Hörspiel des Monats März 2026

Landnahme

von Christoph Hein

Bearbeitung: Laila Stieler
Regie: Kai Grehn
Komposition: Tarwater / Gesang: Muttis Kinde
Dramaturgie:Juliane Schmidt
Produktion: RBB 2025
Länge: 1. Teil: 55 min. / 2. Teil: 61 min.
Ursendung: RBB radio3, 4. und 11.01.2025

Die Begründung der Jury

Wir prämieren „Landnahme“ von Christoph Hein in der Regie von Kai Grehn und der Bearbeitung von Laila Stieler. „Landnahme“ erzählt das Ankommen der deutschen Geflüchteten aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten in einer deutschen Kleinstadt. Das Hörspiel stellt eine sehr gelungene Romanadaption dar, die behutsam, respektvoll und virtuos mit der literarischen Vorlage umgeht. Diese künstlerische Übersetzung überzeugte uns. Die Dramaturgie und die Regie des Hörspiels beeindruckten uns, genau wie die Sprecher*innen. Es ist dicht, atmosphärisch und spannend erzählt. Das liegt nicht zuletzt an der Musik von Tarwater, die sich super organisch mit dem Sounddesign verbindet und einen behutsamen, aber bestimmt durch die verschiedenen Zeitebenen und Orte, in denen die Handlungen stattfinden, führt. Ganz besonders schön sind die Chorarrangements des A-capella-Trios Muttis Kinder.

Landnahme

Das Hörspiel des Monats wird am Samstag, den 04.04.2026 um 20.05 Uhr im Deutschlandfunk (DLF) wiederholt.

Die Nominierungen

2025-01-02, Frauen und Fiktion: Hallo, ich bin Geld, DLF Kultur
2025-01-08, David Lindemann: Echokammer, DLF Kultur
2025-01-13, Ulrike Haage: Nichts ist, sagt der Weise, RBB
2025-01-18, Merzouga: Wildly tender is thy music – Lieder aus dem Moor, DLF
2025-01-24, Helmut Peschina: Treibholz, ORF

2025-02-01, Heiner Goebbels: Orakelmaschine, SWR
2025-02-17, Michael Stauffer: Ihr habt echt keine Ahnung, in der Schweiz gab es nie Sowjetunion, SRF

2025-03-03, AnniKa von Trier: Spurensuche Hannah Höch, rbb
2025-03-03, David Paquet: Sternschnupfen, SR
2025-03-06, Anonym: 1001 Nacht nach der Neuübersetzung von Claudia Ott, DLF
2025-03-12, Andi Unger: Es gibt kein richtiges Leben, ihr Flaschen!, BR
2025-03-19, C. F. Ramuz: Sturz in die Sonne, SRF
2025-03-26, Oliver Sturm: Die Erschöpften – Folge 1 von 10 – Erwerb von Urlaubskompetenz, NDR/DLF 2025
2025-03-26, Oliver Sturm: Die Erschöpften – Folge 2 von 10 – Pre-Holiday-Holiday, NDR/DLF 2025
2025-03-26, Oliver Sturm: Die Erschöpften – Folge 3 von 10 – Spaß! Spaß! Spaß!, NDR/DLF 2025
2025-03-31, Sathyan Ramesh: Lélé, hr

2025-04-01, Akin Emanuel Sipal: Mutter Vater Land, BR
2025-04-03, Basil Zecchinel / Clara Schiltenwolf: Requiem for a lobster, DLF
2025-04-03, Olga Ravn: Die Angestellten, DLF Kultur
2025-04-03, Schorsch Kamerun: Bevor wir kippen, DLF Kultur
2025-04-06, Maike Wetzel: Schwebende Brücken, SWR
2025-04-10, Dominika Jerkić & Marc Matter: Oroboro, SWR
2025-04-15, Ernst Jünger: Auf den Marmorklippen, SWR
2025-04-15, Walter Filz / Edgar Allan Poe: Der Untergang des Hauses, SWR
2025-04-16, Peter Bichsel: Nichts Besonderes, SRF
2025-04-17, Aleksandar Tisma: Der Gebrauch des Menschen – Teil 1 von 3, MDR
2025-04-17, Aleksandar Tisma: Der Gebrauch des Menschen – Teil 2 von 3, MDR
2025-04-17, Aleksandar Tisma: Der Gebrauch des Menschen – Teil 3 von 3, MDR

