Falls übrigens jemandem allmählich nach winterlichen oder weihnachtlichen Geschichten zumute ist: "Immergrün und Walküren" und "Greifen, Grabraub und Gelichter" enthalten jeweils einige. Von einem Heiratsantrag am Heiligabend über ein Weihnachtsessen bis hin zu drei nicht ganz so Weisen aus dem Abendland ist alles dabei.
Aus gegebenem Anlass nun noch der Hinweis:
Wer das Buch vielleicht zu Weihnachten verschenken will, sollte am besten bis nächsten Dienstag (28. Nov.) bestellen. Andernfalls kann die rechtzeitige Lieferung von BoD nicht garantiert werden. Es würde mich jedenfalls freuen, wenn Interesse daran besteht. 😊
#literatur #frauenlesen #herstoryViele einst populäre Autorinnen der Zeit um 1900 sind heute weitgehend vergessen, doch nur wenige sind so vollständig aus dem Gedächtnis der literarischen Welt verschwunden wie die Wienerin Betty Winter (1879-1918). Dabei galt sie dank ihrer mit feinem Humor und subtiler Erotik durchzogenen Novellen vielen ihrer Zeitgenossen als die weibliche Antwort auf Arthur Schnitzler. Eine Auswahl ihrer Texte, inkl. Nachwort zu Leben und Werk, habe ich unlängst bei BoD herausgegeben.
https://buchshop.bod.de/kavaliere-untereinander-betty-winter-9783757805418
Kavaliere untereinander
"Kavaliere untereinander" von Betty Winter • BoD Buchshop • Besondere Autoren. Besonderes Sortiment.
Andererseits betont der neue Titel jedoch stark diesen einen Mann, dieses eine Ereignis. Der Originaltitel hingegen machte viel deutlicher, dass die junge Frau sich am Beginn einer Lebensreise befindet, die wohl noch eine lange Reihe ‚feindlicher‘ Übergriffe – nicht zuletzt und Dienstherren und deren Söhne – beinhalten würde.
#kunst #malerei #genremalerei #kunstgeschichte #frauengeschichte #herstoryErst zu einem unbekannten späteren Zeitpunkt erhielt das Gemälde (vermutlich im Kunsthandel) die heute übliche Bezeichnung ‚Der lästige Kavalier‘. Es ist bezeichnend, dass die Änderung des Titels den Fokus auf den Mann hin verschiebt, während er ursprünglich ganz auf der Frau lag. Diese Verschiebung erscheint einerseits passend, weil die Pointe des Bildes ja darin besteht, dass der Mann sich in die Privatsphäre der Frau drängt.
Für die zeitgenössischen Rezensenten war aber auch klar: Hier handelt es sich um eine junge Frau, die gerade zur Waise geworden ist und nun in eine fremde Stadt reisen muss, um entweder bei Verwandten unterzukommen oder eine Stelle z. B. als Kindermädchen oder Erzieherin anzutreten. Das unterstreicht auch der Originaltitel, unter dem das Bild 1874 ausgestellt war: ‚In’s feindliche Leben‘ beziehungsweise ‚Hinaus ins feindliche Leben‘, wie die Bildunterschrift im Bazar lautet.