âStaatsrĂ€sonfunkâ â Techniken der Einseitigkeit
Mit âStaatsrĂ€sonfunkâ hat Fabian Goldmann eine empirisch fundierte Studie vorgelegt, eine schonungslose Abrechnung mit der deutschen âNahostâ-Berichterstattung. Goldmann legt die systematischen Verzerrungen, Auslassungen und Rechtfertigungen in tausenden BeitrĂ€gen seit dem 7. Oktober offen. Die Diskrepanz zwischen dokumentierten Fakten und medialer Darstellung erscheint dabei nicht als Ausrutscher, sondern als strukturelles Prinzip â mit tiefen politischen und historischen Wurzeln. etos.media-Autor Sebastian Schröder arbeitet heraus, weshalb diese Studie einen wichtigen Beitrag zum VerstĂ€ndnis der deutschen Medienlandschaft und ihre eingebetteten Rassismen und Befangenheiten leisten kann.
Wer das Buch âStaatsrĂ€sonfunk â Deutsche Medien und der Genozid in Gazaâ von Fabian Goldmann in die Hand nimmt, sieht sie schon auf dem Umschlag, die Ăberschriften der deutschen Presse seit dem 7. Oktober 2023: âDie Barbaren sind unter unsâ; âDie Terror-Klinik ist enttarntâ; âFree Palestine ist das neue Heil Hitlerâ; âLöst endlich das PalĂ€stinenserhilfswerk aufâ; âHamas versteckte Waffen in Baby-BrutkĂ€stenâ; âDie begrenzte Operation Rafahâ; âKönnen Journalisten Terroristen sein?â; âTote nach Streit um HilfsgĂŒterâ; âManchmal ist es notwendig zu töten, um das Morden zu verhindernâ. Diese Collage zeigt einen Bruchteil der deutschen Schlagzeilen seit dem 7. Oktober 2023 und so sind auf dem Buchumschlag zentrale Techniken der Einseitigkeit sichtbar: Verschleierung, Verharmlosung, Verdrehung, Rechtfertigung, Auslassung und Leugnung. Und unsichtbar daneben natĂŒrlich das Schweigen â das sprichwörtliche Totschweigen.
Viele haben sich nach wenigen Wochen entsetzt von den deutschen Medien abgewendet, denn der Widerspruch zwischen der Berichterstattung und den Bildern aus Gaza war zu groĂ. âAber vielleicht kann dieses Buch zumindest jenen, die (âŠ) in den letzten zwei Jahren regelmĂ€Ăig fassungslos vor den Zeitungsseiten, Fernsehbildschirmen und Timelines saĂen, vermitteln, dass nicht sie die VerrĂŒcktgewordenen sind.â
Goldmann hat deshalb gezÀhlt, was wirklich veröffentlicht worden ist. Seine Studie arbeitet empirisch und kann dadurch die erschreckende RealitÀt in Deutschland sichtbar machen.
Dazu hat er einflussreiche und politisch breit gestreute Medienerzeugnisse (BILD, Spiegel, taz, tagesschau, Zeit) im Zeitraum vom 7. Oktober 2023 bis zum 19. Januar 2025 und zum Teil darĂŒber hinaus analysiert. Es handelt sich um insgesamt 11.125 BeitrĂ€ge zum Thema âNahostâ. ZusĂ€tzlich werden die meinungsbildenden Polit-Talkshows âAnne Willâ, âMaischbergerâ, âMarkus Lanzâ, âMaybritt Illnerâ und âHart aber fairâ betrachtet.
Goldmann legt die maĂgebliche âAnalyse des Medien-Biasâ vor, so Ilan Pappe im Vorwort. Eigentlich mĂŒsste das Erscheinen von âStaatsrĂ€sonfunkâ die deutsche Medienlandschaft durch die FĂŒlle des Sichtbargewordenen erschĂŒttern, und mit jedem Kapitel nimmt das Entsetzen des Lesenden zu. Das zufĂ€llig Beobachtete wird nun als SelbstverstĂ€ndnis der ĂŒberwĂ€ltigenden Mehrzahl aller Veröffentlichungen nachgewiesen.
Den deutschen Diskurs haben zu Anfang die LĂŒge von den â40 geköpften Babysâ, den in jedem angegriffenen Krankenhaus versteckten 138 (!) âHamas-Kommandozentralenâ und andere als falsch nachgewiesene Pressemeldungen bestimmt. So wurde der Generalverdacht gegenĂŒber palĂ€stinensischen Menschen, arabischen Menschen, Muslimen und Pro-PalĂ€stina-Aktivist*innen in Deutschland gesetzt (und verstĂ€rkt), und zugleich wurde âjĂŒdischâ mit Israel amalgamiert. Beide Prozesse weist der Autor empirisch nach.
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Weiterlesen in der Rezension von Sebastian Schröder / @sebastianschroeder in unseren Blog.
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