2025-05-06, Noam Brusilovsky / Ofer Waldman: Wer weiß wer kennt, rbb
2025-05-13, Dominik Bernet: Brot weint, SRF
2025-05-13, Arne Salasse: Die Glitzer-Gang – Folge 3 von 6 – Der Meisterdieb, hr
2025-05-13, Arne Salasse: Die Glitzer-Gang – Folge 4 von 6 – Zu viel Zaster, hr
2025-05-13, Arne Salasse: Die Glitzer-Gang – Folge 5 von 6 – Totale Krise, hr
2025-05-23, Hans Magnus Enzensberger: Der Untergang der Titanic, ORF

2025-06-04, Hermann Kretzschmar: Aristo Games_Paralipomena 1 – Emily Pop, SWR
2025-06-04, Hermann Kretzschmar: Aristo Games_Paralipomena 2 – I.K, SWR
2025-06-04, Leonie Ziem: Kind aus Seide, SWR
2025-06-05, Armin Smailovic: Branko Simic: Srebrenica, DLF Kultur
2025-06-05, Michel Decar: Die Kobra von Kreuzberg, DLF Kultur
2025-06-13, Sabine Ludwig: Und dann saß ich da mit meinen 7 Unterhosen in der Hand, rbb
2025-06-17, Magda Woitzuck: Mallorca, Mord und Margaritas, hr

2025-07-03, Albrecht Kunze: Das Ding aus keiner anderen Welt als dieser, SWR
2025-07-03, Sven Recker: Der Afrik, SWR
2025-07-04, Stefan M. Bürkner: Gestern war die Welt noch schlecht, DLF Kultur
2025-07-22  Antoine de Saint-Exupery: Nachtflug, ORF
2025-07-04, Gregor Schmalzried: Mia Insomnia 3, BR
2025-07-22, Philipp Blom: Vier Stürme, ein Sturm, ORF
2025-07-07, Raoul Schrott: Sternenhimmel der Menschheit, BR
2025-07-27, Friedrich Ani: Die Wut der Wellen, NDR

2025-08-18, Stefanie Sargnagel: Iowa – Ein Ausflug nach Amerika, ORF / DLF Kultur
2025-08-28, Felix Kubin: FLOW – Beyond Baroque and Words, BR

2025-09-04, Caroline Wahl: Windstärke 17, HR
2025-09-04,Dana von Suffrin: NIEWIEDERGUT, BR
2025-09-04, Lene Albrecht: Kamina, DLF Kultur
2025-09-04, Magda Woitzuck: Zwei Schwestern, HR
2025-09-04, Marlen Hobrack: Schrödingers Grrrl, DLF Kultur
2025-09-08, Fabian Saul: Die Ästhetik des Widerstands, DLF Kultur
2025-09-08, Marcus Steinweg: Metaphysik der Leere, DLF
2025-09-11, Lars Werner: Das Ende des Westens, rbb
2025-09-15, Victor Sattler: Stolpertexte Folge 7 Hoffentlich ist es dann noch nicht zu spät, MDR
2025-09-25, Dirk Schmidt: Crrowl, RB

2025-10-04, Yannic Han Biao Federer: Für immer seh ich dich wieder, NDR
2025-10-16, Bergsveinn Birgisson: Antwort auf den Brief von Helga, ORF-SF
2025-10-20, Gesche Piening: Göttlich bleiben, BR
2025-10-22, Jovana Reisinger: Das große Leid, das kleine Leben, DLF Kultur
2025-10-22, Leonhard F. Seidl: Fronten, DLF Kultur
2025-10-22, Natalie Baudy: Fairycoin, DLF Kultur
2025-10-22, Herta Müller: Die Welt schaukelt und du willst glücklich sein, DLF
2025-10-30, Kai Grehn: Imiona nurtu – Die Namen der Strömung, SWR
2025-10-30, Ricarda Messner: Wo der Name wohnt, SWR

2025-11-02, Ava Tabita Yul: Mama Mega, RBB
2025-11-06, Amal El Ommali / Andrea Geißler: Lamyas Buch der Scharlatane, HR
2025-11-12, Kristine Bilkau: Halbinsel, NDR
2025-11-24, Emma Braslavsky: Die Nothing-Box, BR
2025-11-24, Manuela Tomic: Die Sonne täuscht über das Unglück hinweg, ORF
2025-11-24, Mudar Alhaggi: Damaskus danach, NDR
2025-11-24, Victor Hugo: Die Arbeiter des Meeres_Teil 1 bis 3, SWR<
2025-11-26, Gert Prokop: Timothy Truckle ermittelt Teil 9 Der Laurin oder Umzug der Engel, MDR

