarence Lusane/TomDispatch/overton: Genauso gefährlich: Vance und die Wahl 2028 – Donald Trump könnte natürlich trotz der US-Verfassung der republikanische Präsidentschaftskandidat für 2028 sein. Obwohl in der 22. Verfassungsänderung klar festgelegt ist, dass ‘niemand mehr als zweimal zum Präsidenten gewählt werden darf’, könnte es durchaus eine Mehrheitsentscheidung des Obersten Gerichtshofs sein, die darüber entscheidet, ob dies für Trump gilt.”

Wer sich schon mal mit der Figur J.D. Vance beschäftigt hat, weiss, was den USA und der Welt blüht.

Meine Schadenfreude wird daraus gespeist, dass diese gemeingefährlichen Säcke sich gegenseitig hassen, wie die (tödliche!) Pest. Es macht keinen Spass, unter diesen Umständen Macht auszuüben, so sehr mann auch versucht das zu kompensieren. Es macht krank und bringt einen irgendwann um. Das ist in Washington so wie in Berlin, von wo der Spiegel in seiner Paywall die aktuellen Intrigen innerhalb der CDU zusammenfasst (der “Andenpakt”, den Merkel so virtuos in Schach gehalten und kaltgestellt hat, lebt).

Subjektiv ist es so, dass das, was da beschrieben wird, den Betroffenen zu gönnen ist. Sie haben es nicht anders verdient. Es trifft die Richtigen.

Desillusionierend ist, das es nicht durch politisches Handeln irgendeiner Opposition bewirkt wird, sondern ein logischer Prozess innerer Zersetzung der politisch organisierten Menschenfeindlichkeit ist.

“Unser” Problem ist: es führt bei den Betroffenen nicht zu irgendeiner Einsicht, sondern zu weiterer Radikalisierung. Sie glauben, sie müssten nur umso doller weitermachen, um Erfolg und Befriedigung zu finden. Das heisst: die Gefahr wächst.

Zuspitzung zur WM

Sofern er bis dahin überlebt, wird Trump versuchen, die Fussball-WM (der Herren) im Sommer als Krönungsmesse seiner selbst zu inszenieren, um das Blatt zu den Midterm-Elections Anfang November zu seinen eigenen Gunsten zu wenden. Das wird weit spannender als die sportlichen Leistungen in den überhitzten bzw. teuer klimatisierten Stadien. Wer davon was sehen will, muss tagsüber schlafen und nachts gucken.

Denkbar ist, dass die zahlenden und steuernden Hintersassen des orangehaarigen Avatars zu der Einschätzung kommen, dass das aussichtslos, und deswegen ein Personalwechsel an der Spitze erforderlich ist. Das ist die eigentliche Lebensgefahr für den alten menschenhassenden weissen Mann.

Wie wird sich Gianni Infantino in seiner Wohnung in Trumps Enddarm verhalten? Wird er ihn vor einem Sturz von der Ehrentribüne eigenhändig schützen? Oder wird er von Peter Thiel und J.D. Vance dazu bestochen, das Gegenteil zu tun? Alles eine Frage des Preises.

Die Spannung steigt.

Beitrag zur Schadenfreude – Beueler-Extradienst

Nur Theorien?

Zwei aktuelle Verschwörungen

Wenn ich einen Begriff heute besonders hasse, dann ist es “totschweigen/totgeschwiegen”. Ich war selbst in den 70er Jahren mitten im Auge so eines “Totschweige”-Sturms. Er funktionierte aber nur in der West-BRD. Weltweit scheiterte er für die Bundesregierung geradezu katastrophal, dokumentiert durch Beschlüsse der UN-Generalversammlung. Heute wäre das so nicht mehr möglich, und das ist gut so. Fragen Sie das iranische Mullahregime, die Chinesische Kommunistische Partei, Donald Trump oder Benjamin Netanyahu, wie kompliziert das heute ist.

Eine Verschwörung hat uns eben Küppi vorgesetzt. Und er hats ja auch nur gelesen. Ebenso wie gestern Jörg Kronauer/Junge Welt: Grönland: Investoren schon da – Neue Berichte über Einfluss von US-Milliardären auf Donald Trumps Annexionspläne. Es geht um Ressourcen und eine Menge Geld”. Seine Erkenntnisse wird die vorgeblich “linksradikale” Junge Welt in einigen Tagen in ihrem Paywallarchiv beerdigen. Küppi bleibt uns dagegen hoffentlich erhalten.

