Dekoloniale Straßenumbennungen im Wedding: Der Manga-Bell-Platz und die Cornelius-Fredericks-Straße, Berlin 02.12.22
Am 2. Dezember 2022 wurden zwei Straßen im Afrikanischen Viertel umbenannt, die jetzt an Anführer:innen des Widerstands gegen die deutsche Kolonialmacht erinnern. Damit wird ein weiteres Zeichen der Dekolonialisierung in Berlin gesetzt.
Der Nachtigalplatz wurde zum Manga-Bell-Platz.
Der Manga-Bell-Platz erhielt den Namen zu Ehren von Rudolf und Emily Duala Manga Bell, dem Königspaar der Duala und Kämpfern gegen die deutsche Kolonialherrschaft in Kamerun. Rudolf Duala Manga Bell wurde 1914 als Anführer des Widerstands hingerichtet.
Und die Cornelius-Fredericks-Straße löste die Lüderitzstraße ab. Cornelius Fredericks war Führer der !Aman (Nama) und gehörte zu den herausragenden Persönlichkeiten des militärischen Widerstands gegen die deutsche Kolonialherrschaft in Namibia.
Gustav Nachtigals, offizieller Begründer der Kolonie Deutsch-Südwestafrika. Auch Adolf Lüderitz war Mitbegründer der deutschen Kolonien in Südwestafrika. Beide waren mörderische Vertreter des deutschen Kolonialismus.
An der Veranstaltung nahmen rund 100 Menschen teil. Die Umbenennung sowie die weitere Informationsplanung geht auf Initiativen afrodiasporischer und solidarischer Nicht-Regierungsorganisationen zurück. Hierzu zählen die “Initiative schwarze Menschen in Deutschland” (ISD), “Each One Teach One” (EOTO), “Berlin Postkolonial” sowie Träger:innen des Projekts “Dekoloniale Erinnerungskultur in der Stadt”.
Bei der Umbenennung anwesend waren anwesend:
Der Botschafter Kameruns S.E. Victor Ndocki und der Botschafter Namibias S.E. Martin Andjaba,
Jean Yves Eboumbou Douala Bell (König der Douala), Ekwe Endale Clarisse Valerie Epouse Douala Bell (Königin der Douala), Chef Epanya Sosso und Chef Kum Djemba (Begleiter des Königs) und Jean-Pierre Felix Eyoume (Großneffe Duala Manga Bells),
Es gab Reden der beiden Botschafter, des Königs und des Großneffen
sowie von Sharon Dodua Otoo (Schriftstellerin, ISD e.V.), Marianne Ballé (PAWLO Masoso e.V. Panafrikanische Frauenorganisation), Eleonore Bekamenga (Afrika Rat Berlin Brandenburg), Mnyaka Sururu Mboro (Berlin Postkolonial) und Israel Kaunatijke (Herero-Aktivist),
sowie von Stefanie Remlinger, Bezirksbügermeisterin von Berlin-Mitte und von der Bezirksstadträtin Dr. Almut Neumann.
Einen musikalischen Beitrag lieferte die Gruppe Sauti é Haala.
Tahir Della (ISD e.V.) sagte zu den Umbenennungen: „Ein großer Tag für alle die es ernst meinen mit der Aufarbeitung der Kolonialen Verhältnisse.“
© Bernd Sauer-Diete