Seamus Rhino

13 Followers
127 Following
57 Posts
Psychoanalytiker und Musiker
@LutheranusVindelicus Vielleicht findet sich das Thema ja in einer der 7 ethischen Streifragen wieder:
Sollten wir unsere Intentionen, mögliche Projektionen, Abwertungen, Idealisierungen oder projektive Identifikationen in Bezug auf unsere persönlichen, zwischenmenschlichen und gesellschaftlichen Konfliktdynamiken reflektieren, um dem Nächsten und sich selbst ausreichend liebevoll, angstbefreit und uneigennützig begegnen zu können?
@LutheranusVindelicus ich weiß allerdings nicht, ob ausgerechnet Pfarrer*innen in Bezug auf die eigene Motivlage bzw. die Reflexion derselben im Durchschnitt besser abschneiden?
@LutheranusVindelicus ja, gibt es schon, vielleicht tatsächlich auch gehäuft. Bei Psychoanalytiker*innen wird das jüngste Gericht ja bereits auf die jahrelange Lehranalyse vorverlegt... Aber hier gibt es natürlich dennoch Analyse-resistente Narzisst*innen, die nach dem Tod bitte besonders herzlich in den Arm genommen werden.
Mich tröstet die Idee, dass gerade hartnäckige menschliche Destruktivität eine Sehnsucht nach einem erlösenden Jenseits in sich trägt - und dort nicht enttäuscht wird.
@LutheranusVindelicus etwa ein postmortaler Crashkurs in prämoderner Soteriologie und postfaktischer Semantik? Ja, das wird hart... Geht alternativ auch ne Stunde Fegefeuer mit Orangen-Aufguss?
@LutheranusVindelicus Danke. Die Mastodogmatik hat auf ansprechende Weise einen Standpunkt veranschaulicht, wie Christentum verstanden werden kann. Ich habe Respekt für diese Lesart, finde in dem umschriebenen Rahmen für mich selbst aber keinen Platz. Trotz kontinuierlicher Inspiration durch ganz vieles, was der Jesus der Evangelien predigte und wie er lebte - und trotz (oder wegen?) einer großen Nähe zu einzelnen Werken christlicher Mystik.
@LutheranusVindelicus @Ustinoff Ein letzter bescheidener psychotherapeutischer Einwand: Wenn wir es in psychotherapeutischen, psychiatrischen und sozialpädagogischen Kontexten hier und da hinbekommen sollten, uns gerade den Menschen anzunehmen, die "die Verdammnis schon arg hartnäckig wollen" und von überraschender Gnade gar nichts wissen wollen, sollte es für den großen, gütigen Gott doch eine leichtere Übung sein, schwer psychisch kranke Menschen nicht auch noch im Jenseits auszugrenzen?
@LutheranusVindelicus Und: Jesus stelle ich mir als einen Menschen vor, der so "göttlich" und menschlich ist, wie jeder einzelne von uns, der aber vielleicht - vor dem Hintergrund jüdischer Traditionen, Gesetze und Prophezeiungen - durch sein konsequent mitmenschliches Handeln und seine (im besten Sinne) "traumnahe" Gleichnisse in seiner Zeit und über seine Zeit hinaus sehr wichtige Impulse gesetzt hat.
Ihn zu idealisieren und konkretistisch zu vergöttern, macht ihn für mich unnötig kleiner.
@LutheranusVindelicus Die ganze Existenz, im ganz kleinen wie im ganz großen ist so ein riesiges Wunder. "Wunder", die die Naturgesetze konkretistisch außer Kraft setzen sollen, erscheinen mir wie eine besonders "grandiose" Kompensation dafür zu sein, das Wunder der menschlichen Begegnung oder der so wunderbaren Komplexität und Ästhetik der Natur und des Universums aus den Augen verloren zu haben - aus Gewohnheit und Abgeklärtheit, oder vor lauter Leid, Angst, Trauer, Wut und Einsamkeit.

@LutheranusVindelicus In meinen Augen wäre dies kein Verlust, keine "Glättung", sondern ein großer Gewinn:

Die seelisch und sozial wirksame Symbolik von Sinn- und beziehungsstiftenden Ritualen wäre von magisch-konkretistischer "Zauberei" befreit und könnte die seelische und soziale Wirklichkeit von innen "verzaubern".

@LutheranusVindelicus Ich bin überzeugt, dass hier eine radikale Abkehr von sämtlichen konkretistischen Interpretationen überlieferter Narrative, Gebote und Rituale sowie eine radikale Reflexion persönlicher, institutioneller und dogmatischer Loyalitäten notwendig ist, wenn man sich nicht auf traditionelle / konservative Zielgruppen beschränken möchte, die mit konkretistischen Interpretationen kein Problem haben.