Gelesen haben die beiden neben US-Medien, die sich das noch trauen, auch in der dänischen Politiken, von der es auch eine englischsprachige Version gibt. Doch Achtung, auch dort wird mit Bezahlmauern gearbeitet.

Totschweigen ist jedenfalls was Anderes und vorzugsweise eine Ausrede von Leuten, die zu ideenlos und denkfaul sind. Ausgenommen allenfalls solche, die unter real existierendem Faschismus Widerstand organisieren müssen. Aber auch ihnen kann längst und seit vielen Jahrzehnten wirkungsvoll aus dem Ausland geholfen werden. Es bedarf dafür freilich grosser Resilienz und mindestens mittelmässiger Intelligenz. Nicht alle schaffen das.

Die deutschen faschistischen Mörderbanden

Das ist die spezifisch deutsche Blamage. Die Mörderbanden und das menschenfeindliche Weltbild gab es schon lange vor der AfD. Es war nie weg, bekommt aber jetzt eine wirkungsvolle parlamentarische und medienmächtige Artikulation.

Die darf sich ermuntert und gestärkt fühlen durch die staatlichen Behörden, die hierzulande für Sicherheit und Rechtsstaat zuständig sind. Sie machen ihren Job nicht. Und das wiederum ist so gewöhnlich und unspektakulär, dass sich kaum noch ein relevantes Medium dafür interessieren mag.

Ausser Thomas Moser/overton. Der setzt sich immer noch in einen Prozess, in dem die Bundesanwaltschaft ihre Personalressourcen schon um ein Drittel verringert hat: Der NSU-Eminger-Prozess: Kommt der V-Mann Marschner ins Spiel? – Die Anklage der Bundesanwaltschaft erodiert in der Hauptverhandlung vor dem OLG Dresden zusehends. Jetzt kam überraschend die Figur Ralf Marschner zur Sprache.”

Ich habe selbst ein distanziertes Verhältnis zu diesem Medium, in dem seinen selbstgemachten Leser*innen-Umfragen zufolge BSW- als auch AfD-Sympathisant*inn*en recht zahlreich zusammenkommen. Und wie sozialkompatibel der Kollege Thomas Moser zu kollektivem redaktionellem Arbeiten in der Lage ist, weiss ich nicht, weil ich ihn nicht persönlich kenne. Aber kein grosses oder kleines Medium ist daran gehindert, seine Arbeit besser zu machen, als er es tut. Sie tuns aber nicht. Das ist zum Schämen.

Nur Theorien? – Beueler-Extradienst

Die kranke Republik

Die Herrschenden machen die Beherrschten krank – und danach jammern und wehklagen sie selbst

Die deutsche herrschende Klasse ist zweifellos auch die herrschende Klasse unter den herrschenden Klassen der EU. Doch diese ist zweifellos schlecht damit beraten, sich das bieten zu lassen. Der potenzielle EU-interne Rivale Frankreich hat keine Kraft mehr zu rivalisieren, nur noch seine Atomwaffen. Die Deutschen haben die EU im Wettbewerb der Grossmächte zielsicher ins Stadium der Lächerlichkeit bugsiert. Wenn es irgendwo auf der Welt um was Wichtiges geht, vorzugsweise Krieg und Frieden, müssen sie an den Kindertisch.

Niemand hat dafür Mitleid verdient. Ich zähle mich nicht zu den Herrschenden, sondern zu denen, die ihnen “in unserem Land die Macht abnehmen wollen” (Jungdemokraten-Bundeshauptausschuss 1980 im “Haus Steineck” in Bad Godesberg, direkt neben dem “Weinhäuschen” mit der guten österreichischen Küche, und in Anwesenheit des damaligen FDP-Generalsekretärs Günter Verheugen).

Die herrschenden deutschen Milliardär*inn*e*n und ihre leitenden Angestellten summen nun schon seit Jahren das klassisch-deutsche Untergangslied. Sie glauben, mit dem Auspressen der Beherrschten, der Arbeitenden, der Alten und der Kranken noch nicht fertig zu sein. Für den Vortrag dieser Lieder unterhalten sie eine grosse Zahl von Pausenclowns in den Medien, die sie entweder besitzen oder politisch beherrschen. Insbesondere an Sonn- und Feiertagen bestimmen die Medien des über die angebliche “Brandmauer” Brücken bauenden Springerkonzerns die Agenda. Die Nachrichtensender der nominell “uns” gehörenden Medien lesen dann brav aus ihnen vor. Als sei das Information. Die Mehrheit hat sich längst daran sattgehört, und lenkt sich davon ab.