2025-12-10, Erik Altorfer: Um 12 Uhr Mittags ist Zukunft. Zeit zum Essen. BR
2025-12-13, Susanne Ayoub: Johnny, ORF
2025-12-17, Caroline Hofer: Marillenmassaker, ORF
2025-12-17, Laura Naumann: Die Enthauptung. DLF Kultur
2025-12-17, Liv Strömquist: Das Orakel spricht (1-3/7), DLF Kultur
2025-12-17, Nina Meyer und Felix Engstfeld: Dr. Dunning himself, NDR

2026-01-12, Andreas Jungwirth: Im Visier, MDR
2026-01-27, Karen Köhler: Polly, HR
2026-01-28, Maike Wetzel: Lise Meitner oder Die Spaltung der Welt, BR
2026-01-30, Jakob Nolte: Die Frau mit den vier Armen; DLF Kultur

2026-02-03, Buchholz, Fallwickl, Glanz, Köhler: 10 Augenblicke (1-3/10), HR
2026-02-03, Robert Walser:Der Gehuelfe, SRF
2026-02-06, Ursula Krechel: Die wirkliche Lämmchenhaftigkeit, DLF
2026-02-09, Catherine Verlaguet: Der Vorgang, SR
2026-02-10, Judith Kuckart: Die Welt zwischen den Nachrichten, SWR

#ChristophHein #LailaStieler #Landnahme #RBBHörspielDesMonats
Andreas Dresen – „Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush“ (2022)

Ein junger Mann aus Bremen wird nach 9/11 aus Pakistan in das illegale US-Lager nach Guantánamo verschleppt. Kein Prozess, statt dessen Folter und Isolation. Sein einziges Verbrechen: Er wurde geboren in Deutschland, ist Muslim und war zur falschen Zeit am falschen Ort. Während die Welt noch diskutiert hat, ob der „Krieg gegen den Terror“ überhaupt zu gewinnen ist, kämpft Rabiye Kurnaz, seine Mutter, für das Offensichtliche: Dass ihr Sohn Murat ein Mensch ist und Rechte hat. Ein Film von Andreas Dresen. (ARD, Wh)

Zum Blog: https://nexxtpress.de/mediathekperlen/andreas-dresen-rabiye-kurnaz-gegen-george-w-bush-2022/

Andreas Dresen – „Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush“ (2022)

Ein junger Mann aus Bremen wird nach 9/11 aus Pakistan in das illegale US-Lager nach Guantánamo verschleppt. Kein Prozess, statt dessen Folter und Isolation. Sein einziges Verbrechen: Er wurde geboren in Deutschland, ist muslimisch und war zur falschen Zeit am falschen Ort. Während die Welt noch diskutiert hat, ob der „Krieg gegen den Terror“ überhaupt zu gewinnen ist, hat Rabiye Kurnaz, seine Mutter, für das Offensichtliche gekämpft: Dass ihr Sohn Murat ein Mensch ist und ebensolche Rechte hat. (ARD)

Andreas Dresen - "Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush" (2022)

Ein junger Mann aus Bremen wird nach 9/11 aus Pakistan in das illegale US-Lager nach Guantánamo verschleppt. Kein Prozess, statt dessen Folter und Isolation. Sein einziges Verbrechen: Er wurde geboren in Deutschland, ist muslimisch und war zur falschen Zeit am falschen Ort. Während die Welt noch diskutiert hat, ob der "Krieg gegen den Terror" überhaupt zu gewinnen ist, hat Rabiye Kurnaz,

NexxtPress

Hörspiel des Monats 2025 – Die Jury und Neuausrichtung

Die Deutsche Akademie der Darstellenden Künste (DADK) wird ihre Initiative „Hör-spiel des Monats“ (seit 1977) und „Hörspiel des Jahres“ (seit 1987) ab 2025 neu ausrichten. Die Auszeichnung wird vom monatlichen Rhythmus der Ursendungen entkoppelt. Der Deutschlandfunk, der das Hörspiel des Monats bisher mit dreimonatiger Verzögerung jeweils am ersten Samstag des Monats um 20.05 Uhr ausstrahlte, wird das weiterhin tun – nur ohne die Verzögerung. Das letzte Hörspiel des Monats vom Dezember 2024 wird am 1. März gesendet. Im Jahr 2025 wird es also nur neun statt zwölf Hörspiele des Monats geben.

