Gegen Ende seines Lebens befasste sich Max Frisch intensiv mit dem Schweizer Inlandsgeheimdienst. In der sogenannten Fichen-Affäre war 1990 bekannt geworden, dass der Schweizer Staat seinen berühmten Dichter von 1948 an 42 Jahre überwacht hatte. In seinem unvollendeten Werk Ignoranz alsStaatsschutz? rechnete Frisch spöttisch mit der eidgenössischen Spitzelei ab. Allerdings lagen die Schweizer Geheimen nicht völlig falsch, denn tatsächlich war Frisch ein Geheimagent - allerdings einer, dem seine Rolle auf dem politischen Schachbrett offenbar gar nicht bewusst war.
Dieser Tage beleuchtet die Schweizer Presse das Wirken der CIA, die in den 1950er Jahren westliche Künstler förderte, solange solche sich nicht dem Kommunismus zuwandten. Auch Max Frisch kam 1951 in den Genuss eines Stipendiums der Rockefeller-Stiftung, die ihm ein Jahr in den USA ermöglichte. Die Rockefellers kooperierten aufs Engste mit der CIA.
Der Harvard-Professor Henry Kissinger empfing häufig deutschsprachige Autoren und Lektoren wie etwa Martin Walser und Siegfried Unseld zum Sommer-Seminar. Frischs Kontaktperson bei der Rockefeller-Stiftung Charles B. Fahs war sogar ein ehemaliger Agent des CIA-Vorläufers OSS gewesen. Fahs versuchte, Frisch zur Gründung einer politischen Zeitschrift zu bewegen. Bekannt gewordene CIA-Zeitungsgründungen in Westeuropa sind "Preuves", "Encounter" und "Der Monat".
Zwar lehnte Frisch das Angebot einer journalistische Karriere ab, jedoch schwärmte der Schweizer nach seiner Rückkehr von den Bibliotheken, Museen und der US-Verfassung, mithin war er gegen sog. "Antiamerikanismus" vorläufig immun. Seine Eindrücke prägten den Roman "Stiller", der Frisch literarisch zum Durchbruch verhalf. 1956 wurde der kooperative Dichter und Architekt mit einer bezahlten Teilnahme an einer Design-Konferenz in Aspen belohnt.
https://www.heise.de/tp/news/Die-Max-Frisch-Identitaet-3962024.html https://www.heise.de/tp/news/Die-Max-Frisch-Identitaet-3962024.html #
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