Die Mehrheit wird krank

Während diese Medien uns weismachen wollen, wir seien faul, werden wir krank. Wie bei allen anderen Entwicklungstendenzen hat die Corona-Pandemie das verstärkt und beschleunigt. Das schafft auch niemand mehr wegzudiskutieren.

Hier dazu die AOK-Untersuchungen.. Hier Untersuchungen der Barmer, bei der auch ich versichert bin. Hier die bundesweite 2024er Statistik der häufigsten Erkrankungen. Und hier eine Untersuchung im Auftrag der DAK zum internationalen Vergleich, die klar aussagt, dass Vergleiche aufgrund zu unterschiedlicher Datenbasis objektiv nicht möglich sind. Aber kennen Sie ein deutsches Medium, dass sich daran stört?

Die öffentlichen Deutungskämpfe um Gesundheit und Krankheit sind schlichte Symptome der aktuellen Klassenkämpfe. Wem es schlecht geht und wer scheisse aussieht, die/der hat was falsch gemacht. Und soll nicht auf dumme Gedanken kommen.

Um doch auf solche Gedanken zu kommen, empfehle ich den Blog-Kollegen Stephan Schleim. Der beschäftigt sich mit diesen Dingen wissenschaftlich. Als Buddy von Florian Rötzer ist er mit ihm zu overton gewandert, und bleibt dort so lesenswert, wie er immer war. Der Grund ist seine abwägende Tonalität, die bei overton, nunja, nicht die Regel ist. Hier schreibt er über den heissen Scheiss aller Krankheiten ADHS:

In nur wenigen Jahren verdoppelte bis versechsfachte sich die Häufigkeit der ADHS-Diagnosen – Seit der COVID-Pandemie explodieren die psychiatrischen Diagnosen förmlich.”

und der zweite Teil:

Warum wird ADHS immer häufiger und auch bei Frauen diagnostiziert? – Man liest es regelmäßig in den Medien: Psychologisch-psychiatrische Störungen werden immer häufiger diagnostiziert. Die Mengen der verschriebenen Medikamente steigen rasant. Die Wartelisten für eine Therapie sind lang. Man brauche mehr Therapeutinnen und Therapeuten.”

Danke. Möge es unsere Gesellschaft zum Denken anregen.

Meine Empfehlung zur Ablenkung

Und für das lange bingewatchingkompatible Wochenende. Das ZDF hat eine neue Staffel “Sketch-History” produzieren lassen, 10 Folgen. Schön billig in Bulgarien. Am besten gefallen mir die Scherze über Talkshows, Stichwort: “Lanzelot”. Und am Sonntag gibt es einen brandneuen “Barnaby”. Beides macht garantiert nicht krank. Ausser Sie verzehren dazu Ungesundes.

Die kranke Republik – Beueler-Extradienst

Die nächste Pandemie?

Mangel an schlechten Nachrichten gibt es nicht und für niemanden. Oder? Wenn mann “auch mal das Positive sehen” (Adenauer) will, dann liesse sich das Folgende so betrachten: wie schön, dass wir keine Tiere sind. Die Texte des Autors Florian Schwinn/overton haben erfreulicherweise fast nie einen jammernden Grundton, sondern enthalten formulierte Alternativen. Weil er recherchiert, sich umhört, Fachleute befragt, die nicht schon eine Talkshow-Tournee hinter sich haben. So auch hier:

Das Virus aus der Hühnerfarm – Das Virus aus der Hühnerfarm ist das Influenza-A-Virus H5N1, das derzeit die Krankheit auslöst, die wir als Vogelgrippe oder Geflügelpest bezeichnen. Aber wieso »das Virus aus der Hühnerfarm«?”

Die Leichtfertigkeit, mit der Zoonosen riskiert werden, um das Geschäftsmodell der grossindustriellen deutschen Landwirtschaft zu erhalten, ähnelt dem verzweifelten Todeskampf um die deutschen Verbrennermotoren. Beides kann für viele von uns tödlich enden. Und ist mit tödlicher Sicherheit Symptom einer absteigenden Macht.

Oder wie würde Herr Adenauer “das Positive” sehen?

Kontrolle über die Realität

Die herrschenden Oligarchen sind im Begriff, sich ihre Wirklichkeit selbst zu schaffen. Politiker*innen, die sie daran hindern, sie gar kontrollieren und in ihrem Treiben einzuschränken, sind weit und breit nicht zu entdecken. Im Gegenteil: ihr Mächtigster geht voran.