Außerdem wird es nur noch zwei statt drei Juroren geben, die wie bisher im jährlichen Wechsel von einem „gastgebenden Sender“ nominiert werden. 2025 sind dies Laila Stieler und Sebastian Krumbiegel, gastgebender Sender ist der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR). Der Westdeutsche Rundfunk, der schon bei der Abschaffung des Deutschen Hörspielpreises der ARD eine unrühmliche Rolle gespielt hat (Interview mit Martina Müller-Wallraf im WDR-5-Magazin „Scala“ vom 27.3.24, ab Minute 14:00), ist aus dem Wettbewerb ausgestiegen. Damit können Produktionen des WDR nicht mehr als Hörspiele des Monats oder als Hörspiel des Jahres ausgezeichnet werden.

Hier die Dokumentation der Pressemitteilung der DADK vom 13. Dezember 2024.

„Die Veränderungen in den Sendeanstalten, die Gründung einer ARD-weiten Gemeinschaftsredaktion Hörspiel und die für das Hörspiel im Mittelpunkt stehenden digitalen Ausspielwege, machen ein Umdenken und eine Anpassung an die veränderte Situation erforderlich“, so Barbara Schäfer, die als Mitglied des Akademiepräsidiums für diese Kunstsparte verantwortlich zeichnet. „Gleichzeitig gibt es in der Akademie und mehr-heitlich auch in den Hörspielredaktionen ausdrücklich den Wunsch, dem Hörspiel als Kunstform in der Darstellenden Kunst weiterhin besondere Aufmerksamkeit zu zollen.“

Seit 1977 richtet die Akademie den Wettbewerb zum Hörspiel des Monats aus, seit 1987 das Hörspiel des Jahres. Zunächst auf die Landesrundfunkanstalten und Deutschlandradio als einreichungsberechtigte Sender beschränkt, kamen 2019 SRF und ORF hinzu. Ab 2025 werden diese Beteiligten nun ohne den WDR, der nicht mehr teilnehmen wird, um die Auszeichnung konkurrieren.

Bereits in den letzten Jahren hat sich abgezeichnet, dass die Anzahl der Einreichungen zurückgeht und von Monat zu Monat sehr stark schwanken kann. Die bisherige Beschränkung einer einmaligen Einreichung bei Erstausstrahlung macht zudem im Zeitalter von Audiotheken immer weniger Sinn. So hat sich die DADK entschieden, einen Jahrgangspool der Hörspielproduktionen einzurichten, der von den Redaktionen ohne Einschränkung auf Anzahl oder Sendedatum ganzjährig befüllt wird.

Es können Einzelhörspiele, max. 3-teilige Mehrteiler und von Serien max. 3 Teile einer Staffel eingereicht werden. Eine zweiköpfige Jury wird zukünftig daraus monatlich ein Hörspiel des Monats auswählen. Ausgezeichnet werden die Hörspielschaffenden, also Autor:innen, Regisseur:innen, Sprecher:innen, Komponist:innen.

Die Deutsche Akademie der Darstellenden Künste sichert damit die Fortsetzung einer Hörspielauszeichnung und bekennt sich ausdrücklich zu dieser Kunstsparte. „Nach der Abschaffung des Deutschen Hörspielpreises der ARD und der Aussetzung des Hörspielpreises der Kriegsblinden für 2024 setzen wir ein wichtiges Signal“, sagt Barbara Schäfer.

Das neue Verfahren gilt ab März 2025, wo die beiden neuen Jurymitglieder, der Musiker Sebastian Krumbiegel und die Drehbuchautorin Laila Stieler, beim Gastgeber MDR im zweimonatigen Rhythmus zum ersten Mal über das Hörspiel des Monats und zum Jahresende auch über ein Hörspiel des Jahres entscheiden werden.

Auf die Juryarbeit 2025 freuen sich:

Laila Stieler, geboren 1965 in Neustadt an der Orla, lebt in der Uckermark. Sie ist Drehbuch- und Hörspielautorin, Dramaturgin und Filmproduzentin. Sie ist die Verfasserin bzw. Mitverfasserin u.a. zahlreicher Drehbücher zu den Filmen von Andreas Dresen. Nach dem Abitur arbeitete sie bei „Elektrokohle Lichtenberg“, absolvierte ein Volontariat beim Fernsehen der DDR und studierte bis 1990 Dramaturgie an der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ in Babelsberg.
Seit 1988 erhalten ihre Arbeiten und Produktionen zahlreiche Auszeichnungen wie den Fernsehfilmpreis der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste, den Adolf-Grimme-Preis in Gold, den Goldenen Löwen, den Silbernen Bären der Berlinale, den Preis der Deutschen Akademie für Fernsehen und den Bayerischen Fernsehpreis.

