Wann wird Journalismus eigentlich wenigstens ein bisschen erwachsener? Eine Schlagzeile wie..
"Er will die Rezepte und die Marke retten: Berliner Ex-IHK-Chef kauft Feinkost-Institution Rogacki"
.. verleiht Jemandem, hier dem Berliner Ex-IHK-Chef, eine (noch) nicht verdienten Glanz und ein Ansehen, dass man sich gemeinhin erstmal verdienen muss. Wir haben an unzähligen Beispielen erlebt, wie das Aufkaufen von Markenrechten rein gar nichts rettet, außer dem Bankkonto des Kaufenden. Meistens werden Angestellte noch stärker unter Druck gesetzt (weil, jetzt müssen die sich aus Dankbarkeit erst recht und noch mehr den Arsch abarbeiten). Der Kaufende erfährt eine Aufwertung und dünnt in den meisten Fällen die guten Dinge aus. Hier, Rezepte werden wahrscheinlich meistbietend verhökert oder sie werden das nicht, dann werden sie "optimiert" = billigere Zutaten, weniger Aufwand bei der Herstellung, schlechtere Preise für die Warenquellen. Und in einigen Jahren lesen wir, die Kette sei jetzt wieder pleite und das wirkliche Wesen des neuen Geldgebers kommt zutage. Und, Überraschung: Er ist kein Heiliger, sondern nur ein Halunke mehr.
Lieber Journalimus, könnt ihr bitte erwachsen werden? Auch das wäre gerade in diesen Zeiten notwendig, damit ihr eure Aufgabe erfüllen könnt. Vorgeschlagene Handlungsreihenfolge: Zuerst Denken. Dann Schreiben. Dann nochmal Denken. Dann veröffentlichen.

