Ich hab mit 15 oder 16 angefangen, Straight Edge zu leben, weil ich den Wikipedia Eintrag über Heaven Shall Burn gelesen hab, 4 von denen Straight Edge leben, und ich dachte "cool, das mach ich auch."
Mit der Ideologie dahinter hab ich mich erst viel später auseinandergesetzt.
Klar, "Edge break ist face break" und anderen Menschen Drogenkonsum verbieten wollen, ist übergriffiger Bullshit und damit hab ich nichts zu tun.
Aber wir leben in einer Gesellschaft, in der Drogenkonsum, vor allem Alkohol, normalisiert ist, oft sogar erwartet wird. Und da find ich es gut, einfach nicht mitzumachen, anderen zu zeigen, dass es auch ohne Rauschmittel geht, und Räume zu schaffen, in denen Menschen auch ohne Rauschmittel eine gute Zeit zusammen haben können.
Ich find es schrecklich, mich dafür rechtfertigen zu müssen, meinen Körper nicht zu vergiften. Zum Beispiel in meinem Ausbildungsbetrieb hatten sich die Kollegen zum Ziel gesetzt, mich bei der nächsten Firmenveranstaltung abzufüllen, weil sie nicht akzeptieren konnten, dass ich lieber nüchtern bleibe. Ich habe nicht Mal deren Konsum kritisiert, ich hab nur gesagt, dass ich keinen Alkohol trinke. Da muss sich gesellschaftlich dringend was ändern.
Ich verstehe, dass Menschen sich in den Rausch flüchten, weil die Welt, in der wir leben, so voller Missstände ist. Deswegen bedeutet Straight Edge zu sein für mich nicht nur, auf Drogenkonsum zu verzichten und konsumfreie Räume zu schaffen, sondern auch für eine gerechtere Welt zu kämpfen, in der Menschen auch nüchtern ein glückliches und erfülltes Leben haben, und Drogen nicht mehr zur Realitätsflucht konsumiert werden, sondern einfach nur, weil deren Wirkung Spaß macht.