Zu ihren beim Publikum sehr bekannten Arbeiten gehören „Gundermann“, „In Liebe, Eure Hilde“, „Lola“, „Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush“, „Tina mobil“. Laila Stielers Hörspiele entstanden 2012-2024 in Zusammenarbeit mit dem RBB und der Hörspielregisseurin Judith Lorentz: „Ick bin nu mal Friseuse“, „Die Lehrerin“, „Vergesst mich nicht“ nach Motiven des Buches „Schmerzliche Heimat“ von Semiya Simsek und Peter Schwarz, „In Liebe, Eure Hilde!“.

Sebastian Krumbiegel, geboren 1966 in Leipzig, lebt in seiner Heimatstadt und ist als Solokünstler und Autor aktiv. Mit der Band „Die Prinzen“ wurde Sebastian Krumbiegel zu einem der bekanntesten und erfolgreichsten deutschen Popstars. Er stammt aus einer hochmusikalischen Familie, besuchte die Thomasschule zu Leipzig, sang im Thomanerchor und gründete schon vor dem Abitur 1981 mit Wolfgang Lenk die Rockband „Phoenix“. Nach dem Armeedienst studierte Krumbiegel an der Leipziger Musikhochschule Schlagzeug und Gesang. „Die Prinzen“ wurden weithin bekannt u.a. mit den Singles „Millionär“, „Gabi und Klaus“ und „Mein Fahrrad“.

2017 erschien Sebastian Krumbiegels Buch „Courage zeigen – warum ein Leben mit Haltung gut tut“, es folgten Lesungen u.a. mit Gregor Gysi u.a. und Auftritte mit den Rappern Eko Fresh und MoTrip. Krumbiegel engagiert sich in seiner Heimat u.a. für das Jugendfestival LEIPZIG. COURAGE ZEIGEN und als Unterstützer der Amadeu Antonio Stiftung. 2024 veröffentlichte er das Buch „Meine Stimme. Zwischen Haltung und Unterhaltung“. Für sein soziales Engagement wurde er u.a. mit dem Humanismus-Preis des Deutschen Altphilologenverbandes und dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt. Auch erhielt er den Bambi in der Sparte Musik National.

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#BarbaraSchäfer #DeutscheAkademieDerDarstellendenKünste #HörspielDesJahres #HörspielDesMonats #LailaStieler #SebastianKrumbiegel

Laila Stieler: In Liebe, eure Hilde

RBB Kulturradio, Fr 1.3. und 8.3.2024, 19.00 bis 20.00 Uhr,
So 3.3. und 10.3.2024, 14.00 bis 15.00 Uhr

Bevor Andreas Dresens Film „In Liebe, Eure Hilde“ über die Widerstandskämpferin Hilde Coppi im Herbst in die Kinos kommt, geht die Hörspielfassung seiner Drehbuchautorin Laila Stieler auf Sendung.

Für seinen Text „Die Seife“ empfiehlt der französische Schriftsteller Francis Ponge, sich „in Gedanken mit deutschen Ohren“ zu versehen. In dem Text, der 1998 von Stefan Hardt auch als Hörspiel inszeniert wurde, geht es unter anderem um die Exzesse der Reinheit, die zu Säuberungen führen müssen.

Deutsche Ohren kann man bei den Hörern von Laila Stielers zweiteiligem Hörspiel (und vierteiligem Podcast) „In Liebe, Eure Hilde“ wohl voraussetzen. Aber die Zuhörkunst ist nicht nur von der kulturellen Geografie sondern auch von der historischen Epoche abhängig. So hört man in der Geschichte der Widerstandskämpferin Hilde Coppi, geborene Rake, die 1943 von den Nazis wegen „Vorbereitung zum Hochverrat in Tateinheit mit Feindbegünstigung, Spionage und Rundfunkverbrechen“ zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde unweigerlich auch gegenwärtige Stimmen mit.