Ralf Heimann/MDR-Altpapier: Wann tötet das Weiße Haus Journalisten? – Die US-Regierung stellt kritische Medien an einen Online-Pranger. Der Präsident droht Politikern mit dem Tod. Die Armee tötet mutmaßliche Drogenhändler, die wehrlos im Wasser schwimmen. Wie geht es weiter?”

Mitmachen oder widerstehen? Eine lebensgefährliche Frage. In Kürze auch bei uns.

Die nächste Pandemie? – Beueler-Extradienst

Rente – störende Fakten

Umdichtung: “Generationenkrieg” statt Klassenkonflikt – gibts das schon als “KI”?

Nur die allerdümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber. In diesem Fall ist es der alte, weisse, deutsche Mann. Er hat seit dem Krieg schon immer rechts gewählt, mehrheitlich. Der CDU-Politiker Norbert Blüm war vielleicht der Letzte, der wusste, was dieser Mann wollte: “Die Rente ist sicher!” Der deutsche Mann, die Mehrheit dieses Typus, glaubt sich bei den Rechten sicherer. Das deutsche Bildungssystem war halt nicht besser …

Meine Rente ist zwar sicher. Wenn ich mir aber 1999 nicht eine Eigentumswohnung hätte kaufen können – heute wäre das utopisch – wäre ich heute von Altersarmut betroffen, mit drei Renten (Deutsche Rentenversicherung, Riester-Rente und Zusatzversorgungskasse des öffentlichen Dienstes/Betriebsrente). Die Wohnung macht den Unterschied.

Mein persönlicher und absolut bester politischer Rentenberater war mein Mitautor Matthias W. Birkwald, 2009-2021 MdB. Sehr gut und effizient war auch die Rentenberatung bei der Deutschen Rentenversicherung hier in Bonn (von Anderen hörte ich, dass das nicht immer und überall der Fall ist). So gelangte ich sicher an Land. Ich klage nicht.

Hanebüchen und skandalös-hetzerisch ist dagegen der öffentliche Mediendiskurs. Er baut rücksichtslos und brutal auf der Tatsache auf, dass niemand von uns Alten “zur Last fallen” will. Und darauf, dass die Mehrheit der Alten ja sowieso immer rechts wählt. Und, anders als die Jungen, zuverlässig das Wählen als staatsbürgerliche Pflicht betrachtet.

Die sozialen und ökonomischen Tatsachen sprechen dagegen. Aber seit wann sollen die politisch relevant sein? Wenn Sie dennoch zu der kleinen radikalen Minderheit gehören, die daran interessiert ist, lesen Sie entweder den oben verlinkten Kollegen und Freund Birkwald (mit ähnlichen Gesundheitsproblemen wie ich, solidarische gute Besserung!) und ergänzend bitte hier entlang:

Reiner Heyse/overton: Die Rentner sind immer zu teuer! – egal wie billig sie sind … Wer würde eine solche Umfrage bezahlen: ‘Sind Sie dafür, dass die Renten bis 2040 um 6% statt 4% gesenkt werden?’ Denn darum geht der Streit zwischen Junger Union & Co und der schwarz-roten Regierung. Die Einigkeit der Streitenden hinter dem medialen Getöse besteht darin: Die Renten müssen unbedingt weiter gekürzt werden. Die Ergebnisse derartiger Umfragen sind bis jetzt eindeutig. Deshalb werden sie tunlichst vermieden.”

Und hier:

Gerd Bosbach/Chambre des Salaries, Luxembourg 2024: “Rentenmythen aufgedeckt: Demografie im Fokus”

Millionär/inn*e*n und noch mehr Milliardär*inn*e*n führen ein angsterfülltes Leben, Verlustangst. Sie haben ja auch mehr zu verlieren als Sie und ich. Was, wenn die Mehrheit von uns auf dumme Gedanken kommt? Nicht auszudenken, was für Irre frei rumlaufen dürfen. Was, wenn das ein Virus ist? Wenn arme Junge merken, dass sie auch als Alte arm sein werden? Die Reichen wissen es schon …

Wenn Sie die heutige Bundestagsdebatte erlitten haben sollten, nehmen Sie das bitte als Gegengift. Lesen hilft. It’s politics, stupid!

Rente – störende Fakten – Beueler-Extradienst