Regisseurin Judith Lorentz, die alle vier Hörspiele der Drehbuchautorin Laila Stieler inszeniert hat, erzählt Hildes Geschichte beginnend mit ihrer Verhaftung in einer gegenläufigen Rückblenden-Erzählung. Während man sich dem unausweichlichen Ende nähert, wird die Vorgeschichte rückwärts rekapituliert, so dass die Hinrichtung unter dem Fallbeil mit dem Kennenlernen ihres späteren Mannes Hans Coppi (Aram Tafreshian) zusammenfallen. Die gegenläufige Erzählbewegung unterminiert die anzunehmende Folgerichtigkeit der Ereignisse, will heißen: Es hätte auch anders kommen können mit diesem Freundeskreis, der von den Nazis unter der Bezeichnung „Rote Kapelle“ geführt wurde – wenn er nicht unter totalitären Bedingungen hätte agieren müssen.

Die Szenen vor der Verhaftung sind Bohème-artig leicht. Die Gruppe versucht gleichsam spielerisch per Funk mit Morsezeichen Kontakt mit dem sowjetischen Geheimdienst aufzunehmen und Meldungen deutscher Kriegsgefangener von Radio Moskau an ihre Angehörigen weiterzuleiten. Danach ist die Welt des Gefängnisses eine Innenwelt, die Judith Lorentz teilweise in einer Zelle in der Gedenkstätte Berlin Hohenschönhausen aufgenommen hat.

Man merkt der Inszenierung an, dass sie auf einem Drehbuch für den Filmemacher Andreas Dresen beruht, dessen Film gerade auf der Berlinale seine Premiere feierte und im Herbst in die Kinos kommen soll. Inszenierung und Besetzung sind unterschiedlich, die Grundhaltung nicht. Denn die antagonistischen Figuren klingen für gegenwärtige Ohren alle eine Spur zu freundlich und gewöhnlich, wenn man bedenkt welche sprachliche und mentale Verrohung sich gegenwärtig in den sozialen Netzwerken, an den Stammtischen und auf Demonstrationen zeigt. Das Good-Cop-/Bad-Cop-Spiel der Vernehmungsbeamten kommt ein wenig zu routiniert rüber. Selbst die fiese Gefängniswärterin Kühn (Winnie Böwe), die gerne „Ist Vorschrift!“ bellt, weil es ihr dadurch offiziell erlaubt ist, ihre aggressive Menschenfeindlichkeit auszuagieren, bedauert am Ende des Stücks, dass Hilde Coppis Gnadengesuch vom Führer abgelehnt wurde.

Statt also auszustellen, wie der Faschismus das Niedrigste im Menschen hervorlockt, ist es das Leiden der Hilde Coppi, mit großer Empathie gespielt von Alina Stiegler, das im Fokus der Inszenierung steht. Denn die ist hochschwanger, als sie verhaftet wird. Ihren Sohn Hans bringt sie im Frauengefängnis in der Barnimstraße zur Welt – auch wenn der Gefängnisarzt (Axel Prahl) konstatiert: „Tja, jetzt ist es zu spät für eine Schnittentbindung. Dekapitation, würde ich sagen. Wenn nötig auch die Arme ab.“ Da ist in einer Figur dann doch die brutale Rohheit des Faschismus kondensiert.

Der Kampf um das Leben ihres Sohnes, den sie zunächst nicht stillen kann, ist das Zentrum des Stückes, das die Entwicklung von Hilde Coppi von einer zunächst etwas naiven Helferin einer Widerstandsgruppe hin zu einer großen Liebenden nachzeichnet. Sie wird getötet, als ihr Sohn gerade mal acht Monate alt ist.

Den größten Effekt hat sich Judith Lorentz für den Schluss aufgehoben. Da hört man plötzlich die Stimme eines Historikers. Es ist die Stimme des inzwischen über 80-jährigen Hans Coppi junior, der erklärt, dass bei seinen Recherchen in den Moskauer Archiven nur ein einziger Funkspruch seines Vaters angekommen war. Es war die erste Testsendung mit dem Text „1000 Grüße allen Freunden“. Auch das ist eine Stimme, der man mit gegenwärtigen Ohren zuhören sollte.

Jochen Meißner – KNA Mediendienst, 07.03.2024

Kritik von Cosima Lutz im epd medien.

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https://hoerspielkritik.de/von-der-naiven-helferin-zur-grossen-liebenden/

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In Liebe, Eure Hilde (1/2)

Spätsommer 1942. Hilde Coppi ist hochschwanger, als sie von der Gestapo verhaftet wird. Gemeinsam mit ihrem Mann Hans Coppi war sie an Aktionen gegen das NS-Regime beteiligt. Die Gestapo spricht von der "Roten Kapelle".